8. Juli 1926 - Geburtstag von Elisabeth Kübler-Ross

Elisabeth-Kübler-Ross

Stichtag

8. Juli 1926 - Geburtstag von Elisabeth Kübler-Ross

"Wenn ich auf den Abteilungen war, um mit Sterbenden zu reden, dann sagten alle: 'Hier bei uns auf der Abteilung stirbt niemand.' Die totale Leugnung, dass überhaupt Leute sterben - in einer Klinik mit 600 Betten!" empört sich Elisabeth Kübler-Ross, 1965 Assistenzärztin am Billings Hospital der Universität von Chicago. Sie findet die Sterbenden und ist entsetzt: "Ich finde es traurig, dass jemand 50, 60, 70 Jahre lang sein Leben geteilt hat, und dann, wenn er stirbt und jemanden braucht, der einfach bei ihm sitzt und die Hand hält und ihn lieb hat, dann schiebt man ihn in ein Badezimmer." So ist es üblich Anfang der 1960er Jahre auf den Krankenstationen: Die Medizin hat nur Platz für die Lebenden. Die Ärztin Elisabeth Kübler-Ross ist berühmt für ihre systematischen Forschungen über Sterben und Tod - und den Versuch, den Menschen auf das Lebensende vorzubereiten. Ihr Verdienst ist es, die amerikanische Hospizbewegung und das öffentliche Reden über den Tod machtvoll angestoßen zu haben.

"Der Tod existiert nicht"

Geboren wird sie am 8. Juli 1926 in Zürich als erste von drei Drillingstöchtern, 960 Gramm schwer. Gewohnt sich durchzusetzen, wird sie gegen den Willen des Vaters Ärztin: Tagsüber arbeitet sie als Laborantin, am Abend an ihrer Matura; studiert dann Medizin und erhält 1957 ihre Approbation. Im Jahr darauf bricht sie mit ihrem Ehemann, dem amerikanischen Arzt Emanuel Ross, in die USA auf und stößt am Billings Hospital in Chicago die Revolution an. "Medizinstudenten bekommen absolut keine Hilfe, um einem Sterbenden ein guter Arzt zu sein", sagt sie damals und nimmt sich vor: "Meine Hoffnung ist, dass wir jungen Leuten beibringen können, dass der Tod zum Leben gehört wie die Geburt." Sie beginnt Gespräche mit Sterbenden zu führen und veröffentlicht sie 1969 im Buch "On Death and Dying - Interviews mit Sterbenden", einem Welterfolg. Die Presse nennt sie bald die "Königin des Todes." Kübler-Ross reist um die Welt, schreibt zwei Dutzend weiterer Bücher und erhält über 20 Ehrendoktortitel. Vier Jahrzehnte lang sitzt sie an den Betten der Sterbenden. Und driftet mit der Zeit in esoterische Gedanken ab, die ihrem wissenschaftlichen Renommee schaden und ihre Ehe scheitern lassen. Sie erklärt: "Der Moment des Todes ist ein ganz einmaliges, schönes, befreiendes Erlebnis, das man erlebt ohne Angst, ohne Nöte." Oder: "Meine wirkliche Aufgabe ist es, den Menschen zu sagen, dass der Tod nicht existiert." 1978 verlässt sie nach dem Ehemann auch ihre beiden jugendlichen Kinder Kenneth und Barbara, um ihr eigenes Heilzentrum in Kalifornien zu gründen, das Shanti Nilaya, Sanskrit für Haus des Friedens.

Zu wenig getanzt, zu wenig gespielt

Nach unaufgeklärten Brandanschlägen auf ihr Zentrum in Kalifornien und einem weiteren in Virginia, zieht Elisabeth Kübler-Ross 1995 nach Scottsdale in Arizona, wo ihr Sohn lebt. Beide pflegen Emanuel Ross, den geschiedenen Ehemann und Vater, als er im Sterben liegt. Nach einer Reihe von Schlaganfällen in den 90er Jahren bleibt Elisabeth Kübler-Ross teilweise gelähmt. Erst mit 78 Jahren, am 24. Mai 2004, schafft sie "den Übergang", wie sie es nennt. Vor dem Sterbebett spielen die Enkelkinder. Einige Zeit vorher zog sie in einem Fernsehinterview das Fazit ihres Lebens: "In der Schweiz wurde ich nach dem Grundsatz erzogen: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Du bist nur ein wertvoller Mensch, wenn du arbeitest. Das ist grundfalsch. Halb arbeiten, halb tanzen. Das ist die richtige Mischung! Ich selbst habe zu wenig getanzt und zu wenig gespielt."

Stand: 08.07.2011

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