Kaspersky-Verbot in den USA: Was bedeutet das für mich?

01:18 Min. Verfügbar bis 21.06.2026

Kaspersky-Verbot in den USA: Was bedeutet das für mich?

Stand: 21.06.2024, 16:23 Uhr

US-Behörden haben den Virenschutz Kaspersky verboten. Ab Juli darf die Software nicht mehr verkauft werden. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt die Hintergründe und was das für Nutzer in Deutschland bedeutet.

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Kaspersky Lab, das Unternehmen hinter der Schutz-Software "Kaspersky", wurde 1997 gegründet und hat sich seitdem zu einem der führenden Anbieter von Sicherheitssoftware entwickelt – auch in der westlichen Welt. Zeitweise hatte das Unternehmen weit über 30 Prozent Marktanteil. Mittlerweile wird der Marktanteil auf nur noch rund 10 Prozent geschätzt.

Die Schutzprogramme des Unternehmens sind in Fachkreisen anerkannt, ebenso die Expertise der Fachleute des Unternehmens. Die Software kann wirkungsvoll PCs, Mobilgeräte und komplette Netzwerke vor verschiedenen Arten von Bedrohungen schützen, einschließlich Viren, Malware und Ransomware.

Gründer des Unternehmens ist ein Russe

Als problematisch wird die Herkunft der Software eingestuft. Gegründet wurde das Unternehmen vom russischen Staatsbürger Jewgeni Walentinowitsch Kasperski, in der westlichen Welt als Eugene Kaspersky bekannt. Kaspersky lebt nach wie vor in Moskau.

Aus diesem Grund hat das US-Handelsministerium bereits 2017 ein Verbot ausgesprochen, da aus Sicht der Behörde Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit bestünden: Seitdem dürfen auf Rechnern von US-Behörden keine Produkte von Kaspersky mehr betrieben werden.

Auch das BSI warnt vor Kaspersky Software

US-Behörde hat Kaspersky-Schutz-Software verboten

Auch das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) hat bereits 2022 vor Kaspersky-Software gewarnt. Die Warnung wurde im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und den Drohungen seitens Russlands gegen die EU, die NATO und Deutschland ausgesprochen.

Kaspersky hat die Behauptungen des BSI zurückgewiesen und betont stets, dass das Unternehmen unabhängig operiert und keine Daten mit der russischen Regierung teilt. Darüber hinaus hat Kaspersky angekündigt, dass es die Datenverarbeitung in die Schweiz verlagern wird, um Zweifel hinsichtlich der Datensicherheit zu zerstreuen

Endgültiges Verbot in den USA ausgesprochen

In den USA wurde Kaspersky nun komplett verboten, auch für den privaten Einsatz. Ab Juli dürfen Sicherheitsprodukte von Kaspersky in den USA nicht mehr verkauft werden, ab September sind auch keine Updates mehr erlaubt. Ebenfalls aufgrund von Sicherheitsbedenken.

Die Befürchtung: Rechner und Mobilgeräte, die mit der Software ausgerüstet sind, könnten ausspioniert, manipuliert oder auf andere Weise angegriffen werden.

Tatsächlich besteht ein theoretisches Risiko: Schutz-Software wie Kaspersky greift sehr tief in ein Betriebssystem ein, hat weitgehende Rechte. Es wäre theoretisch denkbar, dass eine Schutz-Software vorsätzlich eine bestimmte Bedrohung ignoriert, was Cyberangriffe möglich machen würde. Selbst ferngesteuerte Manipulation wäre möglich.

Einfluss auf Nutzer in Deutschland

Einen unmittelbaren Einfluss auf Nutzer in Deutschland hat das nicht, zumindest, solange die Produkte nicht auch in der EU verboten werden oder Kaspersky sich dazu entschließen sollte, in Europa keine Updates mehr anzubieten.

Eine Schutz-Software ohne Updates ist extrem gefährlich: Neue Angriffsmethoden würden von der Software nicht erkannt und abgewehrt. Spätestens dann wäre ein Umstieg auf eine andere Schutz-Software angeraten.

Das Unternehmen Kaspersky hat in der Vergangenheit bereits angeboten, dass unabhängige Experten sich den Quellcode der Schutz-Software ansehen und auf etwaige Schwachstellen untersuchen. Dieses Angebot wurde bislang von der US-Regierung nicht angenommen.

Verwendete Quellen: