Vor 85 Jahren: Aufhebung der Prohibition in den USA

Vor 85 Jahren: Aufhebung der Prohibition in den USA

Das Prohibitionsgesetz war ein Experiment, das gründlich schief ging. Statt Verbrechen einzudämmen, beförderte es die organisierte Kriminalität, Tausende starben an selbstgebranntem Schnaps. 1933 wurde Alkohol wieder legalisiert.

Zerstörung von Bierfässern vor einem Güterwaggon

Zwischen 1920 und 1933 war die Herstellung, der Transport und der Verkauf von Alkohol in den USA gesetzlich verboten – obwohl der damalige US-Präsident Woodrow Wilson im Oktober 1919 dagegen gestimmt hatte. Alkohol zu trinken, war aber weiterhin erlaubt.

Zwischen 1920 und 1933 war die Herstellung, der Transport und der Verkauf von Alkohol in den USA gesetzlich verboten – obwohl der damalige US-Präsident Woodrow Wilson im Oktober 1919 dagegen gestimmt hatte. Alkohol zu trinken, war aber weiterhin erlaubt.

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich Amerikaner gegen den Alkoholkonsum ihrer Landsleute ein. 1869 wurde die Prohibition Party gegründet. Sie ist nach den Demokraten und Republikanern die älteste Partei Amerikas.

Die American Temperance Society und die Anti-Saloon-League waren Vereine, die mit intensiver, teils aggressiver Lobbyarbeit versuchten, auf die Politik einzuwirken. Manche Mitglieder schreckten auch vor Gewalt nicht zurück. Die Aktivistin Carry Nation soll zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit ihrem Beil in diversen Kneipen randaliert haben. 30 Mal wurde sie wegen Vandalismus verhaftet.

Der Kampf gegen das Bier war auch ein patriotischer. Schließlich hatten die deutschen Auswanderer Bier und Braukunst in die Vereinigten Staaten gebracht und führten die amerikanische Bierindustrie an. Zugleich waren die Deutschen im ersten Weltkrieg zu Feinden geworden.

Alkohol wurde von den Abstinenzlern als Wurzel allen Übels gesehen. Sein Verbot sollte den gesellschaftlichen Frieden sichern und Familien glücklich machen. Statt in Kneipen zu versacken, würden Väter sich mehr um ihre Kinder kümmern, propagierte die "Dry"-Bewegung.

Tatsächlich profitierte vor allem die organisierte Kriminalität von der Prohibition. Gangster-Clans kontrollierten das Geschäft mit dem Alkohol: Sie stellten Bier und Schnaps her, schmuggelten die Ware quer durchs Land und betrieben die Kneipen, in denen der Alkohol illegal ausgeschenkt wurde. Korrupte Polizisten deckten die Machenschaften der Unterwelt. Al Capone machte während der Prohibition ein Vermögen.

Aber auch unbescholtene Bürger ließen sich von dem Verbot nicht abschrecken und brannten ihren Schnaps fortan selbst. In Hinterhöfen und Waldstücken entstanden Kleinstbrennereien, in denen nachts gearbeitet wurde. Die Herstellungsbedingungen gaben dem Fusel, der mehr als 10.000 Trinker umbrachte, seinen Namen: "Moonshine".

Wer auswärts feiern und tanzen wollte, musste trotz des offiziellen Schankverbots nicht auf Alkohol verzichten – so lange er das Codewort kannte, das am Eingang der illegalen Bars abgefragt wurde. Sie hießen Speakeasy, weil man sich dort leise verhalten musste. Diese Flüsterkneipen gab es in allen großen Städten. Allein 30.000 soll es 1929 in New York gegeben haben.

Ein knappes Jahrzehnt nach ihrer Einführung machten die Demokraten die Prohibition zum Wahlkampfthema. Dennoch unterlagen sie 1928 bei der Präsidentschaftswahl. Die Republikaner rüttelten nicht an dem umstrittenen Gesetz, von dem sich mehr und mehr abzeichnete, dass es nicht die gewünschten Effekte brachte.

1932 gewannen die Demokraten. Mit Franklin D. Roosevelt zog ein neuer Präsident ins Weiße Haus ein, dem es Ernst war mit der Abschaffung des Alkoholverbots. Im März 1933 unterzeichnete er den "Cullen-Harrison Act", der die Herstellung und den Verkauf von Weinen und Bier mit einem Alkoholgehalt von maximal 3,2 Prozent legalisierte.

Am 5. Dezember 1933 wurde schließlich der 1920 eingeführte Verfassungszusatz wieder aufgehoben. Die landesweit geltende Prohibition war Geschichte und die Alkoholsteuer spülte dem Staat zusätzliches Geld in die Kasse. Ein nicht zu unterschätzender Faktor in Zeiten der Weltwirtschaftskrise, die 1929 mit dem Crash an der New Yorker Börse ihren Anfang nahm.

Stand: 23.11.2018, 13:00 Uhr