CO2-Preis: So werden die Kosten auf Mieter und Vermieter bald aufgeteilt

Stand: 25.05.2022, 20:30 Uhr

Auch Vermieter sollen demnächst an der Klimaabgabe beteiligt werden. Die Ampel-Regierung hat dafür ein Stufenmodell auf den Weg gebracht. Für viele Mieter bedeutet das eine Entlastung.

Von Christian Wolf

Wer zuhause mit Öl oder Gas heizt, muss seit 2021 eine zusätzliche Klimaabgabe zahlen. Bislang geht das auf Kosten der Mieter. Doch schon lange wird darüber gestritten, in welcher Form sich auch Vermieter an der CO2-Abgabe beteiligen sollen. Nun ist eine Lösung auf den Weg gebracht worden.

Das Ampel-Kabinett in Berlin hat ein Stufenmodell verabschiedet, das noch vom Bundestag beschlossen werden muss. Je nachdem, wie energieeffizient ein Haus ist, müssen ab 2023 auch Vermieter einen Teil des CO2-Preises zahlen.

Für Mieter heißt das, sie werden ein bisschen entlastet. Nur in sehr gut gedämmten Häusern müssen sie auch weiterhin den Aufschlag alleine zahlen. Ist ein Gebäude besonders emissionsreich, muss der Vermieter fast alles zahlen. Insgesamt soll es zehn Stufen geben.

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Die neue Regelung sei eine "deutliche Verbesserung" gegenüber dem Status Quo, sagte Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch nach der Kabinettssitzung.

CO2-Preis macht das Heizen teurer

Nötig ist die neue Regelung deshalb, weil seit vergangenem Jahr der sogenannte CO2-Preis das Heizen teurer macht. Die Abgabe soll helfen, den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß zu senken. In diesem Jahr liegt die Abgabe bei 30 Euro pro Tonne CO2. Bei einem Liter Heizöl macht das laut Experten acht Cent pro Liter aus, bei Erdgas 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Bis 2025 soll der CO2-Preis schrittweise noch deutlich weiter steigen.

Kompromiss für Mieter und Vermieter

Bislang ist es noch so, dass die Abgabe komplett von den Mietern gezahlt wird. Das sei ungerecht - heißt es von denen. Denn Mieter könnten gegen die zusätzlichen Kosten nichts machen, wenn sie wegen schlechter Dämmung oder einer alten Heizung hohe Energiekosten hätten. Das liege in der Verantwortung der Vermieter. Doch wenn die bei der Klimaabgabe außen vor sind, gebe es keinen Anreiz für sie, etwas zu ändern.

Auf Seiten der Vermieter hieß es hingegen, dass es unfair sei, sie für etwas zahlen zu lassen, auf das sie nur wenig Einfluss haben. Denn wenn ein Mieter zum Beispiel bei offenem Fenster die Heizung voll aufdrehe, könne man als Vermieter nichts dagegen tun.

Das Stufenmodell ist nun ein Kompromiss zwischen beiden Seiten. Vermieter werden beteiligt, damit sie einen Anreiz haben, ihr Haus besser zu dämmen oder eine neue Heizung einzubauen. Und die Mieter sind weiterhin mit im Boot, damit sie sparsam heizen.

Nach früheren Berechnungen des Vergleichsportals Verivox können Mieter in einer 100-Quadratmeter-Wohnung bei Umsetzung des Stufenmodells um bis zu 122 Euro im Jahr entlastet werden - je nach Energiebilanz des Hauses. Für die meisten Mieter lägen die Entlastungen zwischen 12 und 72 Euro im Jahr.

Berechnung für jedes Haus nötig

Eine zusätzliche Dämmung kann helfen, die Kosten zu senken | Bildquelle: dpa

Doch wie praktikabel ist die Lösung in der Praxis? Schließlich muss nun für jedes Haus ermittelt werden, welcher Stufe es zugeordnet werden kann. Als "emissionsreich" gilt zum Beispiel ein Gebäude, wenn es einen jährlichen Ausstoß von mehr als 52 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter hat. Laut der Bundesregierung soll die Berechnung aber nicht kompliziert werden. Den Vermietern würden "alle für die Berechnung erforderlichen Daten an die Hand gegeben, sodass sie die Verteilung der CO2-Kosten leicht ermitteln können", heißt es vom Klimaschutzministerium.

Und das neue Modell gilt auch nicht für alle Gebäude. So soll es Ausnahmen geben für denkmalgeschützte Häuser oder in Milieuschutz-Gebieten, wo Vermieter nicht so einfach sanieren können. Und für Geschäfte, Bürogebäude und andere Häuser, in denen nicht gewohnt wird, sollen die Kosten hälftig aufgeteilt werden - es sei denn, Mieter und Vermieter vereinbaren es in ihrem Vertrag anders.

Über dieses Thema berichten wir heute im WDR-Fernsehen in der Aktuellen Stunde um 18.45 Uhr.