Der Naumburger Dom von oben. Hier hat Martin Luther 1542 den ersten evangelischen Bischof geweiht

Naumburg, Blütengrund, Schloss Neuenburg, Freyburg, Bad Kösen

Stand: 04.09.2022, 20:15 Uhr

Naumburg an der Saale hat rund 33.000 Einwohner und mit dem fast 1.000 Jahre alten Naumburger Dom St. Peter und Paul ein UNESCO Weltkulturerbe. In der Kirche mit den zwei im romanischen und zwei im gotischen Stil gehaltenen Türmen hat Martin Luther 1542 den ersten evangelischen Bischof geweiht.

Der Dom zählt zu den bedeutendsten Kathedralbauten des europäischen Hochmittelalters. Weltberühmt sind die zwölf Stifterfiguren im Westchor, die ein unbekannter Künstler Mitte des 13. Jahrhunderts schuf. Die bekannteste der ausdrucksstarken Stifterfiguren ist die Markgräfin Uta von Naumburg. Sie gilt als "schönste Frau des Mittelalters", und Walt Disney machte sie später zur Vorlage für Schneewittchens böse Stiefmutter. Außergewöhnlich sind auch die von dem weltbekannten Leipziger Künstler Neo Rauch entworfenen Glasfenster in der Elisabethkapelle.

Im Mittelalter war Naumburg eine bedeutende und reiche Messestadt. Das sieht man bis heute an den vielen alten Gebäuden und an der Stadtkirche St. Wenzel. Sie liegt direkt am Marktplatz und beherbergt eines der bedeutendsten historischen Instrumente der Welt: die 1746 gebaute Hildebrandt Orgel.
"Wilde Zicke" nennen die Naumburger ihre Straßenbahn, die – mit Unterbrechungen – seit 1892 fährt. Die Strecke führt vom Hauptbahnhof zur Innenstadt und ist 2,8 Kilometer lang. Die ehemalige Ringbahn ist der kleinste Straßenbahnbetrieb Deutschlands. Karten für eine Fahrt mit den nostalgischen Wagen aus der DDR-Zeit gibt es beim Schaffner.
Der Pfarrerssohn und spätere Philosoph Friedrich Nietzsche lebte als Kind mit seiner Mutter und seiner Schwester in Naumburg. Später kehrte er als kranker Mann zurück. Sein ehemaliges Wohnhaus in der Altstadt ist heute ein Museum.

Blütengrund

Der Blütengrund bei Naumburg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Hier mündet die Unstrut in die Saale, und eine Fähre verbindet den Saale-Radweg mit dem Unstrut-Radweg. Der Blütengrund gehört zum Saale-Unstrut-Weinbaugebiet, in dem seit mehr als 1.000 Jahren Reben kultiviert werden. Eins der historischen Weingüter in der Region gehörte dem Bildhauer, Maler und Grafiker Max Klinger und ist heute eine Außenstelle des Museums Naumburg – geöffnet von April bis Oktober. In der Nähe des Ortsteils Großjena befindet sich an der Terrassenmauer eines Weinbergs das "Steinerne Bilderbuch": ein Relief aus zwölf mannshohen Kunstwerken, die zehn Geschichten aus der Bibel erzählen. In den Stein gehauen wurden sie 1722 im Auftrag des Hofjuweliers J.C. Steinauer aus Naumburg zu Ehren von Herzog Christian II. von Sachsen-Weißenfels, seinem besten Kunden.

Steinernes Bildrelief auf einer alten Mauer

Das "Steinerne Bilderbuch" wurde vor 300 Jahren in die Sandsteinmauer eines Weinbergs geschlagen.

Schloss Neuenburg

Schloss Neuenburg liegt hoch über dem Winzerstädtchen Freyburg. Die Burg wurde 1090 vom Thüringer Grafen Ludwig dem Springer gegründet und bis 1230 unter den Landgrafen von Thüringen ausgebaut. So entstand eine weitläufige Anlage mit Wohnbauten, einer Doppelkapelle, mächtigen Mauern und Türmen sowie einer großen Vorburg. Mit rund 30.000 Quadratmetern umbauter Fläche ist die Neuenburg dreimal so groß wie ihre "Schwester", die Wartburg, und eine der größten Burgen in Deutschland. Neben dem Burgmuseum sowie einem Uhrenmuseum befindet sich auf dem Gelände auch das Weinmuseum von Sachsen-Anhalt. Die Ausstellung "Zwischen Fest und Alltag – Weinkultur in der Mitte Deutschlands" dokumentiert den hohen Stellenwert des Weinbaus für die Region.

