14. Mai 2005 - Vor 15 Jahren: Erster Freilandversuch mit genmanipulierten Pflanzen

Stichtag

14. Mai 2005 - Vor 15 Jahren: Erster Freilandversuch mit genmanipulierten Pflanzen

14. Mai 1990, gegen neun Uhr: Vor dem Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung (MPIZ) in Köln-Vogelsang haben sich knapp 200 Gentechnologie-Gegner versammelt. Sie blockieren seit drei Stunden alle Toreinfahrten des Instituts. Sie wollen verhindern, was nicht mehr zu stoppen ist: Um Punkt 9.30 Uhr beginnt der erste Freilandversuch mit genmanipulierten Pflanzen in Deutschland - 30.000 Petunien werden auf einem fußballfeldgroßen Terrain ausgepflanzt. Da es noch keine gesetzliche Regelung für ein solches Experiment gibt, musste der Rat der Stadt Köln über die Genehmigung entscheiden. Das dauerte, denn die Initiative "BürgerInnen beobachten Petunien" und die Kölner Grünen hatten ein Gutachten anfertigen lassen, das bundesweit für Zündstoff sorgte: Beatrix Tapperer vom Ökoinstitut in Freiburg kam darin zum Schluss, "dass durch den gentechnischen Eingriff möglicherweise auch ökologische Veränderungen der Pflanzen passieren könnten, die dann auch zu einer Veränderung der Umwelt führen könnten."

Wegen des Widerstands konnte der Freilandversuch zwar nicht wie geplant schon 1989 starten. Doch die Gentechniker setzten sich schließlich durch. Ihr Ziel: Sie wollen dem "springenden Gen" auf die Spur kommen. Diese Gene sind die Ursache, dass sich in der Evolution Pflanzen, Tiere und Menschen schnell verändern und an die Umwelt anpassen können. Dazu haben die MPI-Forscher in das Erbmaterial von Petunien ein bestimmtes Mais-Gen eingesetzt. Es soll dafür sorgen, dass die Blumen in einem Lachsrot erblühen, das Züchter ansonsten niemals erreicht hätten. Dieser Farbton soll helfen, die "springenden Gene" aufzuspüren. Die These: In einigen wenigen Pflanzen werden diese Gene eine rot-weiß gemusterte Färbung hervorrufen. "Wir waren auf der Suche nach gemusterten Blüten innerhalb eines rotblühenden Feldes", erinnert sich Projektleiter Professor Heinz Saedler. Was aber dann wächst, sind viele rotgefleckte Blüten und nur wenige lachsrote. Für diese Farbenkombination können jedoch nicht die "springenden Gene" verantwortlich sein. Was auf dem Versuchsfeld genau passiert ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Angeblich hat das Wetter eine Rolle gespielt: Der sonnige und heiße Sommer 1990 soll die Farbgene sozusagen ausgeschaltet haben.

Stand: 14.05.05