Hanns Hartmann

Von 1947 bis 1955 Intendant des NWDR-Funkhauses Köln, anschließend bis 1961 Intendant des WDR

1955-1960

Hanns Hartmann

"Wie aber der Freund sich in der Not bewährt, so möchte der Westdeutsche Rundfunk auch in weniger guten Stunden Ihnen zur Seite sein mit dem Zuspruch, den das Erhabene und Schöne, die Kraft des Gedankens und die Macht der Kunst tröstend zu spenden wissen." - Hanns Hartmann

Johannes "Hanns" Alexander Hartmann war ein Kind des Ruhrgebiets. 1901 in Essen als Sohn eines Schlossers geboren, startete er nach abgebrochenem Abitur und einer kaufmännischen Lehre und Schauspielausbildung 1925 eine bemerkenswerte Theaterlaufbahn, als er Intendant des Hagener Stadttheaters und damit Deutschlands jüngster Theaterleiter wurde. 1929 erfolgte die Berufung auf die Generalintendanz der Städtischen Bühnen in Chemnitz. Obwohl er 1933 von den NS-Machthabern abgesetzt wurde, blieb Hartmann in Deutschland und weigerte sich, sich von seiner jüdischen Ehefrau, der Opernsängerin Ottilie Schwartzkopf, zu trennen. Beruflich konnte er als Verlagsdirektor der Edition Meisel ein Auskommen finden und der Verlag erhielt durch ihn ein zweites Standbein auf dem Gebiet der Bühnen- und Operettenliteratur.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hartmann die Intendanz des Metropol-Theaters im sowjetisch kontrollierten Sektor Berlins übertragen. Gleichzeitig wirkte er als Vorsitzender einer Entnazifizierungskommission für Kulturschaffende. Doch vor allem die britischen Kontrollbehörden hatten ein Auge auf den politisch integren Mann geworfen. Unter mysteriösen Umständen tauchten Hartmann und seine Frau in Berlin im Oktober 1946 unter, wechselten unter falschen Namen nach Frankfurt und kamen wenig später in die Hansestadt. Zunächst wurde Hartmann dort stellvertretender Leiter der NWDR-Rundfunkschule. Bald genoss Hartmann bei Hugh Carleton Greene großes Vertrauen und dieser wünschte sich Hartmann sogar als Generaldirektor des NWDR. Dieser Wunsch erfüllte sich jedoch nicht und Greene selbst übernahm den Posten.

Bei seiner neuen Aufgabe beim Kölner Sender zeigte Hartmann vor allem bei Personalentscheidungen eine glückliche Hand. Junge Talente wie die des Journalisten und Absolventen der Rundfunkschule Gerd Ruge brachte er gleich mit an den Rhein. Auf andere, sehr erfahrene und bereits profilierte Männer wurde er aufmerksam und verstand es, sie an den Sender zu binden, so etwa Werner Höfer, Hans-Otto Wesemann und Carl Linfert. Schließlich erkannte Hartmann die Potenziale, die im Kölner Funkhaus bereits vorhanden waren.

Dass dieser parteilose, aber keineswegs unpolitische Fachmann nach der Aufteilung des NWDR weiterhin die führende Rolle im Kölner Funkhaus spielen sollte, war zwischen allen in den Gremien der neuen Anstalt vertretenen Parteien unstrittig. So war es keine Überraschung, dass der Verwaltungsrat ihn am 25. Mai 1955 einstimmig zum ersten Intendanten des neuen WDR wählte und der Rundfunkrat diese Wahl mit 18 gegen 3 Stimmen bestätigte.

Viele Angehörige des Hauses sahen in ihrem Intendanten einen durchaus nicht immer bequemen "pater familias", respektierten aber uneingeschränkt seine fachliche und künstlerische Autorität. Die Fachwelt ist sich denn auch einig, dass Hartmanns 13-jähriges Wirken in Köln für den Westdeutschen Rundfunk ein Glücksfall war. Er hat dem Sender klare Strukturen und ein unverwechselbares Profil verliehen. Beides hat seine Amtszeit weit überdauert.

Dennoch zeigte sich am Ende von Hartmanns Amtszeit, dass selbst ein so geschätzter Intendant wie er an den parteipolitischen Rangeleien in den Aufsichtsgremien scheitern konnte. Obwohl eine knappe Mehrheit des WDR-Verwaltungsrats ihn im Herbst 1960 zweimal für eine weitere Amtszeit wiederwählt, wurde dies durch den Rundfunkrat verhindert. Trotz geheimer Abstimmung, lässt die Zusammensetzung des Gremiums den Schluss zu, dass die Wiederwahl Hartmanns durch Mitglieder verhindert wurde, die der CDU angehörten oder ihr nahe standen. So musste Hartmann den WDR am 31. Dezember 1960 verlassen.

Der erste Intendant des WDR starb am 5. April 1972 in Mindelheim.

Text (in gekürzter Fassung):
Hans-Ulrich Wagner; Quelle: Am Puls der Zeit. 50 Jahre WDR, Band 1. Die Vorläufer 1924-1955, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006.
Klaus Katz; Quelle: Am Puls der Zeit. 50 Jahre WDR, Band 2: Der Sender: Weltweit nah dran 1956-1985, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006.