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Vor 300 Jahren erschien Daniel Defoes "Robinson Crusoe"

Vor 300 Jahren erschien Daniel Defoes "Robinson Crusoe"

Daniel Defoe erzählt in seinem Roman "Robinson Crusoe" von einen Schiffbrüchigen, der sich einen "Wilden" zum Untertan macht. Die Geschichte wurde im 18. Jahrhundert ein Bestseller und seitdem immer wieder neu aufgelegt.

Montage: Buchcover der Erstausgabe von Robinson Crusoe neben einer Illustration des Abenteurers

"Robinson Crusoe" ist eine Geschichte, die im Grunde schon mit ihrem vollen Titel zu Ende erzählt ist: "Das Leben und die seltsamen überraschenden Abenteuer des Robinson Crusoe aus York, Seemann, der 28 Jahre allein auf einer unbewohnten Insel an der Küste von Amerika lebte, in der Nähe der Mündung des großen Flusses Oroonoque; durch einen Schiffbruch an Land gespült, bei dem alle außer ihm ums Leben kamen. Mit einer Aufzeichnung, wie er endlich seltsam durch Piraten befreit wurde. Geschrieben von ihm selbst."

"Robinson Crusoe" ist eine Geschichte, die im Grunde schon mit ihrem vollen Titel zu Ende erzählt ist: "Das Leben und die seltsamen überraschenden Abenteuer des Robinson Crusoe aus York, Seemann, der 28 Jahre allein auf einer unbewohnten Insel an der Küste von Amerika lebte, in der Nähe der Mündung des großen Flusses Oroonoque; durch einen Schiffbruch an Land gespült, bei dem alle außer ihm ums Leben kamen. Mit einer Aufzeichnung, wie er endlich seltsam durch Piraten befreit wurde. Geschrieben von ihm selbst."

Geschrieben wurde der Roman allerdings nicht von Robinson Crusoe – ihn hat es nie gegeben – sondern von dem 59-jährigen Daniel Defoe, der als Kaufmann gescheitert war und seinen Lebensunterhalt als Journalist verdiente. "Robinson Crusoe" war sein erster Roman und wurde gleich ein Bestseller. Die erste Auflage war nach drei Wochen ausverkauft.

Wenige Jahre bevor "Robinson Crusoe" erschien, machte die Geschichte von Alexander Selkirk in Großbritannien die Runde. Alle Zeitungen schrieben über den schottischen Seemann, der von seiner Mannschaft auf einer Insel im Südpazifik ausgesetzt worden war. Vier Jahre lebte er dort allein. Er war so einsam, dass er seine Sprache fast verloren hatte. Gut möglich, dass Defoe ihn nach seiner Rettung kennenlernte.

Daniel Defoe wurde um das Jahr 1660 in London geboren. Sein Vater, ein strenggläubiger Presbyterianer, war Kerzenzieher und hatte konkrete Pläne für seinen Sohn. Er sollte eine geistliche Laufbahn einschlagen. Doch der Junge wollte lieber Kaufmann werden und handelte mit Stumpfhosen und Spirituosen, mit Tabak und Parfum.

Doch Daniel Defoe hatte kein Glück bei seinen Unternehmungen. Irgendwann saß er auf einem Schuldenberg von 17.000 Pfund Sterling. Erst seine neu gegründete Ziegelfabrik brachte ihm einen wirtschaftlichen Erfolg. Allerdings schrieb er zur gleichen Zeit satirische und gesellschaftskritische Texte, die der Obrigkeit nicht gefielen. Schließlich wurde er festgenommen, an den Pranger gestellt und landete im Gefängnis.

Auch Robinson Crusoe stellt sich im gleichnamigen Roman gegen den Vater: Wäre es nach ihm gegangen, wäre sein Sohn Jurist geworden. Doch der will lieber in die Welt hinaus ziehen. Er geht zur See, wird von Piraten gefangen genommen, kann aber fliehen und verdingt sich erfolgreich als Kaufmann.

Dann will er groß in den Sklavenhandel einsteigen, doch sein Schiff gerät in Seenot. Er versucht zu retten, was zu retten ist: Lebensmittel, Werkzeuge, Waffen, Geld und eine Bibel. Als einziger Überlebender erreicht er die Pazifikinsel Orinoko – die, ebenso wie der Protagonist, der Phantasie Defoes entsprungen ist.

Robinson Crusoe richtet sich auf der Insel ein: Er baut sich eine Bleibe, domestiziert Ziegen, betreibt Ackerbau, liest in der Bibel: "Nun begannen mir die Augen dafür aufzugehen, um wie vieles glücklicher das Leben, das ich jetzt führte, trotz allem Elend war als das gottlose, fluchwürdige, abscheuliche Leben, das ich in meinen vergangenen Tagen geführt hatte."

Er führt ein friedliches Leben bis nach vielen Jahren in Einsamkeit Kannibalen auftauchen. Er lädt seine Pistolen, befreit einen Gefangenen der Menschenfresser und gibt ihm einen Namen: Freitag. Dieser soll ihn Master nennen. Damit sind die Rollen zwischen dem Engländer und "dem Wilden" klar verteilt. Crusoe versteht sich als christlicher Missionar und bringt seinem Diener Englisch bei.

Drei Jahre später endet das Insel-Abenteuer. Robinson Crusoe wird gerettet und kehrt nach England zurück. Sein Erfinder, Daniel Defoe, kommt schon nach einen halben Jahr aus dem Gefängnis frei. Mit einer Bedingung: Er soll als Spion nach Schottland gehen und die Schotten von der Union mit England überzeugen.

Nachdem 1707 die Union zwischen Shottland und England besiegelt wurde, verlegte sich Defoe aufs Schreiben. Auf "Robinson Crusoe" (1719) folgten weitere Romane, Reiseberichte und Ratgeber – trotzdem holten ihn die alten Schulden wieder ein. Auf der Flucht vor seinen Gläubigern starb er 1731 an einem Schlaganfall.
Autor des Hörfunkbeitrags ist Marko Rösseler.

Stand: 09.04.2019, 15:00 Uhr