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Dizzee Rascal – "Don't Take It Personal"

Grime wird erwachsen

Album der Woche: Dizzee Rascal – "Don't Take It Personal"

Stand: 11.02.2024, 00:00 Uhr

Auf "Don't Take It Personal" geht der Grime Star zurück zu seinen Wurzeln in der Rave-Szene und als DJ im Piratenradio.

Von Adrian Nowak

Dizzee Rascal: "Don't Take It Personal"

COSMO Album der Woche 11.02.2024 02:47 Min. Verfügbar bis 10.02.2025 COSMO


"I'm a young man but I feel old / you can say that I'm an old soul" - das sagt UK-Rapstar Dizzee Rascal in seinem neuen Track "Switch And Explode". Dazu erklingt aber kein melancholischer Geigen-Beat, sondern knallharter UK Garage Rave. Zum alten Eisen gehört der Grime Pionier noch lange nicht. Dabei hat er mit 39 schon den Status einer Legende, einen Orden des britischen Empires hat er auch schon bekommen. Mit seinem Debüt "Boy In Da Corner" gewann er 2003 den prestigeträchtigen Mercury Prize, trotz Konkurrenz von e Radiohead oder Coldplay. Damit ebnete der damals 19-jährige den Weg für Grime in den Mainstream, die britische Rap-Spielart mit Einflüssen aus verschiedenen Dance Music Genres. Er arbeitete mit Superstars wie Shakira oder Calvin Harris, stürmte mit Hits wie "Bonkers" die Charts und bewies sich immer wieder als gewitzter MC, der seine Underground-Wurzeln nie vergessen hat. 

Dizzee Rascal

Rave Rap

Auf "Don't Take It Personal" geht er zum Teil zurück zu seinen Wurzeln in der Rave-Szene und als DJ im Piratenradio. Songs wie "London Boy" oder "Sugar And Spice" arbeiten mit rasanten UK Garage oder 2 Step-Beats - ein Sound, der Anfang der Nullerjahre von England aus auch den Rest von Europa zum Tanzen brachte. Mittlerweile sind diese Beats wieder angesagt. Überhaupt ist der größte der Teil des Albums ein Tribut an die britische Rave Kultur und der perfekte Soundtrack für Autofahrten mit Freunden, WG-Sausen oder Warehouse-Partys. Düsterer aber nicht weniger tanzbar wird es in Grime-Bangern wie "What You Know Bout Dat" in dem er sich an legendäre Clubs wie Stratford Rex oder die Mix-CD "Lord Of The Decks" erinnert. Die Gastverse von Spitterkollegen wie JME und Double E sorgen für zusätzliche Cypher-Vibes. An die junge Generation knüpft er mit dem metallisch scheppernden Drilltrack "Get Out The Way" an, der Newcomer Backroad Gee liefert eine mächtige Hook für nen zünftigen Turn up. Passenderweise wurden zwei Videos zu dem Album auf dem Nottinghill Carnival gedreht, bei dem karibischer Karneval, Soundsystemkultur und die daraus entstandenen britischen Sub-Genres zusammenkommen und eine gigantische Party feiern.

Zurück ins Bedroonm Studio

Entstanden sind viele der Songs bei Dizzee zu Hause, und bei einigen saß der Rascal wie bei seinem Debüt allein vor Ableton, Drummachine und Keyboard. Er schraubte minimale, harte elektronische Banger wie das großkotzige "POV" und "Switch And Explode" - entspanntere Tracks wie das R’n‘B-mäßige "Sugar And Spice" wurden von jungen Produzenten wie iLL BLU produziert. "Stay In Your Lane" verbindet 2 Step mit verspielten jazzy Keyboardsounds und einer funky angeschlagenen Gitarre, eingespielt von Matt Johnson und Rob Harris von Jamiroquai. Mit "Roll Wiv Me" erforscht er neues Territorium und erschafft mit dem Sänger Predz UK einen sonnigen Mix aus Afrobeats und R&B.

Kampf mit den Dämonen

Bei aller Partystimmung und viel schrägem Humor findet der Rascal auch Zeit für Selbstkritik und nachdenkliche Momente. In "Tell Me About It" rappt er über die Begegnung mit einem Kumpel aus seinem alten Viertel, der immer noch jeden Tag strugglet, in "You Can Have Dat" verarbeitet er den Sorgerechtsstreit mit seiner Ex-Frau und rappt reumütig: "Fast car, you can have that / just bring my kids back." "Don't Take It Personal" zeigt den Rapper, der dieses Jahr 40 wird, in einer Zwischenphase. Er ist zwar immer noch ein Party-Animal und gut für übertriebenen Doubletime-Rap, aber auch ein Familienvater, der mit seinen Dämonen kämpft und ein Musikunternehmer, auf den sich andere verlassen müssen. Der "Boy in da corner" ist erwachsen geworden.