Fahndungspanne nach Duisburger Mafia-Morden?

Montage: Kreuz auf einer Wiese, Fadenkreuz über den Umrissen von Deutschland

Ringalarmfahndung war offenbar unvollständig

Fahndungspanne nach Duisburger Mafia-Morden?

Von Stephanie Hajdamowicz und Michael Jung

Bei der Suche nach den Mafiamördern von Duisburg vor einem Jahr hat es offenbar eine Fahndungspanne gegeben. Nach WDR-Informationen sollen die Straßen bei der Ringalarmfahndung kurz nach der Tat nur unvollständig überprüft worden sein.

Der Tatort am frühen Morgen des 15. August 2007: Es dauert nur wenige Minuten, bis die Polizei das Gelände am Hauptbahnhof weiträumig abgesperrt hat, um Spuren zu sichern. Gleichzeitig wird eine Ringalarmfahndung ausgelöst: In einem 30-Kilometer-Radius um den Tatort postiert sich die Polizei an den wichtigsten Straßen und Autobahnen. Sechs Polizeibehörden sind im Einsatz. Der Ablauf ist einstudiert und bekannt.

Fehlende Kontroll-Listen

"Eine Vielzahl von Polizeibeamten hat an vorher festgelegten Punkten gestanden, beobachtet und die Erkenntnisse aufgeschrieben", sagt Holger Haufmann, Kriminaldirektor bei der Duisburger Polizei. Doch ganz so gründlich waren offenbar nicht alle Beamten, zum Beispiel an den Autobahnen rund um Duisburg: Statt einer vollständigen Liste liefern sie die Ausrede, die Autos seien zu schnell gefahren, um Kennzeichen zu notieren.

Dem WDR liegt ein polizeiinterner Bericht vom 21. November 2007 vor. Darin heißt es: "Bei der Auswertung ... war festzustellen, dass an einer Vielzahl von Ringpunkten keine Kontroll-Listen gefertigt wurden." Demnach " ... war dies ... an 27 ... Kontrollpunkten der Fall."

Löchriges Fahndungsnetz

Was der Bericht sagt: Das Netz in der Tatnacht war mehr als löchrig. Eine Tatsache, die in Polizeikreisen für Empörung sorgt: "Wenn tatsächlich an so vielen Kontrollstellen keine Listen geführt worden sind, dann muss man wohl von einer ziemlich massiven Fahndungspanne ausgehen", meint Wilfried Albishausen, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter.

Auf dem Video einer Überwachungskamera identifizierte die Polizei später das Auto des Tatverdächtigen Giovanni S.. Bei vollständiger Ringfahndung hätten die Ermittler Informationen darüber gewinnen können, in welche Richtung er geflüchtet war. Albishausen: "Die Täter müssen mit ihrem Fahrzeug eine solche Kontrollstelle passieren. Die Ringalarmfahndung liefert üblicherweise wertvolle Informationen in Sachen Alibi und Täteridentifizierung."

Innenausschuss: Fahndung "im normalen Bereich"

Die Duisburger Mafia-Morde und mögliche Fahndungspannen waren am Donnerstag (14.08.2008) auch Thema im Innenausschuss des NRW-Landtags. Vertreter des Innenministeriums mussten einräumen, dass 27 Kontrolllisten fehlen. Von einer Fahndungspanne wollten sie jedoch nicht sprechen. An manchen Straßen seien möglicherweise gar keine Autos gefahren. Immerhin seien an 51 Stellen Kennzeichen notiert worden.

Empört reagierte dagegen die Opposition. "Ich denke, wenn man so ein Instrument wie die Ringfahndung einsetzt, dann sollte es auch ganz und nicht halb genutzt werden", so Monika Düker, innenpolitische Sprecherin der Grünen, gegenüber dem WDR. Ihr Kollege Karsten Rudolph von der SPD klagte, dass NRW-Innenminister Ingo Wolf die seit neun Monaten bekannte Panne bis zum Erscheinen des WDR-Berichts "verheimlicht" habe: "Das deutet darauf hin, dass diejenigen, die die Ringalarmfahndung zu verantworten haben, sich mit ihren schwachen Ergebnissen verstecken möchten."

Stand: 14.08.2008, 18:33