24. Juni 1519 – Lucrezia Borgia stirbt in Ferrara

Lucrezia Borgia

Stichtag

24. Juni 1519 – Lucrezia Borgia stirbt in Ferrara

Vetternwirtschaft und sexuelle Exzesse, Korruption und zügellose Gewalt: Der Name Borgia steht für den Verfall von Sitte und Anstand im Italien des 16. Jahrhunderts. Ausgerechnet ein Papst steht im Zentrum der teuflischen Ausschweifungen: Der spanischstämmige Alexander VI. alias Rodrigo Borgia, ein Renaissancefürst und Machtpolitiker par excellence.  

Alexander IV. hat noch im hohen Alter zahlreiche Mätressen, darunter die 17-jährige Giulia Farnese, die die Römer blasphemisch "Sponsa Christi" ("Braut Christi") nennen. Mit seiner Geliebten Vanozza de’ Cattanei zeugt er jene vier Kinder, die er am meisten geliebt haben soll, die er aber auch am meisten in sein politisches Ränkespiel mit einbezieht. Unter ihnen ist auch Lucrezia Borgia, die als männermordender Vamp in die Geschichte eingeht.  

Inzest mit dem Vater?

Geboren wird Lucrezia Borgia 1480 in Rom oder Subiaco. Noch ist ihr Vater nur Kirchenfürst, aber sein Ziel ist längst der Vatikan. Der Nachwelt erscheint Lucrezia Borgia in diesem Zusammenhang als skrupellose Intrigantin und mordlüsterne Femme fatale. Dabei geht die kriminelle Energie in erster Linie wohl von ihrem Vater und ihrem Bruder Caesare Borgia aus. Beide machen sie zum Spielball ihrer eigenen Machenschaften.  

1492 wird Rodrigo Borgia durch Mauscheleien und Stimmenkauf zum Papst ernannt. Sofort installiert er sein System aus Korruption und Vetternwirtschaft. Drei seiner Söhne hebt er in kirchliche oder weltliche Ämter. Lucrezia hat er fürs Heiraten vorgesehen. Mit 13 muss sie zum ersten Mal vor den Traualtar. Als sich herausstellt, dass ihr Gatte Alexander VI. politisch nichts nützen kann, annulliert der Papst die Ehe wegen angeblicher Impotenz des Gemahls wieder - ohne rechtliche Grundlage.  

Für die Schmach rächt sich dieser dadurch, dass er dem Papst und Lucrezia ein inzestuöses Verhältnis unterstellt – ein Gerücht, das von nun an wie Pech an den Borgias klebt.  

Geachtet als Landesmutter

Insgesamt ist Lucrezia Borgia drei Mal verheiratet. Ihr zweiter Ehemann wird von ihrem Bruder Cesare ermordet. 1510 geht sie mit Herzog Alfonso d’Este die Ehe ein, der als zukünftiger König Italiens gehandelt wird. Historiker werten dies als Indiz dafür, dass Lucrezia Borgia ins orgiastische Wirken ihrer Restfamilie nicht allzusehr verwickelt sein kann.  

Bis zu ihrem Tod lebt Lucrezia Borgia als allseits geschätzte Kunstmäzenin und Landesmutter im Herzogtum Ferrara – fern von Rom, außerhalb des Dunstkreises der anderen Borgias. Sie stirbt am 24. Juni 1519 im Kindbett. Ihr schlechter Ruf überlebt bis heute.

Stand: 24.06.2014

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