7. September 1894 – Gala Dalí wird geboren

Montage mit zwei Fotos von Dala Gali, auf einem gemeinsam mit Salvatore Dali

Stichtag

7. September 1894 – Gala Dalí wird geboren

Mit sieben Jahren sieht Salvador Dalí in einem spanischen Theater eine Winterszene, in der ein russisches Mädchen eine zentrale Rolle spielt. "Das russische Mädchen erschien in weißen Pelzen tief in einem Schlitten verborgen, der von Wölfen mit leuchtenden Augen verfolgt wurde", wird sich der surrealistische Maler später erinnern. "Dieses Mädchen sah mich starr an, und ihre Ehrfurcht gebietende, stolze Miene bedrückte mein Herz."

Es gehört zu Dalís selbst gestricktem Mythos, dass er die einschneidende Kinderszene mit der Existenz seiner Muse verknüpft, die er eigentlich erst 18 Jahre später kennenlernt, die ihn dann aber über ein halbes Jahrhundert lang begleitet: "War es Gala? Ich bin sicher, dass sie es war."

Selbststilisierung als Lebensziel

Geboren wird Gala Éluard Dalí als Jelena Dmitrievna Diakonova vermutlich am 7. September 1894 - und vermutlich in Kasachstan. Gesichert ist von Anfang an kaum etwas aus ihrem Leben, da sie schon früh erkennt, wie gut die Stilisierung ihrer eigenen Biografie mit ihrer charismatischen Ausstrahlung korrespondiert. In Moskau wächst sie in unkonventionellen Verhältnissen auf. Den verhassten Vornamen "Jelena" tauscht sie schon zu Schulzeiten gegen "Gala" ein.

Schön, aber von schwacher Gesundheit, reist Gala im Herbst 1912 mit 18 Jahren zur Erholung von Russland aus ins Lungensanatorium im schweizerischen Clavadel – allein und ohne Begleitung eines Verwandten oder einer Anstandsdame. Hier lernt sie den 17-jährigen Eugène Grindel kennen, der später unter dem Pseudonym Paul Éluard als surrealistischer Dichter von sich reden macht. Die beiden verloben sich heimlich, reisen aber zunächst wieder zu ihren Eltern zurück. 1916 macht sich Gala, die Kriegsfronten umschiffend, auf die gefährliche Reise nach Paris, wo sie Éluard in einer aufsehenerregenden, smaragdgrünen Robe heiratet.

Schöpferin der Marke "Dalí"

Mit Éluard an ihrer Seite kann Gala ihre Berufung als Muse zum ersten Male ausleben. Im Gegenzug verklärt er sie in seinen Gedichten zur Göttin. An der Einzigartigkeit ihrer Liebe hält er literarisch auch noch fest, als die Wirklichkeit das Paar einholt: Die 1918 geborene Tochter Cecile lässt Galas Traum vom gänzlich freien Leben in der Pariser Bohème der Surrealisten ebenso zerplatzen wie die zahlreichen Affären ihres Mannes, dem sie diesbezüglich aber bald schon in nichts nachsteht. Deshalb ist Éluard auch nicht beunruhigt, als seine 35-jährige Frau eine Affäre mit dem zehn Jahre jüngeren Dalí eingeht. 1929 besuchen die Éluards den Maler in seinem Sommerhaus am Strand von Cadaques. Am Ende des Urlaubs reist Paul Éluard alleine wieder ab. 1934 heiraten Gala und Dalì.

Über 50 Jahre lang ist Gala die Muse Dalís. Er malt sie in seiner altmeisterlichen Art als Göttin, Madonna oder Traumvision. Sie inspiriert ihn nicht nur zu immer neuen Gemälden, sondern macht ihn letztlich zum kommerziell erfolgreichsten Künstler seiner Zeit. Wenn die Überlieferung stimmt, schließt sie ihn sogar bisweilen im Atelier ein, um ihn zu malerischen Höchstleistungen zu zwingen – und treibt ihn mit dem Bühnenbild zu Alfred Hitchcocks "Spellbound" (1945) bis nach Hollywood. Sie bestimmt auch, welche Motive und Formate Erfolg versprechen.

Zur Vermarktungsstrategie gehört es auch, in der Öffentlichkeit extravagant gekleidet an der Seite Dalís jene Muse zur Schau zu tragen, als die sie sich versteht. Dieses Bild versucht sie selbst in hohem Alter noch zu erhalten, als die einstige Liebe des Paars endgültig handgreiflichen Streitereien gewichen ist. Gala Éluard Dalí stirbt 1982 mit 87 Jahren, sieben Jahre vor Dalí. Beerdigt wird sie in einem Dior-Kleid und mit einer Chanel-Schleife im Haar.

Stand: 07.09.2014

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