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WDR 3 Werkbetrachtung: Camille Saint-Saëns' "Orgelsinfonie"

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Orgelpfeifen in Dresden

WDR 3 Werkbetrachtung: Camille Saint-Saëns' "Orgelsinfonie"

Es ist eine Sinfonie "mit Orgel" – denn Camille Saint-Saëns' setzt das Instrument als besondere Klangfarbe ein, erläutert der Organist Roderick Shaw, zunächst zart und magisch, dann lassen die gewaltigen Orgelpfeifen den Saal vibrieren, wirkungsvoll und klangmächtig. 

Als Camille Saint-Saëns seine Sinfonie Nr. 3 in c-Moll, op. 78, die "Orgelsinfonie" 1886 fertigstellte, war er auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. Aus dem fernen London war der Auftrag für das neue Werk gekommen, der gute Ruf des Komponisten eilte ihm voraus. Bei der Uraufführung in London bescherte ihm das Werk einen überragenden Erfolg – obwohl das Publikum zunächst verdutzt war.

WDR 3 Werkbetrachtung: Camille Saint-Saëns' "Orgelsinfonie"

ZZZ_WDR 3 Werkbetrachtungen (inaktiv) 30.12.2017 16:28 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Denn auf den ersten Blick scheint Saint-Saëns' Sinfonie aus nur zwei Sätzen zu bestehen. Tatsächlich hat er sich aber kaum von der traditionellen Form einer viersätzigen Sinfonie entfernt: Auf die dramatische Einleitung folgt ein Adagio, auf das Scherzo ein rauschhaftes Finale.

Die Königin der Instrumente spielt für eine "Orgelsinfonie" einen überraschend untergeordneten Part. Statt solistischer Kadenzen schlägt der Organist häufig nur Akkorde an, um einer Passage einen Farbklecks zu verleihen. Umso überraschender, dass plötzlich ein hochvirtuoser, vierhändiger Klavierpart die Orgelflächen unterbricht – fast, als mache sich das flinke Klavier über seine behäbige, große Schwester lustig.

Dass in einer Sinfonie überhaupt eine Orgel vorkommt, zeigt den Stellenwert, den die Orgel in der französischen Musik des 19. Jahrhunderts hatte. Während sie in Deutschland oder Italien fast nur in Kirchen zu finden war, zählte die Orgel in Frankreich bereits zum festen Bestandteil der Konzerthäuser.

Camille Saint-Saëns

Camille Saint-Saëns

Franz Liszt stand Pate für Camille Saint-Saëns' meistgespieltes Werk. Der junge Franzose übernahm Liszts Vorliebe für kleine, kompositorische Zellen, die sich über die ganze Dauer des Stücks ausbreiten, verwandeln und immer wieder auftauchen. Die beiden Komponisten lernten sich zu der Zeit kennen, als Saint-Saëns Organist an der Pariser Kirche Saint-Severin war. Liszt beschrieb ihn daraufhin als den "bedeutendsten Organisten der Welt".

Roderick Shaw ist seit vielen Jahren als Orchesterpianist beim WDR Sinfonieorchester tätig, er arbeitet regelmäßig mit dem Orchester, wenn die Partitur Instrumente wie Orgel, Klavier oder Celesta vorschreibt, außerdem ist er Dirigent. Für ihn darf die Orgel bei der dritten Sinfonie von Saint-Saëns nicht im Vordergrund stehen, sondern sollte majestätisch erhaben im Gesamtklang strahlen.

Eine Collage von Niklas Rudolph

Redaktion: Eva Küllmer