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Buchcover: "Windstärke 17" von Caroline Wahl

Lesefrüchte

"Windstärke 17" von Caroline Wahl

Stand: 17.05.2024, 14:03 Uhr

Eine junge Frau flieht vor ihrem Leben. Sie landet auf Rügen, stürzt sich kellnernd ins Inselleben und schwimmend ins Meer. Caroline Wahl verhandelt in ihrem zweiten Buch "Windstärke 17" Liebe und Leid und erzählt, wie schwierig es ist zu vertrauen.

Caroline Wahl hat im vergangenen Jahr mit ihrem ersten Buch "22 Bahnen" einen Überraschungshit auf dem Buchmarkt gelandet. Nun hat sie eine Fortsetzung geschrieben. "Windstärke 17". Erzählte das Erstlingswerk noch von Tilda und ihren Problemen Mutter und kleine Schwester zu versorgen, rückt "Windstärke 17" nun die inzwischen studierende Ida in den Mittelpunkt. Während Tilda längst dem Elend entflohen ist, eine Professur bekleidet, Mann, Kinder und Altbauwohnung ihr Eigen nennt, ist Ida zurückgeblieben.

An der Seite der Mutter aufgewachsen, an der Seite der Mutter verzweifelt. Denn diese kriegt ihre Alkoholsucht nicht in den Griff und entgleitet dem Leben, aus dem sie sich schließlich freiwillig verabschiedet. Ida ergreift die Flucht, setzt sich in den nächsten Zug Richtung Hamburg. Doch anstatt Halt und Ruhe bei ihrer Schwester Tilda zu finden, fährt sie weiter, bis sie schließlich auf Rügen landet. Ratlos, ohne Geld und Kontakte geht sie bei Wind und Wetter ins Meer, denn wie schon in "22 Bahnen" beschreibt auch "Windstärke 17" das Schwimmen als kathartischen Akt, als Möglichkeit zu leben, zu überleben.

Doch es ist nicht nur das Meer, das Ida rettet, sondern auch Knut und Marianne. Ein älteres Ehepaar, das die gestrandete junge Frau bei sich aufnimmt. Und Ida trifft Leif, der ebenso wie sie auf der Insel sich selbst sucht und ähnlich versehrt scheint. Wie in ihrem Debut findet Caroline Wahl auch in "Windstärke 17" eine ganz eigene Sprache. Mit kurzen, knappen, oft pointierten Sätzen und messerscharfen Dialogen.

Auch "Windstärke 17" ist ein coming of age Roman. Die Autorin dürfte sich der Gefahr einer Fortsetzung ihres Erfolgsbuchs durchaus bewusst gewesen sein. Sie hat sie weitgehend gut gemeistert. "Windstärke 17" haut vermutlich niemanden mehr so um wie "22 Bahnen", aber es ist ein gutes, zweites Buch, das auch jede*r lesen kann, ohne das Debut zu kennen.

Eine Rezension von Susanne Luerweg

Literaturangaben:
Caroline Wahl: Windstärke 17
DuMont Buchverlag, 2024
256 Seiten, 24 Euro