1914 – Gründung der Fernbuslinie "Greyhound"

Stichtag

1914 – Gründung der Fernbuslinie "Greyhound"

1913 gründet der schwedische Einwanderer Carl Eric Wickman in der kleinen Minenstadt Hibbing im US-Bundesstaat Minnesota einen Autohandel. Das Unternehmen erweist sich als glatter Fehlgriff. Die Minenarbeiter haben andere Sorgen, als sich einen Wagen zuzulegen, dessen Preis zudem ihren Jahresverdienst bei weitem übertrifft. Der einzige, der Wickman ein Auto der Marke "Hupmobile" abkauft, ist Wickman selbst. 

Da hat Wickman bereits eine andere Geschäftsidee. Denn die Minenarbeiter können sich zwar kein Auto leisten. Zur Arbeit kommen müssen sie aber trotzdem. 1914 bietet er den ersten Arbeitern an, sie mit seinem "Hupmobile" von Hibbing zum drei Kilometer entfernten Minenörtchen Alice zu bringen. Dort sammelt er Passanten auf, die in Hibbing einkaufen wollen. Am ersten Tag nimmt er zwei Dollar 25 ein – fast das Doppelte eines Tagesverdiensts für Minenarbeiter. Das erste Busunternehmen ist gegründet – ganz ohne Bus. 

Der "schlafende Riese" 

15 Cents kostet ein Fahrschein. 15 Minenarbeiter quetschen sich täglich ins "Hupmobile". Das Geschäft floriert, Wickman holt sich mit Andrew Anderson einen Partner ins Boot. Gemeinsam entwickeln sie die Idee, Arbeitsfahrzeuge für den Abtransport von Minenschutt mit Sitzen und einem Holzgehäuse zu Kleinbussen umzubauen. Bald schon steuern diese andere Minenstädte an, später rollen sie quer durch die USA. 1916 gründet Wickmann mit Partnern die Transportgesellschaft "Mesaba", was in der Sprache der Ojibwa-Indianer "schlafender Riese" heißt. Schlafen tun nur die Passagiere. Die Firma wird zum Riesengeschäft. 

Die Busse von "Mesaba" sind silbern. Bei ihrem Anblick kommt den Menschen, die sie vorbeifahren sehen, offenbar ein schlanker Windhund in den Sinn. So entsteht der Name "Greyhound", der zu einem Stück nationaler Identität der Amerikaner avanciert. Bis heute fahren 80 Prozent der Soldaten mit den Langstreckenbussen nach Hause, weil die Armee die Flüge nicht bezahlt.  

Neun Milliarden Kilometer 

1954 stirbt Wickman. Im selben Jahr bringt Greyhound mit dem "Scenic Cruiser" einen zweistöckigen Luxusliner mit Bordtoilette auf die Landstraße. Kurze Zeit später dürfen Afroamerikaner vielerorts nicht mehr mitfahren. 1961 macht die Bürgerrechtsbewegung der "Freedom Riders" mit dem Greyhound mobil und fährt in den rassistischen Süden, um für Gleichberechtigung zu demonstrieren. Busse gehen in Flammen auf, aber am Ende siegt die Gerechtigkeit.  

Durch den Autoboom und den Flugverkehr gerät Greyhound in den 70er und 80er Jahren in finanzielle Schieflage. An den riesigen Busterminals in den Großstädten machen sich Kriminelle breit. Mit einem britischen Käufer, neuem Image und Bordkino erholt sich das Unternehmen wieder - auch dank der Weltwirtschaftskrise, die Flüge für viele US-Bürger unbezahlbar macht. 2013 steigen 18 Millionen Menschen an den rund 3.100 Stationen der Fernbuslinie zu. Knapp neun Milliarden Kilometer legen die Busse zurück.

Stand: 28.12.2014

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