Baustopp am Belo-Monte-Staudamm aufgehoben

Luftbild von Demonstration am Staudamm-Projekt Belo Monte

Umweltzerstörung am Amazonas

Baustopp am Belo-Monte-Staudamm aufgehoben

Die Bauarbeiten am umstrittenen Staudamm Belo Monte im Amazonasgebiet können weitergehen. Das hat jetzt das Oberste Gericht Brasiliens entschieden. Die katholische Kirche in Brasilien unterstützt die Gegner des Projektes. Erzbischof Luiz Soares Vieira erklärt warum.

Im Norden Brasiliens, an einem Nebenfluss des Amazonas, entsteht zurzeit das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Das Großprojekt Belo Monte am Xingu erfordert die  Flutung einer Fläche von rund 7500 Quadratkilometern Regenwald und  Ackerland - und die Umsiedlung von bis zu 50 000 Menschen. Für die Regierung in Brasilia ist der Kraftwerksbau ein strategischer Bestandteil ihrer Planungen zur Sicherung der nationalen Energieversorgung. Auch deutsche Unternehmen wie Siemens und Daimler sind an dem Großprojekt beteiligt. Noch Mitte August hatte ein Regionalgericht den vorläufigen Baustopp verfügt, da die Ureinwohner der Region vor  Beginn der Bauarbeiten nicht angehört worden seien.

Umweltverbände aus der ganzen Welt warnen, der Staudamm werde den ohnehin schon bedrängte Amazonas-Urwald weiter zerstört. Das Projekt sei ökologisch ein Desaster und zudem unwirtschaftlich, da Strom aus dem Norden über Tausende von Kilometern in den Süden des Landes geleitet werden soll.

Ureinwohner demonstrieren gegen das Staudamm-Projekt Belo Monte in Brasilien

Ureinwohner protestieren in Rio de Janeiro gegen den Staudamm

Mehr als 200 000 Eingeborene der Region wehren sich seit Jahren verzweifelt gegen den Kraftwerksbau. Indianerstämme wie die Juruna und Xipaja sehen ihre Lebensgrundlage bedroht: Fischfang und Landwirtschaft. Ein erheblicher Teil des fast 2000 Kilometer langen Xingu-Flusses soll für das Kraftwerk trockengelegt werden.

Auch die katholischen  Bischöfe Brasiliens positionieren sich gegen das gigantische Staudammprojekt. Dies führe zu massiven Verletzungen der Menschenrechte der indigenen Bevölkerung und zu massiver Umweltzerstörung. Luiz Soares Vieira, Erzbischof der Diözese Manaus in Amazonien, erklärt in einem WDR-Interview die Haltung seiner Kirche.

WDR.de: Welche Bedeutung hat der Bau des Wasserkraftwerkes Belo Monte für die Amazonas-Region?

Erzbischof Luiz Soares Vieira

Erzbischof Luiz Soares Vieira

Luiz Soares Vieira: Für uns hier in Amazonien ist die Situation äußerst schwierig. Uns wird einmal mehr bewusst, dass  Amazonien für den Rest des Landes so etwas wie eine Kolonie ist, die ausgebeutet werden kann. Die Entscheidungen fallen in der Hauptstadt Brasilia, die hiesige Bevölkerung wird ignoriert. Besonders betroffen sind davon die Eingeborenen, deren Rechte schwer verletzt werden.

WDR.de: Welche Konsequenzen befürchten Sie?

Soares Vieira: Jetzt werden unsere Flüsse zur Stromerzeugung aufgestaut, riesige Teile überschwemmt. Der Generalbundesanwalt hat mit den Baumaßnahmen auch den Zugang zu den Gebieten, in denen Eingeborene bisher für sich leben können, zugelassen. Damit wird ihre Lebensgrundlage zerstört, sie werden vertrieben. Aber wo sollen sie hinziehen? Es gibt keine verlässlichen Zusagen der Regierung. Schon jetzt ist die Stadt Altamira in der Nähe des Staudammprojektes von Zuwanderern, die die Flussgebiete verlassen müssen, überfüllt. Eingeborene, die dort hinziehen, finden keine Arbeit, ihnen drohen bittere Armut, Drogen und Prostitution.

WDR.de: Wie engagiert sich in dieser Situation die Kirche?

Soares Vieira: Die katholischen Bischöfe Amazoniens fordern klar von der Regierung in Brasilia, Belo Monte nicht zu realisieren. Doch die „Ruralistas“, das heißt die Agrarlobby und auch die Bauunternehmen, setzen die Politiker in beiden Kammern des Parlaments unter Druck. Denn der Staudammbau bringt mit der massiven Abholzung des Regenwaldes, gleichzeitig auch eine Ausweitung der Agrarindustrie vor Ort. Wir wollen den Armen, die nicht gehört werden, in dieser Situation eine Stimme geben.

Das Interview führte Johanna Holzhauer.

Stand: 31.08.2012, 12:02