Sitzung des Rates in Radevormwald

Pro NRW agiert gegen rumänische Familie

"Vorwürfe ohne jede Grundlage"

Stand: 14.08.2013, 11:15 Uhr

Eine Großfamilie aus Rumänien sorgt in Radevormwald für politische Diskussionen. Mitglieder der rechtsextremen Partei Pro NRW machen mit verschiedenen Flugblättern mobil gegen die Großfamilie. Am Dienstagabend (13.08.13) traf sich der Rat zu einer Sondersitzung.

Von Robert Franz

Die Besucherränge des Bürgersaals in Radevormwald sind gut gefüllt. Selten kommen so viele Menschen, um sich die Sitzung der Kommunalpolitiker anzusehen. Von denen haben es nicht alle zur Sondersitzung am Dienstagabend (13.08.2013) geschafft, weil sie unerreichbar im Urlaub sind. Bürgermeister Josef Korsten steht vorne am Rednerpult und arbeitet akribisch eine Liste ab. Es geht um Bürgerbeschwerden, die in den vergangenen Wochen in der Verwaltung eingegangen sind. "Selbstverständlich nehme ich die Sorgen der Menschen ernst", erklärt Korsten. Alle diese Beschwerden haben einen vermeintlich gemeinsamen Hintergrund: Eine Familie, die seit einigen Wochen in der oberbergischen Stadt im Stadtteil Dahlerau lebt.

Beschwerden aus der Nachbarschaft

Die Großfamilie kam aus Spanien, weil sie in Radevormwald ein komplettes Haus mieten konnte, in dem alle Mitglieder gemeinsam unter einem Dach leben können. Sie stammen aus Rumänien, sprechen neben Rumänisch bislang nur Spanisch und hatten damit innerhalb kürzester Zeit den Argwohn einiger Nachbarn auf sich gezogen.

Es soll nur wenige Tage gedauert haben, bis die ersten Anrufe in der Stadtverwaltung eingegangen seien. Spielzeug sei verschwunden, Unrat läge vor dem Haus und die Kinder spielten nachts auf einem nahegelegenen Sportplatz. Eine der Mitarbeiterinnen der Stadt spricht Rumänisch und so kommt sie mit den Familienmitgliedern ins Gespräch. Die Rumänen zeigen sich offen und lassen die Leute von der Stadt sogar in ihre Wohnungen schauen.

Rechtsextreme ergreifen Partei

Andere in Dahlerau wollen aber lieber über die Familie sprechen als mit ihr. Mitglieder der Partei Pro NRW werden auf die Situation aufmerksam: Sie machen mit verschiedenen Schreiben mobil gegen die Großfamilie. Der Stadt wirft die Partei Untätigkeit vor: "Arrogant werden Bürgerbeschwerden übersehen", schreibt Pro NRW in einer Stellungnahme auf ihrer Internetseite. Auch ist der Sprachgebrauch etwas seltsam. Statt von Bewohnern ist dort etwa von "Delinquenten" zu lesen. "Eine unverantwortliche Vorverurteilung", kritisiert der örtliche "Runde Tisch gegen Rechts". Pro NRW sieht sich dagegen bestätigt: "Ohne uns, wäre die Stadt nicht auf die Klagen der Anwohner eingegangen", so Fraktionsmitglied Udo Schäfer gegenüber WDR.de.

Dann folgt der Antrag der rechtsextremen Partei auf eine Sondersitzung des Rates, mitten in den Sommerferien. Nötig sei der, um "Maßnahmen zur Befriedung der nachbarschaftlichen Situation in Dahlerau" zu beschließen, so der Betreff des Antrags. "Ich vermute, das hängt auch mit der Bundestagswahl in wenigen Wochen zusammen", bewertet Bürgermeister Josef Korsten den Antrag. Längst nicht alle Anwohner machen Stimmung gegen die neuen Nachbarn. Man müsse sich an die neue Situation zwar gewöhnen, sagt ein Nachbar, "aber das ist nicht wirklich problematisch." Andere Bürger haben der Familie bereits Spielzeug für die Kinder geschenkt.

Bürgermeister: Vorwürfe ohne jede Grundlage

Auf die Sondersitzung, die an diesem Dienstagabend stattfindet, hat Josef Korsten sich gut vorbereitet. Er will die Beschwerden nicht einfach vom Tisch wischen, andererseits aber deutlich machen, dass Radevormwald eine tolerante, weltoffene Stadt ist. Dem Konflikt begegnet er mit nüchternen Fakten. Jeder einzelnen Beschwerde sind die Verwaltungsmitarbeiter nachgegangen, mit einem klaren Ergebnis: Die konkreten Vorwürfe gegen die Familie sind haltlos und sogar absurd. Missverständnisse konnten problemlos ausgeräumt werden, so der Bürgermeister.

Einige Zuschauer der Sitzung überrascht dieses Ergebnis nicht. So auch Michael Ruhland vom Runden Tisch gegen rechts. Dennoch: Die Sitzung des Rates hinterließ bei ihm kein gutes Gefühl. "Es ist traurig, dass es Pro NRW gelungen ist, den haltlosen Vorwürfen so eine Bedeutung zu verschaffen." Ob die Familie überhaupt in Radevormwald weiter wohnen kann, ist ungewiss. Der Vermieter soll ihnen gekündigt haben. Eine Begründung dafür gibt es nicht. Ungeachtet dessen will die Stadt der Großfamilie weiter helfen, etwa mit Sprachkursen. An denen sind die Familienmitglieder besonders interessiert.