Google Plus

Im Test: Googles soziales Netzwerk

Google Plus im Selbstversuch

Stand: 05.07.2011, 17:55 Uhr

Vor knapp einer Woche hat Google sein neues soziales Netzwerk gestartet. Eine Mischung aus viel Facebook, ein wenig Twitter und ein bisschen Skype. WDR.de hat Google Plus getestet und ist dort sehr vielen äußerst netzaffinen Leuten begegnet.

Von David Ohrndorf

Zurzeit ist Google Plus ein Netz für Nerds. Von meinen 270 Facebook-Freunden sind gerade einmal vier im neuen Google Netzwerk angemeldet, geschrieben hat aber noch keiner etwas. Richtig aktiv sind zurzeit vor allem die Vorturner der Netzgemeinde. Blogger wie Robert Basic oder Johnny Haeusler testen und posten regelmäßig im neuen Netzwerk. In gefühlten 90 Prozent der Beiträge geht es um Google Plus selbst.

Blogger Sascha Lobo, der auch schon viel zu dem Thema geschrieben hat, kommentierte die geringe Themenvielfalt am Montag (04.07.2011) selbstironisch: "Vorgestern gegen 14.50 Uhr soll hier angeblich ein Posting veröffentlicht worden sein, das inhaltlich nichts mit Google+ zu tun hatte. Kann das jemand bestätigen?"

Googles drittes soziales Netzwerk

Diesmal scheint Google einiges richtig gemacht zu haben. Nach "Wave", das niemand verstanden hat, und "Buzz", das sich mit seinen seltsamen Automatismen auch nicht durchsetzen konnte, gibt es nun also Google Plus (kurz: G+). Der dritte Versuch des Unternehmens ein soziales Netzwerk zu entwickeln. Wie schon bei früheren Entwicklungen wie beispielsweise Googlemail, wird versucht, einen Hype zu entfachen. Mitmachen darf im Moment nur, wer eingeladen wurde. Und die Nachfrage ist groß. In Blogkommentaren, bei Twitter und selbst bei Konkurrent Facebook tauchen derzeit viele Suchanfragen nach Einladungen auf.

Oberfläche erinnert an Facebook

Wer erst einmal drin ist, trifft auf eine bekannte Oberfläche: Drei Spalten und in der Mitte, im "Stream", erscheinen die Nachrichten der Kontakte. Das kennen wir von Facebook. Als Kontakt kann jeder andere Google Plus-Nutzer hinzugefügt werden, ohne dass derjenige eine "Freundschaftsanfrage" beantworten muss. Die Nachrichten, die der hinzugefügte Kontakt dann für alle freigibt, erscheinen automatisch im eigenen "Stream". Das kennen wir von Twitter. Über die "Hangout"-Funktion kann mit anderen Nutzern eine Unterhaltung per Webcam gestartet werden. Das kennen wir von Skype. Der bei Google Plus eingebaute Textnachrichten-Dienst fürs Handy funktioniert wie die Smartphone-App"Whatsapp" und die Darstellung eigener und fremder Bilder erinnert teilweise an Flickr.

Viele Details verbessert

Besonders innovative neue Funktionen bietet Google Plus zurzeit nicht. Es fällt allerdings auf, dass viele Dinge im Detail eleganter umgesetzt wurden als bei der Konkurrenz. So können Statusmeldungen jederzeit überarbeitet werden, beispielsweise um Tippfehler zu korrigieren. Wer den "Stream" im Browser geöffnet hat, sieht "live", wenn neue Meldungen oder Kommentare gepostet werden. Die Beiträge werden sofort angezeigt. Im eingebauten Chat können ganz einfach auch Dateien übertragen werden. Fotos werden deutlich größer als bei Facebook angezeigt und es gibt einige rudimentäre Bildbearbeitungsfunktionen. So können Fotos beispielsweise nachträglich mit Filtern bearbeitet oder der Kontrast optimiert werden.

Pflicht bei Google Plus: Kontaktverwaltung

Facebook und Google Plus gehen unterschiedlich mit der Frage um, wer eine Statusmeldung oder ein Foto zu sehen bekommt. Während bei Facebook mit den Standardeinstellungen eine Veröffentlichung für alle zu sehen ist, geht bei Google nichts ohne sogenannte Kreise. Hier können die Kontakte in spezielle individuell festlegbare Gruppen eingeteilt werden (also zum Beispiel: Freunde, Kollegen, Sportverein). Bei Facebook ist das optional möglich, bei Google Plus ist die Kontaktverwaltung Pflicht.

Wenn man einen neuen Kontakt hinzufügt, muss dieser auch gleich einem Freundeskreis zugeordnet werden. Außerdem wird bei jeder Statusmeldung abgefragt, für welche Kreise sie gedacht ist. Das klingt etwas kompliziert, ist aber in der Praxis einfach und macht bei jeder Veröffentlichung ganz klar, wer sie zu lesen bekommt. Sicher ist: Google"liest" die Nachricht auch und wird sie zur Datensammlung über den Nutzer hinzufügen. Wie schon bei anderen Angeboten beteuert Google, die Daten nicht zu verkaufen, sondern lediglich zur Verbesserung der eigenen Dienste und Werbeeinblendungen zu verwenden.

Noch keine Spiele

Google Plus wird sich mit Sicherheit in den kommenden Wochen noch weiterentwickeln. Zurzeit gibt es noch keine Landwirtschaftsspiele und auch eine Funktion für öffentliche Partyeinladungen ist noch nicht implementiert. Das Blog "Engadget" berichtet aber darüber, dass im Quellcode von Google Plus Hinweise darauf zu finden seien, dass in Zukunft auch Spiele angeboten werden. Bleibt die spannende Frage, ob es Google Plus gelingt, so viele "Normalo"-Nutzer zu überzeugen, dass es wirklich ein vollwertiges Soziales Netzwerk ergibt und nicht als Nerd-Treff endet.