Queen: Die bunten Könige des Rock und Pop

Queen: Die bunten Könige des Rock und Pop

Balladen und Hardrock, Funk und Ragtime, Euphorie und Melancholisches: Die Musik von Queen war so unterschiedlich wie die vier Bandmitglieder.

Queen

Treffen sich ein Elektrotechniker, ein Grafikdesigner, ein Astrophysiker und ein Zahnmediziner. Was wie der Anfang eines schlechten Witzes klingt, ist 1971 in London der Karrierestartschuss für eine der größten Rockbands überhaupt: Queen, bestehend aus John Deacon, Freddie Mercury, Brian May und Roger Taylor (v.l.n.r.)

Treffen sich ein Elektrotechniker, ein Grafikdesigner, ein Astrophysiker und ein Zahnmediziner. Was wie der Anfang eines schlechten Witzes klingt, ist 1971 in London der Karrierestartschuss für eine der größten Rockbands überhaupt: Queen, bestehend aus John Deacon, Freddie Mercury, Brian May und Roger Taylor (v.l.n.r.)

Zu Beginn ihrer Lauffbahn pendelt die Band etwas unentschlossen zwischen hartem Rock, ausuferndem Prog und musikalischen Extravaganzen. Doch damals geben die Plattenfirmen ihren Bands noch Zeit, sich zu entwickeln. Und so dauert es bis zu ihrer dritten Platte "Sheer Heart Attack" und zur Single "Killer Queen", bis sich Mitte der 70er größere Erfolge einstellen.

Das liegt am besonderen Sound der Band, aber auch an der spektakulären Show, die das Quartett auf die Bühne bringt. Vor allem Sänger Freddie Mercury ist ein Entertainer und Frontmann, wie er im Buche steht: Mal lasziv, mal augenzwinkernd, mal wild rockend und mal romantisch verträumt - seine Vielseitigkeit ist sensationell. Dazu kommt seine beeindruckende Stimme, die auch im klassischen Bereich punkten könnte.

Ende 1975 erscheint das Album "A Night At The Opera" und sorgt für den endgültigen Durchbruch von Queen. Vor allem der Song "Bohemian Rhapsody" setzt Maßstäbe und sorgt für offene Münder. Eine Mischung aus Rock, Ballade und Operette, perfekt gespielt und arrangiert.

Die Aufnahme des Songs dauert Monate und verschlingt zehntausende Pfund. Doch die Mühe lohnt sich: Bis heute gilt "Bohemian Rhapsody" als einer der größten Songs aller Zeiten. Nicht umsonst wählen ihn die WDR 4-Hörer dreimal in Folge an Nummer eins der Top 444.

Die folgenden Jahre reitet die Band auf der Erfolgswelle: Ausverkaufte Shows, Charterfolge, Goldene Schallplatten.

Mit "We Are The Champions" gelingt der Band 1977 gleich der nächste Song für die Ewigkeit, der fortan aus den Stadien, bei Siegerehrungen und Meisterfeiern, nicht mehr wegzudenken ist.

Die Band genießt ihren Erfolg in vollen Zügen. Besonders Sänger Freddie Mercury liebt Drogen, Sex und wilde Parties. Was Queen nach ihren Shows veranstalten, ist legendär - und manchmal auch an der Grenze der Legalität und des guten Geschmacks.

Später wird klar: Mercury nutzt seine Exzesse und sein flamboyantes Auftreten, um die Schüchternheit, die Zweifel und die Verletztlichkeit zu übertünchen, die ihn im Inneren immer wieder plagen.

Mit Beginn der 80er Jahre wird es schwer für viele etablierte Rockbands: Ein neues Jahrzehnt verlangt auch einen neuen Sound. Disco, Funk und Dance sind nun angesagt, von großen Posen und pompösen Rock-Nummern wollen die Leute immer weniger wissen.

Doch Queen schafft es, auch weiterhin musikalisch relevant und am Puls der Zeit zu bleiben. Ihr Sound wird kompakter, tanzbarer und durchaus funky. Dabei hilft der Band ein seltener Umstand, den man bei keiner anderen Band dieser Größe findet: Neben Mercury sind auch die anderen Mitglieder als Songwriter begabt und sorgen so für diverse Hits. Bassist John Deacon (li.) etwa schreibt Songs wie "Another One Bites The Dust" oder "I Want To Break Free"...

