25. Mai 1933 - "Volksempfänger" in Auftrag gegeben

Ein Radiohörer am "Volksempfänger", der auf der Funkausstellung in Berlin 1933 vorgestellt wurde

Stichtag

25. Mai 1933 - "Volksempfänger" in Auftrag gegeben

"Ich halte den Rundfunk für das allermodernste und für das allerwichtigste Massenbeeinflussungsinstrument, das es überhaupt gibt", erklärt Joseph Goebbels am 25. März 1933. Kurz zuvor ist seinem neu gegründeten "Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung" die Kontrolle über den Rundfunk übertragen worden. Ein kleines, preiswertes Radio soll Goebbels' Weltsicht in jedes deutsche Haus tragen. Er zwingt 28 deutsche Hersteller, den gleichen Radioapparat zu bauen - den "VE 301 W": VE steht für "Volksempfänger", W für Wechselstrom, 301 erinnert an den 30. Januar 1933, den Tag der Machtübertragung an Adolf Hitler.

Am 25. Mai 1933 wird die erste Serie des "Volksempfängers" in Auftrag gegeben. Er kostet in der Grundausstattung 76 Reichsmark, Großgeräte sind kaum unter 300 Reichsmark zu bekommen. Nur 35 Reichsmark kostet der "Deutsche Kleinempfänger", der ab 1938 gebaut wird. Er ist noch kleiner als der "Volksempfänger" und wird von der Bevölkerung "Goebbels-Schnauze" genannt.

Verkaufserfolg dank massiver Werbung

Der "Volksempfänger" gehört zu den so genannten Volksprodukten. Diese sind schon in der Weimarer Republik populär, die Nazis planen eine ganze Palette davon: "Volkswagen", "Volksklaviere" und "Volkskühlschränke" sollen die pseudosozialistische Seite des Nationalsozialismus bedienen und suggerieren, dass sich nun mehr Leute mehr leisten können. Eine Illusion: "Im internationalen Vergleich war die Kaufkraft in Deutschland relativ gering", sagt Wolfgang König, Historiker an der Technischen Universität Berlin.

Nur der "Volksempfänger" ist ein Erfolg: Dank massiver Werbung werden allein bis Ende 1933 rund 680.000 Stück verkauft - zumal Ratenzahlung möglich ist.

Hören von Auslandssendern verboten

Allerdings sind lediglich 40 Prozent der Neugeräte "Volksempfänger". Alle anderen Käufer bevorzugen ein teures Großgerät von Firmen wie Siemens oder Blaupunkt. Denn mit diesen kann man besser Auslandssender hören. Ein "Volksempfänger" ist lediglich für den Deutschlandsender und einen Bezirkssender empfangsbereit. Den Unterschied zwischen den Geräten macht damals ein Flüsterwitz deutlich: "Beim Volksempfänger hört man Deutschland über alles, beim Großempfänger hört man alles über Deutschland!" Im Zweiten Weltkrieg wird das Hören von Auslandssendern verboten. Wer bei diesem so genannten Rundfunkverbrechen erwischt wird, kann mit dem Tod bestraft werden.

Nach der Niederlage von Stalingrad 1943 motiviert Goebbels weiterhin die Deutschen am "Volksempfänger" mit Unterhaltung und Durchhalteparolen zum "Totalen Krieg". Auch in den letzten Kriegstagen soll der Rundfunk noch die Wende bringen: "Werwolf"-Sender fordern die Deutschen auf, in den von den Alliierten besetzten Gebieten in Guerilla-Manier Widerstand zu leisten.

Stand: 25.05.2008