50. Grimme-Preisverleihung

Grimme, Glamour, Gauck

Stand: 04.04.2014, 20:51 Uhr

In Marl fand am Freitagabend die 50. Jubiläumsausgabe der Grimme-Preisverleihung statt. Bundespräsident Joachim Gauck nutzte seine Festrede im Marler Stadttheater als Plädoyer für "Mut und kontroverse Themen".

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Glückwünsche von Gauck, ein Ständchen von Elaiza und zwölf neue Trophäen: Mit einer großen Gala hat der Grimme-Preis seinen 50. Geburtstag gefeiert. Im Stadttheater von Marl standen am Freitagabend (04.04.2014) nicht nur die Preisträger im Mittelpunkt, es wurde auch auf das Gründungsjahr 1964 zurückgeschaut. Damals wurden die ersten fünf Bildschirmtrophäen für Qualitätsfernsehen vergeben. Reines Bildungsfernsehen stand damals im Vordergrund. Jahre später kamen Unterhaltung und Fernsehfilme dazu.

Gedenken an Anja Niedringhaus

Bundespräsident Joachim Gauck betonte, wie auch immer die mediale Zukunft aussehen werde, die Frage nach der Qualität werde nicht obsolet sein. "Dass das Medium allein eben noch nicht die Botschaft ist, sondern dass es auf die Inhalte und deren Qualität ankommt - darauf immer wieder hinzuweisen, ist das Verdienst des Grimme-Preises und des Grimme-Institutes", sagte Gauck. Der Bundespräsident ehrte auch die deutschen Fotojournalistin Anja Niedringhaus, die bei einem Mordanschlag in Afghanistan ums Leben gekommen war. Mit der 48-Jährigen habe die Welt eine wichtige "Augen-Zeugin" von Not, Elend und Gewalt in Krisenregionen verloren. Ohne Journalisten wie Niedringhaus, "ohne ihre Arbeit, ihren Mut und ihr Engagement", wäre "unser Bild von der Welt unvollständig". Neben den ernsten Tönen gab es aber auch viel Show: Zu Gast im Stadttheater war zum Beispiel die ESC-Hoffnung Elaiza. Die drei Frauen sangen ihren Hit "Is It Right", mit dem sie im Mai beim Finale in Kopenhagen antreten. Zu Beginn des Abend waren sämtliche Preisträger und Ehrengäste im Blitzlichtgewitter über den roten Teppich ins Theater geschritten.

Zwei Preise für WDR-Produktionen

Im Jubiläumsjahr sind zwölf Auszeichnungen sowie einige Sonderpreise vergeben worden. Auch der WDR war in diesem Jahr wieder unter den Preisträgern: Der Produktion "Mord in Eberswalde" liegt ein historischer Fall zugrunde. Sie erzählt damit ein authentisches Stück Kriminalgeschichte. Ebenfalls preiswürdig ist der Film "Grenzgang" (WDR/NDR)."Die große Kraft und Kunst dieses Films liegt in seiner Behutsamkeit und Zärtlichkeit, mit der er unbeirrt seine Geschichte verfolgt, ohne sie an allzu geglückte Wendungen oder melodramatische Katastrophen zu verkaufen", lobt die Jury in ihrer Begründung für den Preis. Unter den prämierten Filmen im Bereich Fiktion ist auch die NDR/Arte-Produktion "Eine mörderische Entscheidung". Darin geht es um die Ereignisse der Septembernacht 2009 in Afghanistan, in der Bundeswehr-Oberst Georg Klein den Befehl zu einem Angriff auf zwei Tanklaster gab, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Auch der Tatort "Angezählt" (rbb/ORF) erhält einen Preis.

Dokus, Satire und der Tatort

In der Kategorie Information und Kultur befand die Jury unter anderem den Dokumentarfilm "Restrisiko" (BR) preiswürdig - eine beklemmende Darstellung von psychisch kranken Tätern im Maßregelvollzug.

In der Kategorie Unterhaltung hatte es das Entertainerduo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf für ihre Late-Night-Show "Circus HalliGalli" ebenso unter die Preisträger geschafft, wie Jan Böhmermann für das Format "NEO MAGAZIN". (ZDF/ZDFneo). Eine weitere Auszeichnung ging an die satirische Reportage-Reihe "Sonneborn rettet die Welt" (ZDF/ZDFneo). Die besondere Ehrung des Grimme-Preis-Stifters Deutscher Volkshochschulverband ging in diesem Jahr an die Reihe "Tatort" für deren "über vier Jahrzehnte anhaltende herausragende Rolle im deutschen Fernsehen".

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