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21. Juni 1926 - Unternehmerin Johanna Quandt wird geboren

Die Gründerin der Stiftung Charite, Johanna Quandt, gibt am 06.11.2012 in Berlin eine Pressekonferenz.

21. Juni 1926 - Unternehmerin Johanna Quandt wird geboren

Als ihre Ehemann Herbert 1982 stirbt, ist Johanna Quandt Großaktionärin des deutschen Autobauers BMW und lange Jahre dort stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Auch als Stifterin hat sie sich hervorgetan.

Über kaum eine deutsche Unternehmerfamilie weiß die Öffentlichkeit so wenig wie über die Quandts. Rote Teppiche, protzige Auftritte oder Prominenten-Partys: Fehlanzeige. Stattdessen arbeitet sie vor allem als Witwe unermüdlich daran, ihrer Führungsverantwortung nachzukommen.

Johanna Quandt, dt. Unternehmerin (Geburtstag, 21.06.1926)

WDR ZeitZeichen 21.06.2021 14:36 Min. Verfügbar bis 22.06.2099 WDR 5


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Daher folgt Johanna Quandt so gut es geht dem Grundsatz ihres Schwiegervaters Günther Quandt: "Nie etwas sagen. Aufsehen vermeiden." Als ein Schriftsteller an sie herantritt, lässt sie ihm ausrichten: "Das Interesse von Frau Quandt, in einem Buch vorzukommen, tendiert gegen Null."

Die zweitreichste Frau Deutschlands

Dabei hätte Johanna Quandt viel zu erzählen. Sie kontrolliert bis zu ihrem Tod gemeinsam mit ihren beiden Kindern ein verzweigtes Wirtschafts-Imperium und gilt lange als zweitreichste Frau Deutschlands – hinter ihrer eigenen Tochter Susanne Klatten.

Als Tochter eines Kunsthistorikers wird sie in Berlin am 21. Juni 1926 als Johanna Bruhn geboren. Ihr Großvater, der Mediziner Prof. Max Rubner, ist der Nachfolger Robert Kochs als Leiter des Hygiene-Instituts der Berliner Charité. Von ihm habe sie das Interesse für Medizin geerbt, sagt sie später.

Der Krieg verhindert jedoch, dass sie Medizin studieren kann. Nach Kriegsende geht sie für ein Jahr in die USA und wird bei ihrer Rückkehr die Assistentin des Industriellen Herbert Quandt in der Frankfurter Hauptverwaltung des Batteriekonzerns AFA, später Varta.

Von der Assistentin zur Ehefrau

Aus der beruflichen entwickelt sich auch eine private Beziehung, 1960 wird Johanna Bruhn Herbert Quandts dritte Ehefrau. Zu dieser Zeit schwächelt der zum Konzern gehörende Autobauer BMW, der daher an Daimler-Benz verkauft werden soll.

Doch Belegschaft, Gewerkschaft und Kleinaktionäre wehren sich vehement, und Herbert Quandt rettet den angeschlagenen Autobauer in Eigenregie. Ein Engagement, das sich in den folgenden Jahrzehnten dank stattlicher Dividenden auch für die Kinder Susanne und Stefan auszahlen wird.

Trotz des Milliarden-Vermögens geben sich die Quandts bescheiden. "Wir leben völlig normal, wie viele andere Familien auch", beteuert Johanna Quandt. Sie kleidet sich dezent, gibt sich zurückhaltend und wird oft gar nicht erkannt, wenn sie Messen oder Veranstaltungen besucht.

Geld für gute Sachen ausgeben

Als Herbert Quandt nahezu erblindet, wird seine Frau zu seiner wichtigsten Stütze. Sie liest ihm Geschäftskorrespondenzen vor und gewinnt so einen tiefen Einblick in die Unternehmensführung. Herbert Quandt stirbt 1982 und hinterlässt seiner Familie die BMW-Anteile und weitere Firmenbeteiligungen, die Johanna Quandt nun mit ihren Kindern verwaltet.

Leise, aber entschieden vertritt Johanna Quandt die Interessen der Familie in den verschiedenen Aufsichtsräten des Familienmperiums, das unter ihrer Leitung stetig expandiert. Mit einem Teil der Erträge unterstützt sie Museen, Bildungseinrichtungen und Kliniken. "Wenn man Geld hat, sollte man es auch für gute Sachen ausgeben", ist Johanna Quandt überzeugt. Sie stirbt am 3. August 2015 in ihrem Haus in Bad Homburg.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Martina Meißner
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 21. Juni 2021 an die Unternehmerin Johanna Quandt. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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