Abwahlverfahren in Duisburg naht

Adolf Sauerland mit gesenktem Blick fasst sich mit der Hand ans Kinn

OB Sauerland: Doch ein bisschen Wahlkampf

Abwahlverfahren in Duisburg naht

Von Andreas Poulakos

Anders als zunächst angekündigt, hat Adolf Sauerland doch für seinen Verbleib im Amt geworben. Er blieb jedoch bei seiner Aussage, keinen echten Wahlkampf machen zu wollen.

"Keine Experimente!" und "Zukunft gestalten" steht auf den bunten Broschüren, die der Duisburger OB kurz vor der Wahl am 12. Februar am Dienstag (24.01.2012) bei einer Pressekonferenz vorstellte. Sauerland verweist darin auf die zahlreichen Erfolge seiner Amtszeit, mit denen der "jahrzehntelange Stillstand und Verfall" der Stadt aufgehalten worden sei. Die Ursache der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten sei bis heute nicht geklärt. Die Stadtverwaltung mit ihm an der Spitze hätte alles für einen sicheren Ablauf getan, "soweit wir das beeinflussen konnten". Ihn persönlich habe das Unglück schockiert und "in den Grundfesten erschüttert". Er bitte um Verständnis, dass er deshalb in den ersten Tagen nach der Loveparade oft "unglücklich agiert" habe.

Flyer nur für Parteimitglieder?

Bei der Vorstellung der Broschüre betonte Sauerland, er stehe zu seiner ursprünglichen Ankündigung, keinerlei Wahlkampf machen zu wollen. Die Broschüre sei nur in einer Kleinstauflage erschienen, die vornehmlich an CDU-Mitglieder verteilt werden soll. Interessierte Bürger können sie allerdings auf der Homepage der CDU Duisburg oder der neu gestalteten Homepage "adolf-sauerland.de" abrufen. Er erneuerte seine Kritik am Abwahlverfahren, das er als "SPD-gesteuert" einschätzte. Trotzdem wolle er seine Stimme abgeben, "aus persönlichen Gründen".

Aufruf zum Wahlboykott

Sauerlands Gang an die Öffentlichkeit kommt überraschend: Zuletzt hatte er sich im Dezember im "Focus" zum Abwahlverfahren geäußert und dieses als eine "Mogelpackung" bezeichnet. Mehrere Vertreter der CDU Duisburg hatten zudem öffentlich empfohlen, nicht an der Abstimmung teilzunehmen und sie damit scheitern zu lassen. Mindestens ein Viertel der Duisburger Wahlberechtigten, rund 92.000, müssen für die Abwahl von Sauerland stimmen. Sonst bleibt der OB bis 2015 im Amt.

Keine Informationen zur Wahlbeteiligung

Schon seit Donnerstag (12.01.2012) können die Bürger per Brief oder persönlich bei den Bezirksämtern ihre Stimme abgeben. Wie hoch die Wahlbeteiligung bisher ausgefallen ist, dazu gibt es im Rathaus keinen Kommentar. "Das hat juristische Gründe", sagt Pressesprecher Josip Sosic. "Die Bekanntgabe von Zwischenständen könnte die Wahl unzulässig beeinflussen." "Die CDU spekuliert ganz klar auf eine geringe Wahlbeteiligung", sagt Theo Steegmann von der Bürgerinitiative "Neuanfang für Duisburg". "Es ist schon bezeichnend, wenn führende CDU-Politiker ganz offen zum Boykott einer demokratischen Wahl aufrufen." Die Initiative hatte im vergangenen Jahr fast 80.000 Unterschriften für eine Abwahl des Stadtoberhaupts gesammelt und so den Bürgerentscheid ermöglicht.

Stand: 24.01.2012, 16:11