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12. April 2001 - Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde erlassen

Symbolbild: Pitbull- und Staffordshire-Terrier mit Maulkörben

12. April 2001 - Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde erlassen

Heute vor 20 Jahren wird das "Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde" beschlossen. Damit reagiert die Politik auf zunehmende Biss-Attacken durch sogenannte Kampfhunde. Doch das eigentliche Problem ist nicht der Vierbeiner.

Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde (12.04.2001)

WDR ZeitZeichen 12.04.2021 14:41 Min. Verfügbar bis 13.04.2099 WDR 5


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Für den kleinen Volkan kommt jede Hilfe zu spät. Als die Polizei die beiden Staffordshire-Pitbull-Mischlinge mit insgesamt 18 Kugeln erschießt, ist der sechsjährige Schüler bereits tot.

Mitschüler und Lehrer müssen vorher hilflos mit ansehen, wie die Hunde über die Mauer am Schulgelände springen, auf den Jungen zurasen und sich in seinem Kopf festbeißen. Niemand kann die Tiere von Volkan abbringen, nicht einmal deren Besitzer.

Vorfall rüttelt Politik wach

Diese unfassbare Tragödie im Juni 2000 in Hamburg führt deutschlandweit zu Entsetzen - und zu schnellen Entscheidungen in der Politik. Jahrelang hat der Gesetzgeber über ein Vorgehen gegen so genannte Kampfhunde diskutiert, auch weil es in der Vergangenheit immer wieder Vorfälle gab.

Nach dem tödlichen Angriff auf Volkan geht es plötzlich fix: Am 12. April 2001 beschließt der Bundestag das Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde. Ergänzend erlassen die meisten Bundesländer Hundegesetze. Als aggressiv eingeschätzte Rassen kommen auf eine Liste. Sie dürfen nur noch mit Behördenerlaubnis und strengen Auflagen gehalten werden. Zucht und Import sind verboten.

Das hat Folgen: Massenhaft Hunde landen im Tierheim, wo sie kaum vermittelbar sind. Wer sich nicht von seinem Tier trennen möchte, wird oft angefeindet. Halter und Züchter der Listenhunde fühlen sich zu Unrecht gebrandmarkt. Sie reichen vor dem Bundesverfassungsgericht Klage ein, erhalten aber nur teilweise Recht. Unterm Strich bleibt es bei den strengen Vorschriften.

Nicht die Hunde sind das Problem

Doch gibt es wirklich besonders gefährliche Rassen? "Die Statistik gibt das nicht her", sagt die Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen: "Es sind in aller Regel ganz normale Haushunde, die zugebissen haben." Wissenschaftliche Untersuchungen geben ihr Recht: Eine Studie von 2017 kommt zu dem Schluss, dass es keine Hunderasse gibt, die häufiger zubeißt als andere.

Ohne jeden Zweifel können Hunde Waffen sein. Zu besonders gefährlichen Waffen können auch Pitbull und Co. werden, weil sie von Natur aus eine starke Beißkraft haben. Doch zur Waffe gemacht werden sie erst von Menschen. Mutwillig oder aus Unkenntnis.

Kritiker der Rasselisten bemängeln deshalb vor allem eines: "Das Kernproblem wird nicht gelöst. Nämlich mangelnde Kontrollen und Durchsetzungskraft des Staates bei auffällig gewordenen Hundehaltern", sagt auch der ehemalige Geschäftsführer des Verbands für das Deutsche Hundewesen, Bernhard Meyer. Stattdessen schaffe man Scheinsicherheiten durch die Aufzählung von Rassen.

Tatsächlich werden Hunde jener Rassen aufgrund der strengen Auflagen inzwischen immer seltener gehalten, was Politiker als Erfolg werten. Die Anzahl tödlicher Hundebisse hat sich dadurch in Deutschland aber kaum verändert.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Daniela Wakonigg
Redaktion: Ronald Feisel​

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