Wundertüte Auslandshund? - Die Zeit vor und nach der Vermittlung

Stand: 25.09.2014, 11:30 Uhr

Einen Hund, der im städtischen Tierheim sitzt, kann man in Ruhe kennenlernen, ihn mehrmals besuchen und zum Spazierengehen abholen, bevor man sich für ihn entscheidet. Die Dinge liegen anders, aber nicht besser oder schlechter, wenn der Hund direkt aus dem Ausland kommt. Wir  stellen zwei Wege vor, wie der Auslandshund in sein neues Zuhause findet und geben Tipps für die erste Zeit im neuen Zuhause.

Vermittlung von der Pflegestelle

Viele Tierschutzvereine arbeiten mit Pflegestellen, die dem Hund vorübergehend eine Bleibe in den eigenen vier Wänden bieten. Hier kann der Hund besucht werden und man erfährt aus erster Hand, wie das Tier sich im Alltag verhält. Der Vorteil: Der Hund erlebt hier schon vor dem Einzug in sein endgültiges Zuhause ein häusliches Umfeld, das er eventuell noch nie hatte. Aber auch beim Besuch auf der Pflegestelle gilt: Augen auf! Stimmt die Hygiene? Leben nicht zu viele Hunde unter einem Dach? Ist die Stimmung unter den Tieren friedlich? Sehen sie gesund aus?

Vermittlung ohne Zwischenstopp       

Andere Vereine oder Organisationen vermitteln ihre Hunde nicht über Pflegestellen, sondern direkt in das neue Zuhause. Der Kontakt zu den Tierschützern im Herkunftsland muss bei dieser Version so rege und ausführlich sein, dass vorab so viel wie möglich über den Hund in Erfahrung gebracht werden kann.

Hier ist auch die Frage vorab zu klären: Wohin mit dem Hund, falls sich später herausstellt, dass Hund und Mensch nicht zusammenpassen? Für diesen Fall sollte der Verein in Deutschland beratend zur Seite stehen und helfen nach Lösungen zu suchen. Im Notfall sollten Plätze zur Verfügung stehen, die diesen Hund dann aufnehmen. Ein Thema, dass vor der Ankunft besprochen werden sollte.

Ängstlicher Auslandshund?

Viele Hunde aus dem Ausland verhalten sich oft ängstlich. Hierbei ist eine ganz wichtige Unterscheidung zu machen, die oft verwechselt wird: Hat der Hund tatsächlich Angst oder zeigt er nur starke Unsicherheiten bei Menschen oder in Situationen, die er nicht einordnen kann. Unsichere  Hunde brauchen  Zeit und Geduld, bis sie sich  an ein Leben in Deutschland gewöhnen.

Allerdings gibt es auch  extrem traumatisierte Tiere, oder Hunde, die noch nie wirklich Kontakt zu Menschen hatten. Wirkliche „Angsthunde“  gehören -wenn überhaupt - nur in die Hände von Experten. Ein Angsthund ist sicherlich nicht der richtige Kandidat für jemanden, der einen unkomplizierten Familienhund zum sofortigen Durchstarten sucht. Ist ein Hund als Angstkandidat ausgeschrieben, ist es ratsam, diesen nur nach einer Vorabbesichtigung zu sich zu nehmen, sprich nach mehreren Besuchen auf einer kompetenten Pflegestelle. Im Zweifelsfall: Einen guten Hundetrainer zu Rate ziehen.

Unsicherheit im neuen Alltag

Viele Hunde, die als Angsthunde deklariert werden, entpuppen sich bei genauerem Hinsehen oft als sehr unsicher. Die meisten haben gelernt, Menschen zu meiden weil sie schlechte Erfahrungen jedweder Art gemacht haben. Solche Hunde zeigen sich bei Menschenkontakt oder in anderen unbekannten Situationen oft schlichtweg stark verunsichert. Sie ducken sich, laufen weg, vermeiden Berührung und Blickkontakt.

