19. September 1949 - Richard Rogler wird geboren

Richard Rogler, Kabarettist

Stichtag

19. September 1949 - Richard Rogler wird geboren

Gnadenlos, bitterböse und erfolgreich - Richard Rogler prangert politische Willkür und gesellschaftliche Missstände an. Auch wenn er als Kabarettist nichts verändern könne, wie er sagt. "Ich war nie für Revolution. Ich war nie in einer Partei." Es gehe ihm darum, ein unabhängiges Sprachrohr der Opposition zu sein. "Ich kämpfe immer nach dem Wahlspruch: mit dem Geist der Machtlosen gegen die Macht der Geistlosen!" Für Kay Lorentz, Leiter des Düsseldorfer Kabaretts "Kom(m)ödchen", ist Rogler "ein satirischer Dickhäuter, der seinen neugierigen Rüssel tief hineinsteckt in den bundesdeutschen Sumpf aus politischer Vetternwirtschaft, bräsiger Selbstzufriedenheit und bigotter Frömmelei."

Rogler, der Wolfgang Neuss und Dieter Hildebrandt als kabarettistische Vorbilder nennt, wird am 19. September 1949 im oberfränkischen Selb geboren. Nach Abitur und Wehrdienst will der Arbeitersohn Lehrer werden und studiert in Würzburg Französisch und Sport. 1974 gehört er zu den Mitbegründern des freien Kinder- und Jugendtheaters "Ömmes und Oimel". Vier Jahre später zieht er nach Köln und gründet zusammen mit Heinrich Pachl das Kabarett-Duo "Der wahre Anton". Das Stück "Absa(h)nierung", das sich mit der Haussanierungspolitik der Stadt Köln auseinandersetzt, wird 1982 mit dem Deutschen Kleinkunstförderpreis der Stadt Mainz ausgezeichnet.

Startet 1986 Solo-Karriere

Im selben Jahr erkrankt Rogler an einer Hirnhautentzündung und muss monatelang stationär behandelt werden. Nach seiner Genesung geht er unter der Intendanz von Jürgen Flimm für vier Jahre ans Kölner Schauspielhaus. "Das war eine gute Zeit", sagt Rogler später. "Ich hab zum ersten Mal gelernt, wie das geht mit der Schauspielerei." Dieses handwerkliche Wissen setzt er ein, als er 1986 seine Solo-Karriere mit dem Stück "Freiheit aushalten!" startet. "Das war die Symbiose aus Theater und Kabarett, die mich völlig fasziniert hat", sagt der Kabarettist Jürgen Becker. Erneut wird Rogler mit dem Kleinkunstförderpreis geehrt.

1988 erhält er mit der WDR-Show "Mitternachtsspitzen" seine eigene Fernsehsendung. Für die 28 Folgen erhält er den Grimme-Preis. Zusammen mit Jochen Busse produziert er 1992 die sechsteilige ARD-Kabarettreihe "Herr Rogler und Herr Busse". Außerdem übernimmt Rogler im selben Jahr den kabarettistischen "Nachschlag" in der ARD und nutzt die fünf Minuten pro Woche für satirische Kommentare nach den "Tagesthemen".

Mitglied des "Scheibenwischer"-Ensembles

Mit seinem zweiten Solo-Programm kehrt Rogler 1992 auf die Bühne zurück - und wird für das Stück "Finish" dieses Mal mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett ausgezeichnet. Es folgen weitere Bühnen- und Fernsehproduktionen. Ab 2006 gehört er knapp zwei Jahre zum festen Ensemble der ARD-Sendung "Scheibenwischer".

2014 wird Rogler, der sich als "Demokratiewächter" bezeichnet, für sein Lebenswerk mit dem Bayerischen Kabarettpreis geehrt. Doch auch mit 65 Jahren hat Rogler wohl nicht die Absicht, in Rente zu gehen. "Der kann gar nicht anders, als Künstler ist man Triebtäter", sagt seine Tochter und Agentin Marianne Rogler. "Es macht ihm Spaß, auf der Bühne zu stehen und für die Leute zu spielen."

Stand: 19.09.2014

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.