Tote nach Unwettern: Warum das warme Mittelmeer gefährlich wird

Stand: 19.08.2022, 15:55 Uhr

Eine Unwetterfront von Frankreich bis Österreich hat für mindestens 13 Tote gesorgt. Ein große Rolle spielte dabei das aufgeheizte Mittelmeer.

Schwere Gewitter mit Stürmen bis hin zur Orkanstärke haben am Donnerstag in Frankreich, Italien und Österreich mindestens 13 Menschen das Leben gekostet. Am stärksten betroffen waren Korsika, die Toskana sowie die österreichischen Bundesländer Kärnten und Niederösterreich.

Die Unwetter trafen viele Menschen offenbar unvorbereitet mitten im Urlaub. "Fast ganz Europa hat derzeit Ferien, die Strände, Badestellen und Campingplätze sind voll. Bei einem ähnlichen Unwetter im Oktober wäre wohl weniger passiert", sagte WDR-Meteorologe Jürgen Vogt. In der Tat gab es mehrere Tote und Verletzte, als auf Campingplätzen in Korsika und in der Toscana Bäume umstürzten. In Österreich wurden zwei Mädchen am St. Andräer See von einem Baum erschlagen.

30 Grad warmes Meerwasser sorgt für "zu viel Energie" in der Atmosphäre

Dass sich im westlichen Mittelmeerraum Unwetter bilden, hat laut Vogt auch mit der dortigen Wassertemperatur zu tun. Die liegt stellenweise bei 30 Grad und liegt somit um fünf Grad über den Werten, die dort normalerweise um diese Jahreszeit herrschen. Doch während sich die einen über Badewannentemperaturen freuen, steigen bei den Meteorologen die Sorgen. "Bei hohen Wassertemperaturen verdunstet mehr Wasser. Der Dampf landet in der Atmosphäre und erhöht dort die Energie, was wiederum zu stärkeren Unwettern führen kann", sagt Vogt.

So sieht es auch ARD-Meteorologe Niko Renkosik. Eine Mitschuld für starke Unwetter sieht er aber auch im Klimawandel.

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Experten befürchten mehr Wirbelstürme im Mittelmeer

Laut einer WWF-Studie steigen die Temperaturen im Mittelmeer um 20 Prozent schneller als der Durchschnitt der restlichen Meere. Auch Jürgen Vogt befürchtet: "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird das Potenzial für solche Unwetter auf jeden Fall steigen." Zudem sei in Zukunft aufgrund der hohen Wassertemperatur damit zu rechnen, dass sich im Mittelmeerraum verstärkt "Medicanes" bilden. Das sind kleinräumige Formen von Hurricanes, die sich dort vor allem im Herbst und Winter bilden.

Unwetterwarnung für den Alpenraum

Das Bild zeigt Unwetterschäden.

Unwetterschäden in Österreich

Im Mittelmeerraum haben die Aufräumarbeiten nach den Unwettern begonnen. Immerhin: Dort soll es die nächsten Tage eine ruhigere Wetterphase geben. Rund um die Alpen in Italien, Österreich und Süddeutschland muss allerdings bis Samstagmittag mit Unwettern und extremem Dauerregen gerechnet werden. Die Wetterdienste haben entsprechende Warnungen ausgesprochen.

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