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Legenden: Joan Baez – Das gute Gewissen der USA

Joan Baez

Legenden: Joan Baez – Das gute Gewissen der USA

Diese Frau hat einen beeindruckenden Lebenslauf. Joan Baez war und ist eine wache Begleiterin der gesellschaftlichen Entwicklungen und kommentiert sie musikalisch.

Bob Dylan und Joan Baez (1965)

Ihre Karriere begann Anfang der Sechziger Jahre an der Seite von Bob Dylan, und seither tritt Joan Baez für Toleranz, Gleichberechtigung und Frieden auf. Sie marschierte mit Martin Luther King nach Washington, sie war in Woodstock dabei, sie sang gegen den Vietnamkrieg und für Bürgerrechte. Immer noch ist sie eine engagierte Beobachterin der US-Politik und legt sich immer wieder mit den Mächtigen der Welt an.

Musikerin Joan Baez ist zu Gast im WDR 4 Studio und spielt auf ihrer Gitarre

Nun geht sie auf ihre letzte "Farewell"-Tournee, die sie am 3. August auch nach Köln bringt. Vorher war sie im WDR 4-Studio zu Gast und gab ein ausführliches Interview. Natürlich kommentiert sie ihren derzeitigen Präsidenten - "Trump verbreitet bösartige Dinge, und es ist wichtig, dagegen anzusingen!" Über die entscheidenden Phasen ihrer langen Laufbahn kommen wir zu ihrem aktuellen, sehr gelungenen Album "Whistle down the wind". Sie erzählt souverän, anschaulich und auch mit einer guten Portion Humor.

Joan Baez: Eine Stimme, die gehört werden muss!

Joan Baez - Königin der Folkmusik

Musik und politisches Engagement gehören für Joan Baez zusammen. Bei Martin Luther Kings berühmten Marsch auf Washington sang sie "We Shall Overcome". Am Freitag (03.08.2018) gibt die 77-Jährige im Rahmen ihrer Abschiedstournee ein Konzert auf dem Kölner Roncalliplatz.

Joan Baez und Bob Dylan bei Martin Luther Kings Marsch auf Washington (Archivbild vom 28.08.1963)

Legendär ist der gemeinsame Auftritt des damaligen "Königspaares der Folkmusik", Joan Baez und Bob Dylan, auf der Bürgerrechts-Kundgebung in Washington im Jahr 1963. Bei dieser Veranstaltung sprach Martin Luther King vor Hunderttausenden Menschen von seinem Traum einer Welt ohne Rassenschranken: "I have a dream". Joan Baez wurde Anfang der 1960er Jahre zum Idol und Sprachrohr ihrer Generation, vor allem mit ihrer Bürgerrechts-Hymne "We Shall Overcome", dem später weltweit bekannt gewordenen Protestsong.

Legendär ist der gemeinsame Auftritt des damaligen "Königspaares der Folkmusik", Joan Baez und Bob Dylan, auf der Bürgerrechts-Kundgebung in Washington im Jahr 1963. Bei dieser Veranstaltung sprach Martin Luther King vor Hunderttausenden Menschen von seinem Traum einer Welt ohne Rassenschranken: "I have a dream". Joan Baez wurde Anfang der 1960er Jahre zum Idol und Sprachrohr ihrer Generation, vor allem mit ihrer Bürgerrechts-Hymne "We Shall Overcome", dem später weltweit bekannt gewordenen Protestsong.

Joan Baez holte Bob Dylan Anfang der 60er Jahre auf die Bühne und ließ ihn vor ihrem Publikum spielen. Sie war damals schon eine berühmte Sängerin, er wenig bekannt. Als Dylan dann ein paar Jahre später als Superstar gefeiert wurde, verweigerte er der mitreisenden Baez auf seiner Konzerttournee durch England gemeinsame Auftritte. Ihre Wege trennten sich, und Baez verließ enttäuscht und verletzt den immer größer werdenden Dylan-Tross. Auch wenn die Sängerin und Dylan nur wenige Monate ein Paar waren, hat der Musiker prägende künstlerische Spuren bei ihr hinterlassen - die Dylan-Songs wurden ein wichtiger Bestandteil ihres Repertoires. Das Bild zeigt die beiden 1982 bei einem Abrüstungs-Konzert in Pasadena.

