07. Oktober 2005 - Vor 20 Jahren: Kreuzfahrtschiff Achille Lauro wird entführt

Stichtag

07. Oktober 2005 - Vor 20 Jahren: Kreuzfahrtschiff Achille Lauro wird entführt

Im März 2005 hat im Schauspielhaus Wuppertal eine Oper Premiere: "The Death of Klinghoffer" - komponiert von John Adams. Das Thema: Die Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffs Achille Lauro. Der reale Hintergrund: Am 7. Oktober 1985 bringen Palästinenser den Luxus-Liner vor dem ägyptischen Hafen von Alexandria in ihre Gewalt. Man vermutet bis zu zwölf schwer bewaffnete Entführern. Später stellt sich heraus, dass es nur vier waren. Ihre Forderung: 52 Palästinenser sollen aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Israel lehnt ab. Ein Nervenkrieg beginnt. Die Terroristen fordern Verhandlungen mit den Botschaftern der Bundesrepublik, Italiens, Großbritanniens und der USA.

Über den Zustand der 413 Geiseln an Bord herrscht Unklarheit. Kurz vor der Kaperung haben rund 620 Passagiere - darunter 119 Deutsche - das Schiff zu einem Landausflug nach Kairo verlassen. Es gibt das Gerücht, zwei Amerikaner seien von den Entführern ermordet worden. Abu Abbas, der Führer der Palästinensischen Befreiungsfront PLF, der im Auftrag von PLO-Chef Yassir Arafat als Vermittler agiert, gibt hingegen zu Protokoll: "Auf die Frage, ob jemand an Bord verletzt ist oder ob jemand getötet wurde, haben die Entführer gesagt: Wir sind Kämpfer für den Frieden, wir sind keine Killer, wir sind keine Verbrecher, wir sind keine Kidnapper!" Im Glauben, keiner Geisel sei etwas zugestoßen, einigt sich Ägypten nach Zustimmung der italienischen und deutschen Botschaft auf freies Geleit für die Entführer - die unter dieser Bedingung aufgeben. Doch dann der Schock: Leon Klinghoffer, ein 69 Jahre alter Amerikaner jüdischer Herkunft, ist erschossen und mit seinem Rollstuhl ins Meer geworfen worden. Der amerikanische Präsident Ronald Reagan reagiert prompt:  US-Kampfflugzeuge fangen die ägyptische Maschine mit den Entführern an Bord ab und zwingen sie zur Landung auf Sizilien.

Es folgt eine diplomatische Krise, weil die Amerikaner den italienischen Luftraum verletzt haben. Und eine politische: Abu Abbas, der zusammen mit den Entführern im Flugzeug saß, wird in Italien nicht festgehalten, sondern reist weiter. Die Amerikaner sind jedoch der Meinung, dass er als heimlicher Drahtzieher die Entführung der Achille Lauro geleitet hat. In Italien kommt es zu einer mehrtägigen Regierungskrise. Schließlich tritt Ministerpräsident Bettino Craxi zurück. 18 Jahre später wird Abu Abbas von den Amerikanern doch noch gefasst: Im April 2003 in Bagdad, während des dritten Golfkriegs. Im März 2004 stirbt Abu Abbas in amerikanischer Gefangenschaft. Offizielle Todesursache: Herzversagen. Seine Witwe behauptet, dem 56-Jährigen seien lebensnotwendige Medikamente verweigert worden.

Stand: 07.10.05