Wie "Querdenken" mit eigenen Fakenews Medienschelte betreibt

Ein Plakat auf der "Querdenken"-Demonstration in Berlin

Wie "Querdenken" mit eigenen Fakenews Medienschelte betreibt

Von Jörn Kießler

Die "Querdenken"-Bewegung kritisiert die Medien, weil sie angebliche Fakenews verbreiten würden. Diese stammen aber aus einer internen Mail der Initiative. Die Sozialpsychologin Pia Lamberty bezeichnet dieses Verhalten als eine typische Methode von Verschwörungstheortikern, sich als Opfer zu inszenieren.

Mehrere Wochen hat eine angeblich geplante Aktion der "Querdenken"-Bewegung viele Eltern von schulpflichtigen Kindern verunsichert. Mehrere Medien berichteten darüber, die Initiative habe geplant, Kinder und deren Eltern auf dem Schulweg ansprechen, um sie über die angebliche Schädlichkeit von Masken aufzuklären. Auch das NRW-Bildungsministerium warnte in einer Rundmail alle Schulen vor "Aktionen gegen die Pflicht zum Tragen der Mund-Nase-Bedeckung" am Montag.

Einen Tag später steht fest: Die Befürchtungen waren unbegründet. Es gebe keine Erkenntnisse zu Aktionen, hieß es aus dem NRW-Schulministerium.

Die waren laut "Querdenken 711" auch gar nicht geplant. Stattdessen hätten die Medien wieder "Fakenews" verbreitet, wie Michael Ballweg, Gründer der Initiative, bereits am Freitag in einem Video kritisierte. Er wirft dem Großteil der Journalisten vor, ihre Sorgfaltspflicht vernachlässigt zu haben.

Doch ist das wirklich so?

Medienschelte statt Richtigstellung

Laut Ballweg stammen die Informationen zu der Aktion aus einer "internen E-Mail, die wir versendet haben, um unsere Kommunikationsstrukturen zu testen". Mit anderen Worten: "Querdenken 711" wollte eine undichte Stelle finden. Diese spielte dem Kölner Express die Mail zu, woraufhin dieser eine Anfrage an "Querdenken 711" stellte. Als diese nicht beantwortet wurde, veröffentlichte der Express einen Artikel über die vermeintliche Aktion.

Den Beitrag griffen laut Ballweg zahlreiche Medien Anfang November auf, "ohne dass wir irgendeine Anfrage von einem Journalisten hatten". Lediglich zwei Journalisten von t-online und dem NDR hätten eine Anfrage gestellt, stellt Ballweg fest und wirft den Medien falsche Berichterstattung vor. Auf die Frage, warum "Querdenken 711" nicht auf die Anfrage des Express antwortete, erklärt Ballweg, die vom Express gestellte Frist für die Antwort sei zu kurz gewesen.

Zudem sei die Mail an dem Tag unter vielen anderen Anfragen untergegangen. Als man sie gelesen habe, sei der Artikel schon veröffentlicht gewesen. Als es darin auch noch hieß, der Express habe mehrfach nachgefragt, was laut Ballweg nicht der Fall war, "war uns klar, dass der Express unseriös gehandelt hat". Also antwortete "Querdenken" auch dann nicht mehr auf die Fragen des Express-Journalisten.

Stand: 10.11.2020, 07:42

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