Brian May ist für "We Will Rock You", "Who Wants To Live Forever" oder "Save Me" zuständig...

Und auch Drummer Roger Taylor (li.) steuert mit "Radio Ga Ga" und "A Kind Of Magic" veritable Hits für die Queen-Discografie bei.

Ausverkaufte Stadien, millionenfach verkaufte Singles und Alben: Die Band macht ihrem Namen alle Ehre und wird immer mehr zum unangefochtenen Regenten der Pop- und Rock-Musik. Kein Wunder, dass sich Mercury gerne als Majestät inszeniert.

Und womit? Mit Recht. Das zeigt sich auch beim "Live Aid"-Konzert, das im Juli 1985 stattfindet und bei dem sich mit Madonna, Elton John, Phil Collins, Led Zeppelin, The Who, Bob Dylan, Mick Jagger und Paul McCartney die Creme de la Creme der Musikszene zum größten Konzert der Popgeschichte einfindet.

Doch den mit Abstand denkwürdigsten Auftritt legen Mercury, May & Co. hin. 75.000 Zuschauer im Londoner Wembley-Stadion und knapp zwei Milliarden zu Hause vor dem Fernseher erleben Queen auf dem Höhepunkt ihres Könnens: Emotional, vielseitig, musikalisch präzise nimmt die Band ihr Publikum mit auf eine Reise, die nur 20 Minuten dauert, aber jahrzehntelang in Erinnerung bleibt.

Einen Großteil dazu trägt Freddie Mercury bei. Dieser gibt den Entertainer und Frontmann par excellence, der Grandezza, Humor und Leichtigkeit ausstrahlt und mit seinem Publikum spielt wie eine Katze mit der Maus.

Dass die Karriere der Band nicht mehr lange dauern wird, ahnt damals noch keiner. Doch schon ein gutes Jahr später gibt die Band ihr letztes Konzert im Original-Line-Up: Vor 120.000 Zuschauern im Knebworth Park nördlich von London. Wenig später wird bei Freddie Mercury AIDS diagnostiziert.

Von kraftraubenden Touren nimmt die Band Abstand und stürzt sich in den folgenden Jahren in die Studio-Arbeit. Neben den Alben "The Miracle" und "Innuendo" erscheinen auch verschiedene Solowerke und Seitenprojekte der Musiker. Als die Band im Februar 1990 nach längerer Pause wieder in der Öffentlichkeit auftritt, sieht man Freddie Mercury deutlich an, dass es ihm nicht gut geht. Die Fans sorgen sich, Spekulationen über seinen Gesundheitszustand entstehen.

Am 23. November 1991 bereitet Freddie Mercury den Gerüchten ein Ende. Er macht seine AIDS-Erkrankung über seinen Presseagenten öffentlich. Schon einen Tag später stirbt er. Die Fans weltweit sind geschockt. Queen-Songs stürmen die Charts, es gibt ein Tribute-Konzert, und in Montreux, wo die Band ein Studio besitzt und Mercury lange Jahre lebte, wird sogar eine Statue zu Mercurys Ehren errichtet.

Das Vermächtnis der Band wird auch durch sie selbst gepflegt und befeuert: Brian May und Roger Taylor holen sich erst Paul Rogers und dann Adam Lambert (li.) als Mercury-Ersatz und gehen als Queen+ auf Tournee. Auch ein Queen-Musical feiert Premiere und wird rund um die Welt aufgeführt.

2018 erscheint sogar ein Hollywood-Film, der sich mit der Geschichte der Band beschäftigt. "Bohemian Rhapsody" spielt über 900 Millionen Dollar ein und erhält vier Oscars, unter anderem für Rami Malek (li.) als bester Hauptdarsteller. Der Mythos Queen lebt bis heute weiter - auch 30 Jahre nach Mercurys Tod.

Stand: 10.11.2021, 15:13 Uhr