40 Jahre taz – von Anfang an anders

40 Jahre taz – von Anfang an anders

Die taz hat eine bewegte Geschichte und seit jeher ein enges Verhältnis zu ihren Leserinnen und Lesern. Vor 40 Jahren wurde sie gegründet. Wie sich die Tageszeitung aus Krisen herausgekämpft hat und in Zukunft verändern will - ein Rückblick und Ausblick.

Richtfest für das neue Gebäude der taz in Berlin, mit Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch am Mikrofon

"Wir gründen eine alternative Tageszeitung. Eine ziemlich verrückte Idee", erinnert sich Karl-Heinz Ruch, Urgestein und von Anfang an Geschäftsführer der taz. Es sind die 70er Jahre, die Zeitungsbranche ist fest entwickelt. Alle deutschen Tageszeitungen nach dem Krieg gründen sich von 1945 bis 1949. Die einzig später gegründete Zeitung ist Anfang der 50er Jahre die Bild-Zeitung. Und nun kommt 1978 die taz.

"Wir gründen eine alternative Tageszeitung. Eine ziemlich verrückte Idee", erinnert sich Karl-Heinz Ruch, Urgestein und von Anfang an Geschäftsführer der taz. Es sind die 70er Jahre, die Zeitungsbranche ist fest entwickelt. Alle deutschen Tageszeitungen nach dem Krieg gründen sich von 1945 bis 1949. Die einzig später gegründete Zeitung ist Anfang der 50er Jahre die Bild-Zeitung. Und nun kommt 1978 die taz.

Es ist die Zeit des Deutschen Herbst. Die Republik steht unter dem Eindruck des Terrors der RAF. Die Politik verhängt Nachrichtensperren, die Presse hält sich daran. Den Linken im Land schlägt Misstrauen entgegen. Auf dem Tunix-Kongress in Berlin im Januar 1978, einem Treffen von Autonomen, Anarchisten und Alternativen, gibt es den entscheidenden Impuls zur Gründung der taz.

Am 22. September 1978 erscheint in Frankfurt die erste Nullnummer. Das Titelthema: die Revolution in Nicaragua. Die Redaktion will Themen abdecken, die in anderen Medien wenig Raum finden. "Das Interesse war, ein Medieninstrument für eine Gegenkultur zu entwickeln", sagt Thomas Hartmann, einer der Gründer.

Zehn Testausgaben produziert das Team. Doch auf Dauer braucht auch ein linkes Vorzeigeprojekt etwas sehr Kapitalistisches: Geld. Die Lösung ist eine Methode, die an das heute im Internet beliebte Crowdfunding erinnert: Voraus-Abos. "Man erklärte ein Abonnement und zahlte Geld für drei Monate im Voraus", erklärt Geschäftsführer Ruch.

Die taz will anders sein. Nicht nur inhaltlich, auch in der Struktur ist sie links: Es gibt keine Hierarchien, gezahlt wird ein Einheitslohn von 800 D-Mark. Ab April 1979 erscheint die taz täglich, jetzt von Berlin aus. Die meisten Mitarbeiter, darunter auch der spätere Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele, glauben damals aber nicht, dass ihr Projekt von Dauer sein wird.

Der Mauerfall wird zum Wendepunkt für die Zeitung. Es herrscht Aufbruchstimmung, in Berlin ist man am Puls der Zeit. "Das hielt nur kurze Zeit, dann kam der Katzenjammer", sagt Ruch. Es wird teurer, große Verlage und Investoren kommen nach Berlin. Keine Chefs, Ressorts, Abteilungsleiter, keine festgelegten Arbeitszeiten, Einheitslohn – all das ist überholt.

In der Krise rettet die Zeitung ein radikaler Schritt. Der Tipp kommt von Olaf Scholz, heute Finanzminister, damals Justiziar bei einem Genossenschaftsverband. Er habe bei Geschäftsführer Ruch angerufen: "Gründet doch eine Genossenschaft!" Damit wird die taz Anfang der 90er Jahre das Eigentum ihrer Leser.

Ein Novum in Deutschland. Alle wirtschaftlichen Probleme werden dadurch nicht gelöst. 1996 und 2000 gibt es Rettungskampagnen, die Leserinnen und Leser werden gebeten, Abonnements zu zeichnen.

Und es entstehen nie für möglich gehaltene Verbindungen. Zum 25. Geburtstag 2003 holt die taz den damaligen Bild-Chef Kai Diekmann ins Boot. In dieser "freundlichen Übernahme" gibt Helmut Kohl sein erstes taz-Interview: "Heute gibt's Kohl."

Die oft gewitzelten Titelseiten sind ein Markenzeichen der taz – so wie 2005, als Angela Merkel Bundeskanzlerin wird.

Die taz ist über die Jahre professioneller geworden. Auch weniger anders. Die Auflage schrumpft, wie bei fast allen Zeitungen. Seit Ende der 90er Jahre ist die verkaufte Auflage um fast 15 Prozent gesunken und liegt aktuell bei knapp 50.000 Exemplaren. Etwa ein Viertel der Abonnenten bezieht die Zeitung als E-Paper. Alle Artikel sind auch im Netz verfügbar, 2011 wird das freiwillige Bezahlmodell "taz.zahl ich" eingeführt. 14.000 User zahlen im September 2018 freiwillig. Im Juli 2018 werden erstmals 80.000 Euro während eines Monats für die Nutzung des Online-Angebotes eingenommen.

"Für die Zukunft brauchen wir vor allem Leute, die bereit sind, weiter für den Journalismus, den wir machen, zu bezahlen, auch wenn es keine gedruckte Tageszeitung mehr gibt", betont die stellvertretende Chefredakteurin Katrin Gottschalk. "Die taz ist ein Medium, das den Leserinnen und Lesern gehört – und wenn die aufhören, uns zu unterstützen. Dann gibt es das nicht mehr."
Autorin des WDR-ZeitZeichens ist Jana Fischer

Stand: 19.09.2018, 12:56 Uhr