WDR 3 Werkbetrachtung: Die Marienvesper von Johann Rosenmüller

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"Madonna del Granduca" von Raffaello Sanzio

WDR 3 Werkbetrachtung: Die Marienvesper von Johann Rosenmüller

Etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts komponierte Johann Rosenmüller in Venedig fünf Psalmen und ein Magnificat. Jörg Breiding, Leiter des Knabenchores Hannover, hat diese Werke zu einer Marienvesper zusammengestellt.

Er war einer der wichtigsten und einflussreichsten Komponisten der Epoche zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach: Johann Rosenmüller (1617-1684). Er war im 17. Jahrhundert in ganz Europa bekannt, wurde gerühmt als "alpha et omega musicorum", das "A und O der Musik". Sein Geburtstag jährte sich 2017 zum 400. Mal. Rosenmüller war allerdings auch einer der rätselhaftesten Genies der Musikgeschichte.

WDR 3 Werkbetrachtung: Johann Rosenmüllers "Marienvesper"

WDR 3 Werkbetrachtungen | 23.12.2017 | 18:10 Min.

Rosenmüller wurde um den 24. August 1617 bei Oelsnitz im Vogtland geboren. Über seine Jugend sind nur Eckdaten bekannt: Die Lateinschule seiner Heimatstadt besuchte er ab 1640, es folgte ein Studium in Leipzig und die Tätigkeit als Hilfslehrer an der dortigen Thomasschule. Im Musikleben der Stadt stieg Rosenmüller schnell auf, 1651 wurde er Organist an der Nikolaikirche. Seine ersten Werke schätzte Heinrich Schütz wohl ganz besonders. An die Thomasschule banden Rosenmüller mehrere Mitarbeiterstellen, am Ende sogar die Aussicht auf die Position des kranken Thomaskantors Tobias Michael.

Ein Skandal lenkte dann aber 1655 die hoffnungsvolle Karriere des jungen Rosenmüller in andere Bahnen: Man warf ihm Unzucht mit Schülern der Thomaskirche vor. Der Komponist ergriff die Flucht, bevor er ergriffen wurde. Sein weiterer Lebensweg ist nur in Bruchstücken überliefert. Sicher ist, dass er ein Vierteljahrhundert in Venedig verbracht hat, von 1658 bis 1682. Doch seine Beziehungen zu den Fürstenhöfen seiner Heimat rissen währenddessen nicht ab, und Rosenmüllers Werke wurden deshalb dort auch immer bekannter.

Wann genau Johann Rosenmüller die fünf Vesperpsalmen und das "Magnificat" komponierte, die mit dem Marienhymnus und mit Antiphonen traditionell eine Marienvesper bilden, ist nicht bekannt. Sie stammen aber wohl aus seiner Zeit in Venedig und wurden für den Hof von Hannover komponiert. Herzog Johann Friedrich mochte Rosenmüllers Musik anscheinend ganz besonders, in der sich der strenge deutsche Fugenstil mit dem konzertanten, leichten und virtuosen Stil Italiens vermählen.

Jörg Breiding ist seit 2001 Dirigent des Knabenchores Hannover. Für seine Aufnahme aus dem Stephansstift in Hannover, an der 2015 auch das Johann Rosenmüller Ensemble mitwirkte sowie das Barockorchester L’Arco, hat Breiding eine Marienvesper zusammengestellt, wie sie im Rahmen mehrstündiger Vesperkonzerte damals hätte erklingen können. Jörg Breiding erläutert das Werk, das seiner Meinung nach einen Platz neben Monteverdis Marienvesper sehr wohl verdient hätte.

Eine Collage von Markus Bruderreck

Redaktion: Eva Küllmer

CD-Tipp

CD-Cover

Johann Rosenmüller: Marienvesper
Knabenchor Hannover
Jörg Breiding (Leitung)
Label: Rondeau
Bestellnummer: RDP701920

Stand: 21.12.2017, 12:11