31. Juli 1886 - Tod des Komponisten Franz Liszt

Franz Liszt am Klavier

Stichtag

31. Juli 1886 - Tod des Komponisten Franz Liszt

Widersprüche und Wandlungen kennzeichnen den Charakter und das komplexe Werk von Franz Liszt. Schlagworte wie Wunderkind und Popstar, Virtuose und Dandy, Visionär und Geistlicher beschreiben meist die Stationen seines hoch produktiven Lebens. Galt Liszt frühen Kritikern vornehmlich als charismatischer "Paganini am Klavier" mit großem Talent zur Selbstinszenierung, so würdigt die moderne Musikkritik ihn als ersten "europäischen" Komponisten und Wegbereiter der Moderne. Vor allem Liszts "späte, kühne Experimente gilt es wiederzuentdecken", fordert seine Ururenkelin, die Weimarer Kulturfest-Chefin Nike Wagner.

Hager, schwächlich und blass ist der 1811 in Österreich-Ungarn geborene Ferencz Liszt von kleinauf. "Beim Spielen wankte es am Stuhle wie betrunken herum, so dass ich oft dachte, es würde zu Boden fallen", erinnert sich der Wiener Klavierpädagoge Carl Czerny an das hochbegabte Kind, das er im Auftrag des ehrgeizigen Vaters Adam unterrichtet. Bei dem Hofkomponisten Antonio Salieri in Wien erlernt der Junge Musiktheorie. Nach ersten Auftritten als Neunjähriger und Übersiedlung nach Paris geht Franz 1824 mit seinem Vater drei Jahre lang auf Tournee durch Frankreich, die Schweiz und England.

Europa verfällt der Lisztomanie

Die Begeisterung und Verehrung des Publikums für den jungen Star-Pianisten kennt keine Grenzen. Doch als sein Vater 1827 stirbt, zieht sich Franz Liszt mit schweren Depressionen aus der Öffentlichkeit zurück, sucht Zuflucht in der Religion. Unterstützung erfährt er von Komponistenfreunden wie Chopin, Berlioz oder Rossini. Gestärkt durch eine Liebesaffäre mit der Gräfin Marie d'Agoult und der Geburt von Tochter Cosima, der späteren Ehefrau Richard Wagners, nimmt Liszt das wilde, rastlose Tournee-Leben wieder auf. In allen großen Konzertsälen Europas löst der Superstar kollektive Zustände von Verzückung und Hysterie aus. "Lisztomanie" nennt sein Bewunderer Heinrich Heine das Phänomen.

Die späten Jahre des Abbé

Auf dem Höhepunkt seiner Pianistenkarriere schreibt Liszt eines seiner berühmtesten Werke, die "Ungarischen Rhapsodien". Doch mit 35 Jahren, ausgelaugt vom atemlosen, drogen- und alkoholgeschwängerten Star-Leben, zieht Liszt die Reißleine. Er wird als Kapellmeister in Weimar sesshaft und nimmt den landesflüchtigen Richard Wagner bei sich auf. Liszt erlebt nun seine produktivste Schaffensphase, komponiert Hunderte Klavier- und Chorwerke, sinfonische Dichtungen, Lieder und Konzerte. Mit der Klaviersonate in h-moll entsteht 1853 sein wohl größtes Meisterwerk.

Nach dem Scheitern einer zwölf Jahre währenden Liebesbeziehung zu der Multimillionärin Carolyne Fürstin von Sayn-Wittgenstein zieht es den 50-jährigen Liszt nach Rom. Er bricht endgültig mit seinem alten Leben als umjubelter Virtuose, empfängt die Weihe zum Abbé, zum Weltgeistlichen, und wendet sich in der Zurückgezogenheit eines Klosters karg komponierter, revolutionär moderner Musik zu. 1886 besucht der schon schwer kranke Franz Liszt in Bayreuth die Festspiele seines Schwiegersohns Richard Wagner. Am 31. Juli stirbt er dort an den Folgen einer Lungenentzündung.

Stand: 31.07.11

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