Ramadan feiern wie in Istanbul

Durch hohe Tore in Steinoptik mit der Aufschrift" Istanbul" gelangen Besucher zum Dortmunder Ramadanfest.

Türkisches Familienfest in Dortmund

Ramadan feiern wie in Istanbul

Von Lis Kannenberg

Das "Festi Ramazan" in Dortmund ist nach Veranstalterangaben das größte Fest zum Ramadan in Europa. Vorbild ist das "Sultanahmet-Fest" in Istanbul. Bis 19. August werden 400.000 Besucher in NRW für den Kurztrip in den Orient erwartet.

Das Zirpen der Grillen vermischt sich mit den Trommelschlägen einer Folklore-Gruppe. Wer durch den Dortmunder Fredenbaumpark zum Kirmesplatz läuft, fühlt sich mit jedem Schritt dem Orient näher. Fröhlich drehen dort muslimische Familien ihre Runden durch eine weiße Zeltstadt. Es gibt 130 Stände mit Gemüse, Kunsthandwerk, Kleidung, zuckersüßen Leckereien und auch einen Fotografen, der seine Kunden in Sultans-Tracht ablichtet. "Bei uns steht die Kultur im Mittelpunkt und nicht die Religion", sagt Fatih Ilhan, einer der Organisatoren des ersten Dortmunder Ramadan-Festivals.

Warten auf den Sonnenuntergang

Fatih Ilhan, einer der Organisatoren des Dortmunder Ramadanfestes 2012

Fatih Ilhan, einer der Organisatoren des Dortmunder Ramadanfestes 2012

Seit hunderten Jahren wird in Istanbul während des Fastenmonats das "Sultanahmet-Fest" gefeiert. Einen kleinen Ableger hat es nun im Ruhrgebiet. Wobei klein nicht ganz stimmt. Es soll das größte Fest dieser Art in Europa sein, mit 400.000 Besuchern an 30 Tagen. Die bekommen nicht nur ein Basar-Gefühl. Es gibt Kabarett-Abende und auch Diskussionsrunden über Bildung und Integration. "Am Wochenende kommen über den Tag verteilt etwa 20.000 Menschen zu uns", sagt Ilhan. Über die Gassen flanieren Großmütter in bodenlangem Mantel und Kopftuch genau so wie junge Familien mit Handy am Ohr. Wofür die meisten am frühen Abend noch keinen Blick übrig haben, sind die Stände der 24 Restaurants, die zum Teil extra aus der Türkei angereist sind. Gegessen und getrunken wird auch beim "Festi Ramazan" erst wieder nach Sonnenuntergang.

Ein Abend wie in Istanbul

Zwei Frauen lassen sich vor einer Fotowand fotografieren, die die Istanbuler Hagia Sophia zeigt.

Fotowand, sieht aber aus wie echt

Besucher Klaus-Peter und Edeltraut Marsen sind eine Ausnahme auf dem weitläufigen Festgelände: Sie sitzen auf einer Bank und essen Lahmacun, türkische Pizza, schon vor Sonnenuntergang. "Wir mögen die schöne Atmosphäre hier, fast wie Urlaub", sagen die beiden aus Altena. 60 Kilometer sind sie gefahren, für einen Abend wie in Istanbul. "Unsere Schwiegertochter ist Türkin. Die Familie ist jetzt in den Ferien in der Türkei und wir sind hier." Aus Rheine ist Derya Tasdemir mit ihrer Familie angereist: "Hier gibt es so viele tolle Sachen zu kaufen, die es bei uns zu Hause nicht gibt." Bunte Tücher und Süßigkeiten hat sie schon nach wenigen Minuten in ihren Tüten verstaut.

Der Nikolaus verteilt Ballons

Gefühlt haben 99 Prozent der Besucher türkische Wurzeln. Alle Durchsagen sind auf türkisch und selbst die Heliumballons verteilt ein Mann, der sich als "türkischer Nikolaus" vorstellt. Önder Mermerkaya steckt im grünen Mantel mit Turban und verkörpert Nazretin Hoça, einen gutmütigen rundlichen Alten, der Weisheiten im Stil eines Till Eulenspiegel unters Volk gebracht haben soll - und Kindern Geschenke bringt. Damit die Folienballons sich nicht selbstständig machen, ist Fatih Topcu dabei. Dass er nicht weit von duftenden frischen Sesamkringeln und Fleischspießen arbeitet, wo er doch seit fünf Uhr morgens nichts mehr gegessen hat, nimmt er mit einem Lächeln hin: "Dann ist das Abendessen eine noch größere Belohnung."

Promis und Kebap

Für Ablenkung ist gesorgt. Plötzlich strömt die Menge zu einer Bühne. Hunderte Hände halten Handys und Kameras hoch, um auf keinen Fall den Auftritt von Gürkan Uygur zu verpassen. Der Schauspieler spielt den Agenten Memati in der Kult-Fernsehserie "Kurtlar Vadis" (deutsch: Tal der Wölfe). Er plaudert mit dem Publikum, singt Lieder aus der Serie und knuddelt Kinder. Später gibt er dem türkischen Fernsehen noch ein Interview am Rande des Trubels.

Besucher des Dortmunder Ramadanfestes 2012 fotografieren den Auftritt des Schauspielers Gürkhan Uygun.

Gegen 20.30 Uhr wird es spürbar voller auf dem 30.000 Quadratmeter großen Gelände, draußen sind die Parkplätze schon lange knapp. Inzwischen ziehen intensive Rauchwolken von den Grills und Öfen über den Platz. Familien sichern sich die besten Plätze an den Biertischen, die Warteschlangen bei Kebap, Gözleme und Co. wachsen. "Es ist besser, sich etwas früher zu versorgen. Dann kann man gleich nach Sonnenuntergang essen", sagt Derya Tasdemir. Das ist beim Original-Ramadanfest in Istanbul nicht anders.

Stand: 11.08.2012, 06:00