28. Juli 1939 - Der "Volksfernseher" wird vorgestellt

Einheitsempfänger E1 von Telefunken, Baujahr 1939:

Stichtag

28. Juli 1939 - Der "Volksfernseher" wird vorgestellt

"Die Techniker machen erst die wahre Demokratie möglich", erklärt Albert Einstein 1930 in seiner Rede zur Eröffnung der Deutschen Funkausstellung in Berlin. Der Rundfunk habe "eine einzigartige Funktion zu erfüllen: die Völkerversöhnung". Doch der Wunsch nach einer friedlicheren Welt geht nicht in Erfüllung: Drei Jahre später übernehmen die Nazis die Regierungsgewalt und Josef Goebbels eröffnet die Funkausstellung. Der "Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda" funktioniert die Leistungsschau der Unterhaltungselektronik zu einer politisch gelenkten Massenveranstaltung um. Dennoch bleibt sie der Ort für die Einführung neuer technischer Entwicklungen.

Schon kurz nach der Machtergreifung stellt Goebbels 1933 den "Volksempfänger" vor - ein für damalige Verhältnisse kleines und billiges Radiogerät, das in möglichst vielen Haushalten stehen soll. Die Parole lautet: "Ganz Deutschland hört den Führer mit dem Volksempfänger." Wenige Wochen vor dem Zweiten Weltkrieg präsentiert Goebbels am 28. Juli 1939 auf der Funkausstellung eine weitere Sensation: den "Volksfernseher".

Lediglich 50 Stück gebaut

Der "Einheits-Fernsehempfänger E 1" ist eine Gemeinschaftsentwicklung der deutschen Industrie unter Leitung der Deutschen Reichspost. Beteiligt sind die Firmen Telefunken, Loewe, Lorenz, Tekade und Fernseh AG. Die geplante Startauflage von 10.000 Stück für den Großraum Berlin wird wegen des Kriegsbeginns nicht mehr produziert. Gebaut und verkauft werden lediglich 50 Geräte. Sie kosten je 650 Reichsmark und sind damit rund dreimal billiger als Vorgängermodelle.

Ein Novum ist die Rechteck-Bildröhre mit einem flachen Bildschirm, der das schwarz-weiße Bild kaum noch verzerrt. "Der günstigste Betrachtungsabstand des sehr hellen, etwa 20 mal 23 Zentimeter großen Fernsehbildes beträgt etwa eineinhalb bis zwei Meter", heißt es im Prospekt der Fernseh AG.

Vordergründig unpolitische Unterhaltung

Es gibt vier Bedienungsknöpfe für Helligkeit, Kontrast, Schärfe und Lautstärke. Eine Senderwahl fehlt allerdings. Ab Werk ist nur ein Sender eingestellt. In der Zeitschrift "Fernsehen und Tonfilm" heißt es zur Begründung, der wahlweise Empfang komme nicht in Frage, "denn die bereits erbauten und auch in naher Zukunft geplanten Sender liegen verhältnismäßig weit auseinander". Es könne ohnehin nur ein Programm empfangen werden. Weit mehr als geographische Erwägungen dürften jedoch Kontroll- und Zensurabsichten eine Rolle spielen: Auf der braunen Mattscheibe dominiert die vordergründig unpolitische Unterhaltung, rund ein Viertel der Inhalte dient der direkten Propaganda.

Auch im Hörfunk ist die Programmwahl vorausbestimmt. Denn mit dem "Volksempfänger" - in der Umgangssprache "Goebbelsschnauze" genannt - können nur deutsche Sender empfangen werden. Wer sein Radiogerät manipuliert und "Feindsender" hört, dem drohen harte Strafen.

Stand: 28.07.2004