14. Oktober 1944 - Erwin Rommel bringt sich um

Generalfeldmarschall Erwin Rommel

Stichtag

14. Oktober 1944 - Erwin Rommel bringt sich um

Er ist zwei Jahre jünger als Adolf Hitler: Erwin Rommel wird am 15. November 1891 im württembergischen Heidenheim geboren. Der Sohn eines Schulleiters will nach dem Gymnasium eigentlich Flugzeug-Ingenieur werden, doch der Vater hält mehr vom Soldatenberuf. Rommel absolviert einen Kriegsschullehrgang an der Königlichen Kadettenschule in Danzig. Im Ersten Weltkrieg dient er zunächst als Zugführer in Belgien und später in Verdun. In einer Gebirgsschlacht an der Italienfront gelingt ihm 1917 ein entscheidender Überraschungsangriff. Rommel besteht schriftlich darauf, den höchsten Tapferkeitsorden "Pour le Mérite" zu bekommen - mit Erfolg. Die Auszeichnung bekommen im Ersten Weltkrieg nur elf Kompanieführer.

In der Weimarer Republik stagniert Rommels militärische Karriere. Er wird unter anderem Ausbildungsleiter bei der Reichswehr. Nach Hitlers Machtübernahme 1933 schreibt der Schwabe ein Lehrbuch mit dem Titel "Infanterie greift an". Der neue Reichskanzler liest es - und macht Rommel zum Kommandanten des "Führerhauptquartiers". "Bin viel mit dem Führer zusammen, oft bei intimsten Besprechungen", notiert Rommel. "Dies Vertrauen ist für mich die größte Freude, mehr als mein Generalsrang." Die Zuneigung sei beidseitig gewesen, sagt Oberstleutnant Thomas Vogel, Historiker am Zentrum für Militärgeschichte der Bundeswehr in Potsdam: "Rommel war lange Zeit ein kühner Verehrer Hitlers, andersrum war Rommel der Lieblingsgeneral Hitlers."

Erfolg in Tobruk

Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen 1939 schreibt Rommel seiner Frau: "Es ist doch wunderbar, dass wir diesen Mann haben." Er will selbst an die Front. Seine Chance kommt 1940 im sogenannten Westfeldzug gegen Frankreich. Hitler sorgt dafür, dass Rommel eine Panzereinheit bekommt. Sie wird vom Feind "Gespensterdivision" genannt, weil er dort auftaucht, wo niemand mit ihm rechnet. Anschließend wird Rommel nach Afrika geschickt, um den schwächelnden Bündnispartner Benito Mussolini zu unterstützen.

Während die Wehrmacht in Richtung Moskau marschiert und die SS das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau baut, greift Rommel mit seinem Afrikakorps die britische Wüstenfestung Tobruk an. Dass er 1941 in seinem Ehrgeiz wie ein Anfänger agiert und scheitert, verschweigt die deutsche Propaganda. Stattdessen lenkt sie mit exotischen Bildern aus Afrika vom Gemetzel in der Sowjetunion ab. Im Folgejahr hat Rommel dazu gelernt und agiert mit List. Er lässt zum Beispiel Telegrafen-Masten auf Lastwagen montieren. Diese Konstruktionen wirbeln Sand auf und täuschen eine Panzer-Stärke vor, die gar nicht existiert. Rommels Truppen erobern Tobruk im zweiten Anlauf. Die Propaganda verklärt ihn zum "Wüstenfuchs", der seine Soldaten weiter in Richtung Ägypten treibt. Hitler träumt von der Eroberung Palästinas und einem Vormarsch in den Kaukasus. Die SS stellt bereits ein Mordkommando zusammen: Wenn Rommel den Suezkanal überquert, ist er bald im Heiligen Land - und den dort lebenden Juden.

Suizid mit Gift

Doch kurz vor der ägyptischen Grenze kommt die Wende. In El Alamein fehlt Rommel der Nachschub. Der Feldmarschall fliegt nach Berlin und brüllt zum ersten Mal seinen "Führer" an. Doch Hitler verlangt, die Stellung zu halten. Rommel zögert einen Tag, denkt an Selbstmord - und missachtet den Befehl. Er kann seine Männer gerade noch zurückführen. Kurz vor der Kapitulation der deutschen Truppen in Afrika holt Hitler ihn zurück: Das Idol Rommel soll unbeschädigt bleiben. Der General soll nun in Frankreich die drohende Invasion der Alliierten verhindern. In dieser Situation nehmen die Verschwörer um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg Kontakt zu Rommel auf. Sie brauchen einen populären Militär für die Zeit nach dem geplanten Putsch gegen Hitler. Rommel weiß, dass der Krieg verloren ist. Doch Hitler töten, will er offenbar nicht.

Nach dem misslungenen Putsch presst die Gestapo aus Verschwörern des 20. Juli 1944 heraus, dass Rommel eingeweiht war. Am 14. Oktober 1944 fahren zwei Wehrmachts-Generale bei ihm zu Hause in Herrlingen bei Ulm vor. Dort erholt sich der verletzte Rommel nach einem britischen Fliegerangriff auf sein Auto an der Westfront. Nun steht er vor der Wahl: Prozess vor dem Volksgerichtshof oder Suizid. Er entscheidet sich für das Gift, das ihm Hitlers Boten überbracht haben. Die letzten Worte an seine Frau: "In einer Viertelstunde bin ich tot." Rommels Witwe und sein 15-jähriger Sohn Manfred, der spätere Stuttgarter Oberbürgermeister, müssen an dem folgenden Staatsakt teilnehmen. Offiziell ist Rommel an den Folgen seiner Verletzung gestorben. Auch bei der Beerdigung soll der Mythos erhalten bleiben. In seiner Ansprache sagt Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt denn auch über Rommel: "Sein Herz gehörte dem Führer."

Stand: 14.10.2014

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