Und ein eigenes Zuhause, Räume, Treppen, ja manchmal sogar Wassernäpfe und vor allem Menschen, die sie andauernd angucken, sie knuddeln wollen, mit ihnen an der Leine in einer völlig fremden Welt gesittet umher spazieren wollen – all das ist vielen Auslandshunden, vor allem jungen Hunden, oftmals vollkommen fremd.

Nicht selten passiert es, dass sich unsichere Hunde in einer Panikattacke aus Leine und Geschirr herauswinden und flüchten. Die meisten dieser Hunde tauchen in eine Welt ein, die sie zunächst überhaupt nicht einordnen können, sie kennen nichts. Manche Tiere brauchen nur wenige Tage um sich anzupassen, andere Wochen, manche sogar einige Monate, um richtig anzukommen und sich fallen zu lassen.

Tipps für die ersten Tage mit dem (Auslands-) Hund

  • Spazierengehen:  Haben Sie einen unsicheren Hund, treffen Sie Sicherheitsvorkehrungen: In den ersten Monaten nur mit Leine und Geschirr mit doppelter Sicherung spazieren gehen. Oder ein sogenanntes Sicherheitsgeschirr kaufen, welches einen dritten Gurt hat und ein Herauswinden unmöglich macht.

Tipp: Verlassen Sie sich bei der Länge des Spaziergangs auf Ihr Bauchgefühl. Bewegung ist immer gut und wichtig. Ist der Hund gesund, braucht er nicht geschont werden. Marathonläufe von zwei bis drei Stunden sollten am Anfang jedoch erst einmal zurückgestellt werden.

  • Stubenreinheit: Da der Hund es eventuell noch gar nicht kennt, in geschlossenen Räumen zu leben, kann in den ersten Tagen hier oder da ein Malheur passieren. Strafen Sie Ihren unwissenden Hund nicht, sondern gehen Sie direkt vor die Tür. Meist wird das Prinzip rasch verstanden.
  • Futter: Erkundigen Sie sich beim Tierschutzverein, was für eine Art von Futter der Hund bisher bekam. Meist wird zwar gefüttert, was gerade da ist, aber es soll schon Fälle gegeben haben, in denen ehemalige Italiener erst gefressen haben, nachdem man ihnen ein bisschen Pasta unterjubelte…

Tipp: Egal wie sehr Sie sich um gute Ernährung bemühen – Verdauungsprobleme aufgrund der Aufregung und der Futterumstellung sind meistens vorprogrammiert. Decken Sie wertvolle Teppiche nachts mit alten Lappen ab und gehen Sie lieber einmal zu viel mit dem Hund vor die Tür als einmal zu wenig. Oft tritt ein eventueller Durchfall zeitverzögert auf – wähnen Sie sich nach drei Tagen besser noch nicht in Sicherheit.

  • Waschen Sie Ihren Neuankömmling nicht, so unangenehm er auch riechen mag! Zum einen müssen auch Hunde eine Klimaveränderung erst einmal wegstecken, zum anderen ist der Stress, der für den Hund bei einer Bade-Aktion entsteht, in den ersten Tagen kontraproduktiv für den Vertrauensaufbau zur neuen Familie.
  • Alleinelassen: Tasten Sie sich vorsichtig heran, ohne Unsicherheiten zu zeigen. Versuchen Sie Ihr Glück und gehen fünf Minuten kommentarlos aus dem Haus. Schuhe vorher in Sicherheit bringen!
  • Kulturschock: Schonen Sie Ihr neues Familienmitglied nach den ersten Tagen der Eingewöhnung nicht zu sehr. Ein ruhiges Heranführen an das Alltagsleben mit all seinen aufregenden Situationen ist sinnvoll. Wenn Sie natürlich bleiben und sich normal verhalten wird Ihr neuer Hund sich an Ihnen orientieren und zusehends gelassener werden.

Tipp: Hunde, die nicht viel kennengelernt haben, scheuen sich vor glatten Bodenbelägen, in denen sich die Schatten spiegeln und laufen darüber wie auf Eiern. Knipsen Sie das Licht aus – und der Hund kann plötzlich wieder laufen!

Autorin: Katja Diepenbruck

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