Porträt eines Hundes mit schwarz-weißem Fell

Verantwortungsvoller Auslandstierschutz – So erkennen Sie seriöse Vereine

Stand: 25.09.2023, 14:05 Uhr

Bei der Auslandstiervermittlung läuft mittlerweile fast alles über das Internet. Die Tiere und ihre Schicksale werden auf Homepages oder über soziale Medien vorgestellt. Doch woran erkenne ich, ob der Verein, der die Tiere vermittelt, tatsächlich seriös ist?

Der Verein

Auf der Homepage des Tierschutzvereins muss erkennbar sein:

  • Handelt es sich um einen eingetragenen Verein?
  • Ist der Verein als gemeinnützig anerkannt?
  • Gibt es ein Partnertierheim in dem Land, aus dem die Tiere kommen?
  • Wie sieht die Tierschutzarbeit der Vereine in den jeweiligen Ländern aus? Welche Ziele hat die Tierschutzarbeit?
  • Ist ein seriöses Impressum zu finden?

Das Ziel sollte nicht darin formuliert sein, möglichst viele Hunde nach Deutschland einzuführen, sondern im Herkunftsland der Hunde aktiv für nachhaltigen Tierschutz einzutreten.

Welpen – ein schmaler Grat

In Süd- und Osteuropa sitzen Tausende Junghunde und Welpen auf der Straße oder werden dort geboren. Finden sich allerdings auf der Homepage eines Tierschutzvereins fast ausschließlich sehr junge Hunde zur Vermittlung, ist Vorsicht angesagt. Es kann ein Zeichen für unseriöse Vermittlung oder sogar Handel sein, muss aber nicht. Manchmal gibt es regelrechte Welpen-Schwemmen und da die Welpensterblichkeit oft hoch ist, versuchen Vereine, die Tiere möglichst schnell zu vermitteln, um ihnen einen guten Start ins Leben zu bieten. Da sich aber vor allem junge Tiere besonders gut vermitteln lassen, nutzen unseriöse Vereine Welpen, um schnell an „Schutzgebühren“ zu kommen.

Eine verantwortungsvolle Tierschutzorganisation hat auf Nachfragen zum Thema Welpen plausible Antworten parat und gibt gerne ausführlich Auskunft.

Das Spiel mit Emotionen

Vorsicht bei Tierschützern, die haufenweise grauenhafte Bilder von gequälten Tieren ins Netz stellen oder enormen Druck ausüben, ein Tier vor dem Tod zu retten. Nach dem Motto: „Heute noch bei Facebook, morgen schon tot.“ Hinter diesen Aktionen steht nicht unbedingt unseriöser Handel, sondern oft der verzweifelte Wunsch zu helfen. Doch gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Eine seriöse Vermittlung mit veterinärmedizinischer Betreuung und Abgleich von Interessen Hund/zukünftiger Halter ist bei dieser Art von „Rettung“ meist nicht gegeben. Denn was passiert, wenn der Hund ankommt und es passt nicht? Wohin dann mit dem Tier?
 

Um solche Szenarien zu vermeiden, gibt es eine Checkliste für die seriöse Auslandsvermittlung:

  • Der Schutzvertrag sichert den Tierschutzverein und den neuen Besitzer ab. Darin wird festgehalten, dass der Hund jederzeit vom Verein zurückgenommen wird, aber auch, dass er nicht an Dritte weitergegeben werden darf. 

  • Die Schutzgebühr: Kastration, Impfung, Betreuung, die Behandlung kranker Tiere und auch der Transport kosten den Tierschutzverein Geld. Die Schutzgebühr deckt diese Kosten und im Idealfall fließt auch noch Geld zurück in die direkte Hilfe an Ort und Stelle im Herkunftsland.  Der Betrag der Schutzgebühr kann variieren, Summen zwischen 300 und 600 Euro sind normal. Fällt die verlangte Schutzgebühr höher aus, einfach nachfragen. Transparenz ist hier das Stichwort!

  • Impfschutz: Jeder Hund braucht eine Grund-Immunisierung vom Tierarzt, auch Auslandshunde, die nach Deutschland einreisen. Neben der vorgeschriebenen Tollwut-Impfung bei Tieren, die aus EU-Ländern stammen, zählen Impfungen gegen Zwingerhusten, Staupe, Hepatitis, Parvovirose, und Leptospirose dazu. Fehlt eine Impfung, ist das nicht unbedingt sofort ein Anhaltspunkt für unseriösen Tierschutz – nicht in jedem EU-Land wird gegen die gleichen Krankheiten geimpft. Am besten einfach nachfragen.

  • Parasiten: Der Hund sollte vor der Vermittlung entfloht, entwurmt und auf Giardien getestet sein. Auch eine Untersuchung auf Herzwürmer ist sinnvoll.

  • Chip: Jeder Hund muss mit einem Transponder gekennzeichnet werden, der mit einer Spritze beim Tierarzt unter die Haut gesetzt wird. Nur so lässt sich das einzelne Tier seinen Papieren zuordnen. Achtung: Bei einem Besitzerwechsel wird die Nummer nicht automatisch bei einem Haustierregister dem neuen Halter zugeordnet. Der neue Besitzer muss selbst für die Registrierung auf die neue Adresse sorgen, übrigens auch bei Umzug!

  • Kastration… ist im seriösen Tierschutz das Mittel gegen ungewollte Vermehrung und gegen Ausbeutung durch Zucht.

  • Einführung mit TRACES: Seriöse Tierschutzvereine importieren ihre Hunde mit TRACES-Papieren. TRACES ist eine einheitliche, europaweite Datenbank, mit der die Tiertransporte innerhalb der Europäischen Union und aus Drittländern verfolgt werden können. Die Informationen werden elektronisch an die Veterinärbehörden der jeweiligen Länder übermittelt. Heißt: Alle Transporte sind angemeldet, inklusive genauer Route und Zwischenstopps. Die Tiere werden vor der Ausreise aus dem Herkunftsland tierärztlich durchgecheckt und für reisetauglich befunden. Mit TRACES soll unseriösem Handel, tierschutzwidrigen Transportbedingungen, sowie der Einschleppung von Seuchen und Krankheiten entgegengewirkt werden.

  • Vorkontrolle und Nachkontrolle: Verantwortungsvolle Tierschützer möchten nicht nur wissen, wo ihre Schützlinge landen, sondern auch, wie es ihnen nach der Vermittlung ergeht. Deshalb wird eine Vorkontrolle im neuen Zuhause gemacht. Je nachdem, wo der Verein ansässig ist, kann es vorkommen, dass Ehrenamtliche eines befreundeten Tierschutzvereins die Kontrollen übernehmen. Bei der Vorkontrolle sollte es hauptsächlich darum gehen, ob Hund und Halter zusammenpassen und ob die Umgebung und Haltungsbedingungen für den jeweiligen Hund geeignet sind. Bei der Nachkontrolle überzeugen sich die Tierschützer, ob die Vermittlung zur Zufriedenheit aller Beteiligten geklappt hat.

Autorin: Katja Diepenbruck

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