Während sich Bob Dylan nach einer Weile von der politischen Szene wieder abwandte, blieb Joan Baez ihrer Mission treu, für eine friedlichere und gerechtere Welt zu streiten. Mit ihrer glockenhellen Stimme und ihrem ausgefeilten Gitarrenspiel sang sie sich schon bald an die Spitze der Folkbewegung. Sie engagierte sich für Amnesty International und für Kinderrechte, 1993 besuchte sie das vom Krieg zerstörte Sarajewo. Anlässlich des 50. Jubiläums von Amnesty International erhielt sie 2011 den nach ihr benannten Joan Baez Award. Das Foto stammt von einer Pressekonferenz 1967 in Genf, wo sie über ihr Karmeliter-Institut in Kalifornien sprach, in dem sie und ihre Schüler am Beispiel von Gandhi die leise, innere Stimme der Gewaltfreiheit studierten.

Das Engagement für den Frieden wurde bei Baez schon früh geweckt. Sie kam am 9. Januar 1941 in Staten Island, New York zur Welt, und ihre Familie gehörte der pazifistisch geprägten Glaubensgemeinschaft der Quäker an. Der Vater war ein mexikanischer Physiker, die Mutter eine Schottin, der sie auch ihren ungewöhnlichen Nachnamen verdankt. 1956 hörte sie zum ersten Mal eine Rede Martin Luther Kings, die sie nachhaltig beeindruckte. Mit 15 bekam sie ihre erste Gitarre, mit 18 Jahren trat sie bereits bei dem renommierten Newport Folk Festival auf. Das Foto zeigt Joan Baez in den 80er Jahren.

In Woodstock nutze die Pazifistin Joan Baez im August 1969 ihren Auftritt, um Ungerechtigkeiten anzuprangern und auf Missstände aufmerksam zu machen. Ihre Konzerte waren vielen Regierungen oft ein Dorn im Auge. Sie arbeitete eng mit Bürgerrechtlern und Friedensaktivisten zusammen und unterstützte sie politisch wie musikalisch. Außerdem engagierte sie sich für die Gründung von Menschenrechtsorganisationen und setzte sich für Gewaltfreiheit ein.

Musikalisch konnte sie später nicht mehr an ihre Erfolge in den 60er Jahren anknüpfen. "Ich füllte immer noch die Hallen und begriff nicht, dass es ein einziger Nostalgie-Trip für mein Publikum war", sagte sie einem deutschen Magazin. Auf ihren neueren Platten meidet sie politisches Pathos. Die alterslos und sehr agil wirkende Baez spielt heute entspannt und gereift Songs von Country- und Rockgrößen. Hier sieht man sie auf dem Istanbul Jazz Festival 2015.

Auch wenn sie inzwischen kürzer tritt und mehr Zeit mit ihrem Sohn und ihrem Enkelkind verbringt - von einem Ruhestand will die heute allein lebende Künstlerin nichts wissen. Hier sieht man sie 1970 mit ihrem Sohn Gabriel.

2015 erhielt Amnesty Internatioal Joan Baez den "Ambassador of Conscience Award" (Botschafter des Gewissens) in Berlin: Diese Auszeichnung erhalten Persönlichkeiten, die sich mit "außergewöhnlichen Führungsstil und Einsatz im Kampf für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte" einsetzen. Und das macht die beeindruckende Künstlerin bis heute - Folk-Legende, Protest-Sängerin und Friedensaktivistin mit unvergleichbarem Engagement.

Engagement in musikalischer Hinsicht brachte Joan Baez mit, als sie im Frühjahr 2018 zu Gast bei WDR 4 im Studio war. Sie präsentierte ihr neues Album und gab uns bereits eine Kostprobe ihres gesanglichen Könnens, das im Laufe der Zeit an nichts eingebüßt hat - als Vorgeschmack auf ihr von WDR 4 präsentiertes Konzert am Freitag, 3.8. 2018 auf dem Roncalli-Platz in Köln.

Stand: 11.07.2019, 13:05