Große Burganlage auf einem Hügel, darunter ein Dorf

Schloss Neuenburg ist eine "Schwester" der Wartburg, aber dreimal so groß.

Freyburg – Weinzentrum und Turnvater Jahn

Freyburg ist das Zentrum des Weinanbaugebiets Saale-Unstrut. Jeweils am zweiten Wochenende im September findet hier das größte Winzerfest Mitteldeutschlands statt. In dem kleinen Örtchen befindet sich eine der ältesten Sektkellereien Deutschlands. Und die historischen Gebäude der 1856 gegründeten Sektkellerei Rotkäppchen beherbergen u.a. das größte deutschen Cuvée-Fass aus Holz. Regelmäßig finden Führungen und Verköstigungen statt.

Bekannt ist Freyburg auch durch Friedrich Ludwig Jahn, besser bekannt als "Turnvater Jahn", der bis zu seinem Tod 1852 hier lebte. In seinem Wohnhaus befindet sich heute das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum. Im Turnleistungszentrum im nahegelegenen Halle trainiert auch Lucas Dauser, der 2012 bei den Olympischen Spielen in Tokio die Silbermedaille am Barren holte.

Daniel Aßmann und Sandra Polomski sitzen mit Weingläsern in der erhobenen Hand vor Weinstöcken

Daniel Aßmann trifft Sandra Polomski, ehemalige Weinkönigin von Saale Unstrut und heutige Winzerin, zu einem Picknick im Weinberg.

Bad Kösen – Kurort und Käthe-Kruse-Museum

Bad Kösen ist ein Kurort nahe Naumburg. Hier wurde bereits Ende des 17. Jahrhunderts Salz gefördert, seit 1859 trägt Bad Kösen den Titel "Solebad". Das Gradierwerk ist 320 Meter lang und knapp 20 Meter hoch und befindet sich neben dem Kurzentrum. Im Sommer, wenn die Luft am Gradierwerk mit einem leichten Nebel aus Sole angereichert ist, kann man die "gute Luft" im Freien inhalieren.

Von 1912 bis 1950 lebte und arbeitete die Puppenmacherin Käthe Kruse in Bad Kösen. Weil ihre Tochter Johanna an Keuchhusten litt, zog sie damals mit ihrer Familie in den Kurort. Ihre Kinder waren auch Vorbilder für ihre Puppen, die in Handarbeit hergestellt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte Käthe Kruse die Puppenfabrik ins bayerische Donauwörth. Die Produktionsstätten wurden enteignet und zu einem volkseigenen Betrieb, in dem zu DDR-Zeiten Plüschtiere hergestellt wurden. Das Käthe-Kruse-Museum befindet sich im "Romanischen Haus", einem ehemaligen Wirtschaftshof des Klosters Pforta, und zeigt die weltweit größte Sammlung von Käthe-Kruse-Puppen.

Gradierwerk in einer Parkanlage

Mitten in der Kurstadt Bad Kösen steht das riesige Gradierwerk.

Lesetipps für das Saaletal

Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut e.V., Thies Schröder (Herausgeber)
An Saale und Unstrut: Hochmittelalterliche Kulturlandschaft zwischen Weinbergen und Naumburger Dom
‎L + H Verlag Berlin Thies Schröder, 2021
ISBN 978-3939629634
Preis: 15,00 Euro 

Stephanie von Aretin
Saale-Unstrut. HeimatMomente. 40 Mikroabenteuer zum Entdecken und Genießen
360° medien, 2021
ISBN 978-3968550787
Preis: 14,95 Euro

ADFC Regionalkarte Saale-Unstrut mit Tourenvorschlägen. Zwischen Halle (Saale), Saalfeld und Greiz 1:75.000
BVA BikeMedia, 2022
ISBN 978-3969900932
Preis: 9,95 Euro

RadReiseFührer Saaleradweg. Von der Quelle im Fichtelgebirge an die Elbe mit Extra-Tourenkarte
Kompass Karten Verlag, 2022
ISBN‎ 978-3991213321
Preis: 16,95 Euro