Was bedeutet die Amazonas-Synode für deutsche Katholiken?

Was bedeutet die Amazonas-Synode für deutsche Katholiken?

  • Amazonas-Synode mit Vorschlägen zur Priesterweihe
  • Ende des Zölibats eingeläutet?
  • Rolle der Frauen weiter unklar

Ja zu verheirateten Männern als Priester, erst einmal Nein zu Frauen als Diakoninnen: Das sind zwei der Positionen, die im Abschlussdokument zur Amazonas-Synode festgehalten sind. Drei Wochen lang haben 283 Theologen, Bischöfe und Kirchenoberen im Vatikan über die Situation der katholischen Kirche im Amazonas-Gebiet diskutiert - und wurden dabei sehr genau beobachtet von den Katholiken in Deutschland.

Warum war die Synode zu den Problemen in Südamerika für deutsche Katholiken so spannend?

Der Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerk Misereor, Pirmin Spiegel.

War auf der Synode: Pirmin Spiegel

"Die deutschen und die lateinamerikanischen Katholiken haben mit ähnlichen Sorgen zu kämpfen", sagt WDR-Religionsexperte Christoph Fleischmann. "Zum Beispiel, weil es wegen des Zölibats zu wenig Priester gibt."

Die Folgen hat Pirmin Spiegel, Geschäftsführer von "Misereor" und Teilnehmer der Synode, selbst erlebt: "In meiner Zeit in Brasilien habe ich 70 Gemeinden betreut, zu 80 Prozent wurden sie von Frauen geleitet." Ihre Rolle soll deswegen aufgewertet werden - wie es deutsche Katholikinnen auch fordern.

Die Synode hat mit einer großen Mehrheit dafür plädiert, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Ist das revolutionär?

"Hier ist ein großer Schritt in der Kirchengeschichte gegangen worden", sagt Misereor-Geschäftsführer Pirmin Spiegel. Dass die Frage für die ganze Weltkirche von Bedeutung ist, sei klar benannt worden. Aber: Das letzte Wort hat der Papst.

Dabei ist die Idee, "viri probati", also "bewährte Männer" zu weihen, nicht wirklich neu. Aber sie wird kaum umgesetzt. "Die Kirche arbeitet eher mit Ausnahmeregelungen", sagt WDR-Experte Fleischmann.

Christoph Fleischmann - Portrait

WDR-Religionsexperte: Christoph Fleischmann - Moderation

Ein verheirateter evangelischer Pfarrer zum Beispiel darf verheiratet bleiben, wenn er zum Katholizismus konvertiert. "Aber wenn es immer mehr Ausnahmen gibt, werden sie vielleicht irgendwann die Regel."

Ist damit das Ende des Zölibats näher gerückt?

Nein, glaubt Religionsexperte Christoph Fleischmann. "Das kratzt erst einmal nicht daran." Auch Misereor-Geschäftsführer Pirmin Spiegel sagt: "Das Zölibat wird nicht beendet, es bleibt eine begehrte Lebensform für viele Tausende Priester."

Der Papst will prüfen, ob Frauen in Amazonien geweiht werden dürfen. Können auch katholische Frauen hier darauf hoffen?

Noch ist es für eine Antwort zu früh. Das Thema wird zwar lange diskutiert, auch im Vatikan. "Aber die Kommissionen haben bisher unentschieden bis verhalten negativ reagiert", so Fleischmann. Es wurde aber so oft angesprochen, dass der Papst weitere Diskussionen will. "Das ist zum wiederholten Mal ein neuer Versuch."

Die Amazonas-Synode im Vatikan: Weitere Infos

Stand: 27.10.2019, 16:46