Anton Winkelnkemper

1937-1945

Anton Winkelnkemper

Anton Winkelnkemper folgte Glasmeier am 1. Mai 1937 als Intendant des "Reichssenders Köln".

Anton Winkelnkemper

Dr. Anton Winkelnkemper, ca. 1937.

Wie Glasmeier stammte Anton "Toni" Winkelnkemper aus Westfalen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger kann er allerdings als der Prototyp des fanatischen NS-Funktionärs und nationalsozialistischen Technokraten gelten.

Winkelnkemper wurde am 18. Oktober 1905 in Wiedenbrück geboren und sollte wie sein älterer Bruder, der spätere Kölner Oberbürgermeister Peter Winkelnkemper, eine steile Karriere im "Dritten Reich" machen. Nach der Höheren Handelsschule und einer kaufmännischen Lehre erlangte er die Hochschulreife erst 1929 auf dem zweiten Bildungsweg.

Früh engagierte er sich für die NSDAP. Im Frühjahr 1930 trat er in die Partei ein und wurde bereits im Sommer desselben Jahres zum Landesstellenleiter der Propagandaleitung Rheinland (ab Oktober: Gaupropagandaredner) und Gauredner (ab 1940: Reichsredner) ernannt. Einen Hinweis auf seine völlige Identifikation mit dem Nationalsozialismus gab die 1942 in Berlin erschienene und an Perfidie kaum zu überbietende Propagandaschrift "Der Großangriff auf Köln. Englands Luftkrieg gegen Zivilbevölkerung."

Unter Winkelnkempers Propagandatätigkeit vor der "Machtübernahme" litt offenbar auch das Jurastudium an den Universitäten Köln und Bonn. In einem handschriftlichen Lebenslauf heißt es: "Wegen zahlreicher Strafverfahren und Gefängnisstrafen Abschluss des Studiums unmöglich. Daher Promotion erst nach der Machtübernahme." In Köln genossen die Brüder Winkelnkemper als NS-Aktivisten den Ruf von notorischen Radaubrüdern. Der Jüngere - in der Presse "der schöne Toni" genannt - schien sich zudem in der Rolle eines Frauenhelden gefallen zu haben, die 1933 zu einer Affäre um sexuelle Belästigung führte.

1933 wurde Winkelnkemper zunächst in den preußischen Landtag und den Provinziallandtag der Rheinprovinz gewählt, ab November 1933 war er zudem Mitglied des Reichstages. Im April 1936 promovierte er schließlich mit einer Arbeit zum Thema " Der strafrechtliche Schutz der NSDAP, ihre Gliederungen, der ihr angeschlossenen Verbände, deren Uniformen, Abzeichen und Symbole" zum Dr. iuris, obwohl die Umstände eine nicht ganz legale Vorgehensweise beim Erwerb des Titels vermuten lassen.

Im Augst 1936 wurde Winkelnkemper zum Gauamtsleiter in Köln ernannt; am 1. Mai 1937 folgte er Glasmeier als Intendant des "Reichssenders Köln". Weitere Karriereschritte waren die Aufnahme in die SS im Herbst 1938 und die Ernennung zum kommissarischen Intendanten des Kurzwellensenders am 1. Januar 1941. Am 21. April desselben Jahres übernahm Winkelnkemper das neu geschaffene Amt eines Auslandsdirektors der RRG. In dieser Eigenschaft war er nicht nur für die fremdsprachigen Programme des NS-Rundfunks verantwortlich, sondern auch für die Geheimsender. Kurz vor Kriegsende, im Frühjahr 1945 erfolgte die Verlegung des Kurzwellensenders nach Bayern. In Oberbayern wurde Winkelnkemper schließlich auch am 14. Mai 1945 von den Amerikanern verhaftet. Nun folgte eine circa zweijährige Internierungszeit.

Gegen Winkelnkemper wurde kein Gerichtsverfahren eingeleitet. Ebensowenig wurde sein Fall einer deutschen Spruchkammer überantwortet. Ohne förmliche Entlassungspapiere wurde er im Mai 1947 in die USA geflogen um dort im Bostoner Hochverratsprozess gegen die US-Bürger Robert Best und Douglas Chandler auszusagen. In den USA bewegte er sich auf freiem Fuß. Im Zeichen des Kalten Krieges erschienen seine propagandistischen "Vorkenntnisse" nun ganz offenbar in einem anderen Licht. Gerüchten zufolge soll er als "Berater beim amerikanischen Rundfunk" Karriere gemacht haben.

Text (in gekürzter Fassung): Birgit Bernard
Quelle: Am Puls der Zeit. 50 Jahre WDR, Band 1. Die Vorläufer 1924-1955, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006.