15. September 1666 - Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg wird geboren

Geburtstag Sophie Dorothea

15. September 1666 - Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg wird geboren

Sie hätte Königin von England werden können. Doch als Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg – wie ihr Ehemann – eine Affäre beginnt, wird sie in ein schäbiges Amtshaus am Rand der Lüneburger Heide verbannt, der Geliebte verschwindet spurlos.

Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg (Geburtstag, 15.09.1666)

WDR ZeitZeichen 15.09.2021 14:47 Min. Verfügbar bis 16.09.2099 WDR 5


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Geboren wird Sophie Dorothea am 15. September 1666 als einziges Kind des Welfen-Herzogs Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg und der Hofdame Eleonore d’Olbreuse. In der heiteren Atmosphäre des Celler Schlosses wächst das Mädchen zu einer kleinen Schönheit heran, lebenslustig, impulsiv und kokett.

Bald schon stehen die Bewerber um ihre Hand Schlange. Einziges Problem: Ihr Vater hatte einst die für ihn selber ausgewählte Braut an seinen jüngeren Bruder weitergereicht und versprochen, selbst keine erbberechtigten Kinder zu zeugen, so dass sein gesamtes Erbe an den Bruder übergehen sollte.

Hochzeit aus dynastischen Interessen

Doch die reizvolle Eleonore durchkreuzt seinen Vorsatz, und mit Tochter Sophie Dorothea gibt es nun eine rechtmäßige Erbin. Um die aufgebrachte Verwandtschaft in Hannover zu besänftigen, verspricht Georg Wilhelm seine Tochter mit dem ältesten Sohn des Bruders, Georg Ludwig, zu verheiraten. So sind die beiden Linien des Hauses auf Dauer vereinigt.

Die 16-jährige Sophie Dorothea und ihre Mutter sind entsetzt, gilt der sechs Jahre ältere Cousin doch als verschlossen und griesgrämig. "Dass das persönlich eine unglückliche Beziehung werden würde, das war allen wohl klar", erzählt Juliane Schmieglitz-Otten, Leiterin des Residenzmuseums im Celler Schloss.

Langeweile am Hof in Hannover

Die Zwangsvermählten bekommen einen Sohn und eine Tochter. Aber Georg Wilhelm geht seine lebenshungrige Gattin schnell auf die Nerven, er verbringt seine Zeit lieber mit seiner Mätresse. Sophie Dorothea ihrerseits langweilt sich in Hannover zu Tode: "Wir leben hier still, kein Abenteuer passiert."

Das ändert sich, als im Karneval 1688 Philipp Christoph von Königsmarck am Hof erscheint. Der 23-Jährige hat in England studiert, in Versailles den gesellschaftlichen Schliff erhalten und es früh zum Oberst gebracht. Die Prinzessin lebt auf, die Briefe des galanten Kavaliers sind fortan ein willkommener Zeitvertreib.

"Gott, welche Nacht habe ich verbracht!"

Aus dem anfänglich leichten Liebesspiel entwickelt sich eine tiefe Beziehung. "Meine Leidenschaft wächst alle Tage", schreibt Sophie Dorothea in einen der rund 300 erhaltenen Briefe. "Welche Freude, welches Vergnügen, welches Entzücken habe ich in Ihren Armen gefühlt! Gott, welche Nacht habe ich verbracht!", sendet Königsmarck zurück.

Im Rausch der Liebe werden sie leichtsinnig, die Affäre fliegt auf. Obwohl Kurfürst Georg Ludwig selbst alles andere als treu ist, kann er die Liaison seiner Gattin nicht tolerieren. 1694 verschwindet Königsmarck spurlos, wie und wohin ist bis heute ungeklärt.

Sophie Dorothea wird bis zu ihrem Tod 1726 auf Schloss Ahlden verbannt und muss völlig isoliert leben. Auch ihre Kinder sieht sie nie wieder. Ihr Ex-Mann besteigt 1714 als Georg I. den Thron von England.

Autor des Hörfunkbeitrags: Christiane Kopka
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 15. September 2021 an Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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Stand: 09.09.2021, 14:23