23. August 1964 - Torwand-Premiere im "Aktuellen Sportstudio"

Original-Torwand im Aktuellen Sportstudio, 1964

Stichtag

23. August 1964 - Torwand-Premiere im "Aktuellen Sportstudio"

Eine große Bahnhofsuhr, Big-Band-Musik von Max Greger und eine Litfaßsäule mit den Themen der Sendung: Das sind die Markenzeichen des "Aktuellen Sportstudios", mit dem das neue Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) im August 1963 zum Start der Fußball-Bundesliga auf Sendung geht.

Die Idee, der ARD-"Sportschau" mit einem flotten Mix aus Fußball, Musik und Studiogästen Konkurrenz zu machen, verdankt das ZDF seinem Sportchef Horst Peetz, sagt "Mr. Sportstudio“ Dieter Kürten. Ein Jahr nach dem erfolgreichen Programmstart feiert auch das bekannteste Ritual der Sendung Premiere. Am 23. August 1964 treten erstmals Kicker im "Aktuellen Sportstudio" zum samstäglichen Zielschießen auf die Torwand an.

Und wer hat’s erfunden?

Wer sich als Erfinder der Torwand rühmen darf, weiß man selbst beim ZDF nicht mehr so genau. Vielleicht hat die Erinnerungslücke auch damit zu tun, dass die Idee clever geklaut ist. Denn als erster sägt wohl Anfang der 60er Jahre Heinrich Klein, Betriebsleiter der Dortmunder Westfalenhalle, zwei Löcher in eine Spanplatte -  für ein Promi-Wettballern beim jährlichen Fest der westdeutschen Sportpresse. Damals, so verrät 2009 der zwei Jahre später gestorbene Klein in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", hätten die Moderatoren Wim Thoelke und Werner Schneider die Torwand mit ins ZDF-"Sportstudio" genommen.

Dieter Kürten, drei Jahrzehnte lang Präsentator der Sendung, kennt noch eine andere Geschichte. Danach wurde sein Kollege Schneider durch "einen Trainer aus dem Pfälzischen" inspiriert, "der seine Mannschaft auf eine Wand mit vielen Löchern schießen ließ". Wie auch immer, im "Aktuellen Sportstudio" avanciert die 2,70 Meter breite und 1,80 Meter hohe Torwand auf Anhieb zum unverzichtbaren TV-Requisit. Tausende Studiogäste, Sportler ebenso wie Politiker und prominente Gaststars, haben seither mit sechs Schüssen - drei unten, drei oben - ihr Glück an der Wand versucht.

Beckenbauers Bierglas-Schuss

Sechs Treffer sind aber noch keinem Schützen gelungen - obwohl die Löcher 1966 von 50 auf 55 Zentimeter Durchmesser vergrößert wurden. Als erster von bislang acht Profikickern versenkt Günther Netzer 1974 fünf Bälle. Fußball-Weltmeisterin Fatmire Bajramai trifft 2006 zwar nur zweimal, dafür aber in sieben Zentimeter hohen Stilettos. Für den kuriosesten Treffer sorgt  Franz Beckenbauer, mit 57 Besuchen häufigster Gast im "Sportstudio". Auf der Meisterfeier seines FC Bayern München 1994 legt der "Kaiser" den Ball auf ein Weizenbierglas, tritt entspannt zu und trifft ins untere Loch. "Dem Mann glückt alles", kommentiert Moderator Kürten staunend.

Nur einmal, in den 70er Jahren, hat die "Sportstudio"-Redaktion versucht, sich von der vermeintlich ausgereizten Torwand zu trennen. Schmunzelnd erinnert sich Kürten an die daraufhin ausbrechenden Zuschauerproteste: "Sie können sich das nicht vorstellen. Als hätte man einem Kind sein Spielzeug weggenommen. Nach ein paar Wochen haben wir das Ding wieder hingestellt. Und es steht bis heute." Angeblich soll "das Ding" erst rausfliegen, wenn jemand tatsächlich sechs Treffer schafft. Aber das kann nach nunmehr 50 Jahren Torwandschießen ja noch dauern.

Stand: 23.08.2014

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