Vor zehn Jahren - Barack Obama wird als US-Präsident vereidigt

Vor zehn Jahren - Barack Obama wird als US-Präsident vereidigt

Mit einem begnadeten Wahlkampf ist Barack Obama 2008 der Einzug ins Weiße Haus gelungen – der erste schwarze Präsident der USA nach 220 Jahren. Am 20. Januar 2009 wurde er vereidigt. Für viele ein lang erträumter historischer Moment.

Obama tanzt mit seiner Ehefrau

Der große Ball zur Amtseinführung: Vor zehn Jahren, am 20. Januar 2009, wird Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA vereidigt. 220 Jahre nach der Wahl George Washingtons zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist es für viele ein lang erträumter historischer Moment: Ein Schwarzer wird vor dem Kapitol in Amerikas Hauptstadt eingeschworen.

Der große Ball zur Amtseinführung: Vor zehn Jahren, am 20. Januar 2009, wird Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA vereidigt. 220 Jahre nach der Wahl George Washingtons zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist es für viele ein lang erträumter historischer Moment: Ein Schwarzer wird vor dem Kapitol in Amerikas Hauptstadt eingeschworen.

Und die Welt schaut zu, wie er sich dabei verhaspelt. Oder vielmehr der Vorsitzende am Obersten Gerichtshof, der den Eid abnimmt, verhaspelt sich. Obama zögert und spricht falsch nach. Den 1,8 Millionen Menschen auf den Straßen ist das egal – sie feiern ihren neuen Präsidenten. Zur Sicherheit wird er am nächsten Tag im Weißen Haus noch einmal – fehlerfrei – eingeschworen.

Von seinem republikanischen Vorgänger übernimmt der damals 47-jährige Demokrat Obama ein schweres Vermächtnis. Die achtjährige Amtszeit von George W. Bush war geprägt von den Terroranschlägen 2001, zwei Kriegen und dem Beginn der größten Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahrzehnten.

Bush hinterlässt ein Land, das gespalten ist über den Irak- und Afghanistankrieg. Obama verspricht, es wieder zu einen, über die Parteigrenzen hinweg. Er werde der Präsident aller Amerikaner sein, die Lager versöhnen. "Und ich werde den Krieg im Irak beenden und unsere Truppen nach Hause holen." Nicht alles, was er verspricht, kann er halten.

Vieles aber schon: Obamacare, die Grundidee, dass jeder Amerikaner eine Krankenversicherung haben soll, hat er durchgesetzt. Er führt am Ende seiner Amtszeit die gleichgeschlechtliche Ehe in Amerika ein. Unter ihm verpflichten sich die USA auf das Klimaabkommen von Paris. Die Arbeitslosigkeit sinkt in seinen Amtszeiten von 7,8 auf 4,7 Prozent.

In den ersten zwei Jahren hat Obama sehr viel bewegt und angestoßen. Dann verlieren die Demokraten bei den Zwischenwahlen im November 2010 die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Viele seiner Gesetzesvorhaben scheitern nun am Widerstand der Republikaner.

Was Obama nicht schafft, was problematisch bleibt: Waffengesetze werde nicht verschärft, Banker kommen in der Finanzkrise davon, das Gefangenenlager Guantanamo wird nicht geschlossen, die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt noch zu, die Rassengewalt ebenfalls.

Obama habe vor allem symbolische Bedeutung gehabt, sagen seine Kritiker. Dass ihm der Einzug ins Weiße Haus gelungen ist, lag nicht zuletzt an seiner begnadeten Wahlkampfführung mit einer nie dagewesenen Technisierung der Kampagne, Nutzung moderner Kommunikationsformen. Er hat es geschafft, generationsübergreifend Massen zu begeistern – mit jugendlichem Charme, rhetorischer Begabung und mitreißender Slogans: "Yes we can".

Es ist eigentlich ein ins Englische übersetzter Slogan aus der mexikanischen Landarbeiterbewegung der 1950er Jahre: "Si se puede". Die Unterdrückten, Benachteiligten kommen zu ihrem Recht. Das passt zu Obamas Geschichte. Dem Kind eines Schwarzen aus Kenia und einer Weißen aus Kansas gelingt es, aus kleinen Verhältnissen zum mächtigsten Mann der Welt aufzusteigen. Er hat seinen Erfolg nie als den eines Schwarzen ausgespielt, sondern den nationalen Mythos bedient: Jeder, der hart genug arbeitet, kann es schaffen.

Fassungslosigkeit herrscht bei vielen Obama-Unterstützern, als Donald Trump 2016 die Wahl gewinnt. Nicht trotz, sondern wegen Obama ist Trump Triumph möglich geworden. Trump sei ein Resultat der Ära Obamas, findet Ta-Nehisi Coates, Journalist, Autor und Amerikas führender schwarzer Intellektueller. Denn der jahrhundertelange Rassismus sei weiter virulent, stellt er fest.

In einer immer komplexeren und bunteren Welt kann jemand wie Trump Anhänger finden: "Make America great again" – was bedeute: Lasst uns Amerika so machen, wie es der Ideologie nach einmal war. "Die Weißen haben dieses Land aufgebaut, sie sind die Herrschaftsschicht", erklärt der Journalist und frühere US-Korrespondent Christoph von Marschall diese Ideologie. Andere, die in dieses Land kommen und ihre Chance suchten, sollten sich hinten anstellen.

"Ich schütze euch vor der gesellschaftlichen Veränderung, die die Dominanz des weißen Mannes in der Gesellschaft untergräbt." Das sei, so Journalist Von Marschall, Trumps Versprechen an seine Wähler am Ende der ersten schwarzen Regierung in weit mehr als 200 Jahren US-Geschichte.
Autorin des Hörfunk-Beitrags zum WDR-ZeitZeichen ist Almut Finck.

Stand: 16.01.2019, 16:27 Uhr