FROM HERE – 40 Jahre NEW MODEL ARMY

FROM HERE - 40 Jahre NEW MODEL ARMY Rockpalast 21.12.2020 59:05 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Dokumentation von Oliver Schwabe

FROM HERE – 40 Jahre NEW MODEL ARMY

FROM HERE – 40 Jahre NEW MODEL ARMY feiert eine Band, die sich nicht nur treu geblieben ist, sondern auch 40 Jahre nach Gründung immer noch in der Lage ist zu begeistern und mitzureißen - ohne kommerziellen Zugeständnissen zu erliegen oder die eigene Haltung zu verlieren. Justin Sullivan und seine Band New Model Army sind damit nicht nur ein bisschen altmodisch und somit sehr sympathisch, sondern die Band ist einfach Kult.

Seit 40 Jahren ist Justin Sullivan, als letztes Gründungsmitglied und Kopf der Band New Model Army schon auf den Bühnen von Clubs und Festivals unterwegs und schwenkt trotzig entgegen aller Trends die Independent-Fahne in die Höhe. Wie kaum eine andere Band stehen New Model Army für feinsinnige und aufrüttelnde Statements über Ungerechtigkeiten und Politik, die sie in ein musikalisches Gewand aus Zorn und Melancholie verpacken. Genau das beschert den Briten aus Bradford, Yorkshire weltweit eine stetig wachsende und vor allem unglaublich treue Anhängerschaft, die sich „the family“ nennt.

New Model Army sollten eigentlich nur einen einzigen Auftritt spielen

Eigentlich plante Sänger und Gitarrist Justin Sullivan New Model Army nur für einen Auftritt zusammenzustellen, um die Band dann sofort wieder aufzulösen. Das war 1980 im nordenglischen Bradford. Doch die positive Resonanz des Publikums ermutigten Sullivan, Stuart Morrow und Robert Heaton weiter zu machen.

1983 erscheint auf dem Independent-Label „Abstract“ die erste Single „Bittersweet“, wenig später folgt mit „Venegeance“ das erste Album. Von Anfang an schart die Band eine eingefleischte Fangemeinschaft um sich, die zu den Konzerten der Band teilweise durch das halbe Land reist.

Bonusmaterial: FROM HERE - 40 Jahre NEW MODEL ARMY Rockpalast 21.12.2020 13:22 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

New Model Army komponieren Hymnen, die ein linkes, alternatives Publikum begeistern, aber bei der breiten Masse auf Unverständnis stoßen und vom Mainstream-Radio ignoriert werden. Die USA verweigern New Model Army sogar ein Arbeits-Visum wegen „mangelndem künstlerischen Potential“. Sullivan revanchiert sich später mit dem Song „51st State“, der Amerika als moderne Kolonialmacht bezeichnet und Großbritannien als seinen 51. Bundesstaat.

1985 wechseln New Model Army zum Major-Label EMI und veröffentlichen dort ihr zweites Album „No Rest For The Wicked“. Das ständige Touren der Band macht sie einem immer größeren Publikum bekannt und jeder in den späten Achtzigern an Independent Musik Interessierte wird irgendwie von New Model Army mitsozialisiert.

Das dritte Album der Band „Thunder and Consolation“ enthält 1989 gleich mehrere Hymnen und Hits, wie „Stupid Questions“, „Green And Grey“ und „Vagabonds“, den größten Hit der Gruppe. Die Briten sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Sullivan sieht Chartplatzierungen als Betriebsunfall

Bis heute sind 15 Alben der Band erschienen, trotz einiger Umbesetzungen in der Band hält der mittlerweile 64-jährige Frontman Justin Sullivan das Schiff auf Kurs. Er ist der Chefideologe, das Gesicht und die Stimme von New Model Army und er ist der Garant für die seit Jahrzehnten bewährte Melange aus Indierock, Folk und keltischer Ballade. Justin Sullivan ist ein hoffnungsloser Rock-Romantiker: Er lebt, was er singt und singt, was er lebt. New Model Army haben ihre kommerziellen Erfolge Ende der 80er Jahre als ideologisches Problem gesehen – die Band will nicht Teil des Mainstreams sein. Sullivan sieht die Chartplatzierungen dieser Zeit als Betriebsunfall:

„Wir waren kurz davor, eine richtig große Band zu werden. Aber wir sind es nie geworden. Einfach, weil wir nicht wollten. Die Leute fragen immer, was da schiefgelaufen sei. Und ich kann nur sagen: „Ich finde eher, dass wir vieles richtig gemacht haben.“ In dem Sinne, dass wir immer noch hier sind. Wir können machen, was wir wollen, wann wir wollen, wie wir wollen. Besser kann es gar nicht sein. OK, wir hätten mehr Alben und Konzert-Tickets verkaufen können, na und? Das macht doch keinen Unterschied.“ – Justin Sullivan