Vor 25 Jahren - das Internet wird kostenlos freigegeben

Vor 25 Jahren - das Internet wird kostenlos freigegeben

Vor 25 Jahren schlug die Geburtstunde des World Wide Web. Der US-Informatiker Tim Berner-Lee gab die damals neue Technologie für die Öffentlichkeit frei. Heute profitieren wir von den Chancen den Netzes - und fürchten seine Risiken.

Am Anfang gab es im Netz nur Texte, die nicht einmal verlinkt waren.

In den Kindertagen des Internet Anfang der 1990er-Jahre gibt es nur Texte - keine Bilder, geschweige denn Audios oder gar Videos. Und die Texte sind nicht untereinander verlinkt. Das Internet ist einfach eine Verbindung zwischen Computern.
Autorinnen des WDR 5 ZeitZeichens: Anja Arp und Doris Arp

In den Kindertagen des Internet Anfang der 1990er-Jahre gibt es nur Texte - keine Bilder, geschweige denn Audios oder gar Videos. Und die Texte sind nicht untereinander verlinkt. Das Internet ist einfach eine Verbindung zwischen Computern.
Autorinnen des WDR 5 ZeitZeichens: Anja Arp und Doris Arp

Der US-Informatiker und -Physiker Tim Berners-Lee sorgt maßgeblich dafür, dass aus dem Internet das wird, was wir heute darunter verstehen: eine gigantische Vernetzung zwischen Plattformen, Seiten, Dokumenten, Audios, Videos und vielem mehr. Damals sagt man World Wide Web dazu. Berners-Lee arbeitet damals am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf.

Am 30. April 1993 gibt Berners-Lee die Technologie des World Wide Web als sogenannte "public domain" weltweit kostenlos frei. Sein Ziel: möglichst einfach zu kommunizierenn - so wie Kernphysiker das für ihre internationale Zusammenarbeit dringend brauchten.

Berner-Lees Lösung, mit der er solch einen Kommunikationsraum im Netz schafft: die Hyperlinks. Über die sagt der Forscher, heute Professor am Massachusetts Institute of Technology und Inhaber eines Lehrstuhls an der Universität Oxford: "Der Charme der Hyperlinks besteht darin, an jeden anderen Ort des World Wide Web verweisen zu können."

Mit der lizenzfreien Nutzung der neuen Technologie durch die damals noch kleine Internetgemeinschaft beginnt eine Entwicklung, von der wir heute alle profitieren. "Man kann nahtlos zwischen Suche und Öffnen einer Seite hin und her wechseln. Man kann nahtlos zwischen Texten und referenzierten Bildern oder Videos wechseln. Alles ist in einem Medium mit einem Mausklick oder mit einem Fingerwisch erreichbar", sagt der Netz-Pionier Hans-Peter Dittler, Vorstandsmitglied der internationalen Internet-Society.

Technisch definieren drei Merkmale das World Wide Web. Zuerst das sogenannte "http", das Hypertext Transfer Protokoll, ein damals neues Internetprotokoll. Jede Webadresse beginnt damit. (Heute endet das Protokoll mit einem "s" für "secure".) Das Zweite ist die Computersprache Hypertext Markup Language, kurz html. Die dritte Säule sind die URLs, die Uniform Resource Locaters. Mit ihnen lässt sich der Speicherort einer Information eindeutig benennen.

Die technische Entwicklung des Web geht früh Hand in Hand mit seiner wirtschaftlichen Nutzung. Zwischen 1995 und 2000 entwickelt sich die sogenannte Dotcom-Blase. Unternehmen aus aller Welt investieren und spekulieren im Bereich Technologie. Es ist auch die Geburtsstunde der Startups. An den Börsen entstehen eigene Tech-Handelsmärkte wie die NASDAQ und der Neue Markt.

Ab 2000 kommt es zur Entwicklung des Web 2.0. Das Prinzip: Nutzer veröffentlichen ihre eigenen Inhalte im Netz. Blogs machen den Anfang. Angebote wie Wikipedia, LinkedIn oder Myspace folgen schnell. Facebook betritt die Szene 2004, Youtube 2005. Angebote, die prallvoll sind mit "user generated content", mit Inhalten, die User selber erzeugen.

Parallel zur technologischen und wirtschaftlichen Euphorie wird das Web immer wieder mit gesellschaftlichen Utopien in Verbindung gebracht. Der damalige US-Vizepräsident Al Gore erhofft sich vom frei zugänglichen Internet zum Beispiel eine Demokratisierung der Gesellschaft. Auf Demos für die Freiheit des Web nutzen Teilnehmer häufig sogenannte Guy-Fawkes-Masken, ein Symbol im Kampf für den uneingeschränkten Zugang zum Netz.

Der utopischen Hoffnung steht die Skepsis eines Teils von Netzaktivisten gegenüber. Constanze Kurz vom Chaos Computer Club sieht im Blick auf die Nutzung des Internet heute, "dass wir vor allen Dingen einen ökonomischen Raum entwickelt haben, in dem es in erster Linie um Geschäftsmodelle und um Profite geht".

Dass das Netz die Gesellschaft demokratischer macht, zeigt sich für den IT-Experten Hans-Peter Dittler in der Art und Weise, wie wir Medien nutzen: "Wir informieren uns heute sehr viel mehr in lokalen Kreisen, in Netzwerken. Verlassen uns nicht mehr nur auf das, was uns von irgendwelchen zentralen Stellen, seien das Zeitungen, Zeitschriften, das Radio, das Fernsehen, wer auch immer, sozusagen aufgetischt wird."

Der Informationsvielfalt stehen allerdings Phänomene wie Fakenews und die Macht der großen Tech-Konzerne gegenüber. Facebook bestimmt darüber, welche Inhalte wir in unseren Newsfeeds überhaupt zu sehen bekommen. Für politische Manipulationen werden die Daten von nahezu 87 Millionen Usern der Plattform missbraucht. Google weiß, was wir suchen und wo wir uns bewegen. Und Amazon kennt unsere Konsumgewohnheiten.

Neue technologische Entwicklungen sind heute immer öfter untrennbar mit dem Netz verbunden. Das Internet der Dinge zum Beispiel, also die Vernetzung physischer und virtueller Gegentsände, dürfte in Zukunft noch viel stärkeren Einzug in unseren Alltag halten als derzeit. Die Stichworte hier sind beispielsweise Smart Home, Smart City, Wearables oder E-Health.

Stand: 20.04.2018, 11:05 Uhr