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Robert Geisendörfer Preis für WDR 3 Hörspiel "Lauter Liebe Worte"

Portrait von Johann Koinegg (altes Polaroid) und handgeschriebene Postkarte

Ausgezeichnetes Hörspiel

Robert Geisendörfer Preis für WDR 3 Hörspiel "Lauter Liebe Worte"

Von Karlheinz Koinegg

Das WDR 3 Hörspiel "Lauter Liebe Worte" von Karlheinz Koinegg hat am Dienstag (16.10.2018) den Robert Geisendörfer Preis bekommen. Der Autor erzählt darin vom Suizid seines Vaters, der Stahlarbeiter im Ruhrgebiet war.

Robert Geisendörfer Preis für "Lauter Liebe Worte"

In der Begründung der Jury heißt es: Karlheinz Koinegg war neun Jahre alt, als sein Vater sich das Leben nahm. Jetzt reist er zurück in seine Kindheit ins Duisburger Stahlarbeitermilieu. Er spricht mit Angehörigen und Fachleuten, sucht Arztbriefe, findet Ratlosigkeit und überall „lauter liebe Worte“ für seinen Vater. Dass Koinegg trotz der persönlichen Betroffenheit eine versöhnliche Sicht auf das Vergangene gelingt, macht das Hörstück besonders wertvoll. Der Robert Geisendörfer Preis ist der Medienpreis der evangelischen Kirche und ist insgesamt mit 30.000 Euro dotiert.

Sommer 1969 in der "Jupp-Kolonie", einer Zechensiedlung in Duisburg-Hamborn. Der junge Stahlarbeiter Johann Koinegg öffnet in der Küche seiner Wohnung ein Fläschchen mit dem Unkrautvernichtungsmittel E 605.

Im Wohnzimmer spielt sein 9-jähriger Sohn leise auf dem Fußboden, um den Vater bei der Mittagsruhe nicht zu stören. Stunden später wird der Junge seinen Vater auf dem Bett im Kinderzimmer finden. Der junge Stahlarbeiter, der sein Leben mit 36 Jahren an diesem schönen Sommertag beendet, ist der Vater von Karlheinz Koinegg. Der kleine Sohn ist der Autor selbst. Fast 50 Jahre später besucht Koinegg die Menschen, die dieser Tod seither begleitet, mit einem Aufnahmegerät. Anhand der O-Töne erzählt er die Geschichte seines Vaters. Und mit ihr die Geschichte des Arbeiter-Milieus der 1960er Jahre, des Ruhrgebiets und des Umgangs mit psychischer Krankheit - und dem mit dem Schweigen.

Das Manuskript wurde von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert.


Von Karlheinz Koinegg
Komposition: Julia Klomfaß
Regie: Karlheinz Koinegg und Martin Zylka
Redaktion: Christina Hänsel
Produktion: WDR 2017

Stand: 16.10.2018, 10:58