Kopfüber in die 60er Jahre: Kartoffeln und Karriere

Eine junge Frau steht mit einer älteren Frau im Hausflur, beide haben Einkäufe im Arm

Kopfüber in die 60er Jahre: Kartoffeln und Karriere

Die 60er Jahre: Da denkt man an Wirtschaftswunder und Vollbeschäftigung, an die Hausfrau und den Babyboom, an unverheiratete Fräuleins und schicke Hochfrisuren, an Studentenrevolte und den Pillenknick. Die 60er Jahre sind der Wendepunkt zwischen Pief und Pop und der Startschuss zum gesellschaftlichen Aufbruch.

Für Cathrin Leopold, Jahrgang 1976, eine Zeit, die lange vorbei ist und die sie selbst nur aus Erzählungen ihrer Eltern kennt. Sie will sie kennenlernen und nimmt uns mit auf ihre aufregende und amüsante Zeitreise. Sie lässt die große Politik links liegen und rückt mit ihren neugierigen Fragen denen zu Leibe, die die 60er hautnah erlebt haben.

Märkte der Zukunft

Ein älteres Ehepaar und eine junge Frau stehen mit Einkaufswagen in einem Supermarkt-Gang

Den richtigen Riecher gehabt: Die Reckers setzten in den 60er Jahren auf die neuen Selbstbedienungsläden - heute haben sie vier eigene Märkte.

Fast 30.000 Tante-Emma-Läden machten in den 60er Jahren dicht. Als kleiner Junge bediente Josef Recker noch im kleinen Laden seiner Eltern, doch ihm war schnell klar, dass die Zukunft den Supermärkten gehört. Die alte Scheune neben dem Wohnhaus verwandelten er und seine Frau in ihren ersten Selbstbedienungsladen. Heute hat Josef Recker vier eigene Märkte, die von ihm und seinen Söhnen geführt werden.

Hausfrau - ein Vollzeit-Beruf

Ein ältere und eine junge Frau stehen in der Küche am Herd

Der Küchen-Klassiker aus den 60ern: Annemarie Winter kocht für Cathrin Leopold einen Gemüse-Eintopf. Fleisch war damals noch Luxus.

Annemarie Winter aus Essen heiratete mit 21 Jahren. Dass zu einer Ehe auch Kinder gehörten, war selbstverständlich. Doch wie Familienplanung geht, wussten viele nicht. Sie bekam fünf Kinder und hatt - unaufgeklärt wie viele damals - keine Vorstellung davon, wie die überhaupt entstanden waren. Die sparsame Hausfrau kocht für Cathrin Leopold einen typischen 60er-Jahre-Eintopf und plaudert beim Kartoffelnschälen über ihr Leben, in dem sie sich als Ehefrau selbstverständlich ihrem Manne unterordnete.

Eigenheim, Glück allein

Zwei ältere Frauen stehen mit einer jüngeren Frau am Gratenzaun, im Hintergrund ein Reihenhaus

Cathrin Leopold besucht Ria Weinen (2.v.l.) und Else Mikut (r) in ihrem Reihenhaus in der Bocholter Giethorst-Siedlung.

Ria Weinen und Else Mikut zogen mit ihren Männern in die Bocholter Giethorst-Siedlung. Endlich nicht mehr bei den Schwiegereltern in beengten Verhältnissen wohnen, endlich ein eigenes kleines Reich. Für sie war es eine Befreiung, auch wenn es bedeutete, jeden Pfennig drei Mal umzudrehen. Wie viele andere Frauen verdienten sie mit kleinen Jobs dazu.

Und Cathrin Leopold trifft Diplomingenieur Walter Holbach aus Bonn, der unbedingt noch einmal eine unbeschwerte Frankreichreise in seinem kleinen Fiat machen wollte, bevor er das geordnete Leben eines aufstrebenden Ingenieurs mit Frau und Kindern begann.

Eine aufregende Zeitreise

Cathrin Leopold lernt auf ihrer zweiteiligen Zeitreise kreuz und quer durch NRW zahlreiche sehr verschiedener Menschen aus den 60ern, den Hippie und die Hausfrau, den Studenten und die Anhalterin, den Bauern und den Kaufmann, den Ingenieur und den Gastarbeiter, die Friseurin und die junge Ehefrau im neuen Eigenheim kennen und sie taucht ein ins WDR-Archiv und die Fernsehwelt der 60er.

Ein Film von Cathrin Leopold und Lothar Schröder
Redaktion: Mathias Werth

Stand: 19.11.2019, 15:44

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