18. April 1949 - Irland wird selbstständige Republik

Die Fahne von Irland

Stichtag

18. April 1949 - Irland wird selbstständige Republik

Irland gehört jahrhundertelang zum Britischen Empire: 1541 wird der englische König Heinrich VIII. auch zum König der "grünen Insel" gekrönt. Die katholischen Iren sind darüber allerdings wenig erfreut. Denn Heinrich VIII. hatte die englische Kirche von Rom getrennt, weil der Papst seine erste Ehe nicht annullieren wollte. Die neu entstandene "anglikanische Kirche" ist eine Staatskirche, deren Oberhaupt der Monarch ist.

Londons Versuche, die irischen Katholiken zum Protestantismus zu bekehren, scheitern. Besonders groß ist der Widerstand im Nordosten des Landes, in Ulster. Londons Lösung des Problems sind die sogenannten Plantations, die "Verpflanzung" von protestantischen Bauern aus England und Schottland in die Unruheprovinz. "Im späten 16., frühen 17. Jahrhundert wird Ulster zur Kolonie", sagt Richard Greyson, Professor für Geschichte an der Londoner Goldsmith University. "Die katholischen Landbesitzer werden verjagt und ihr Land beschlagnahmt, ähnlich wie die Briten es in Indien und Afrika machten im Zug des Kolonialismus." Aus dem katholischen Ulster wird die Hochburg der königstreuen Protestanten: der Kern des Nord-Irland-Konfliktes. "So verknüpft sich nationale Identität eng mit Religionszugehörigkeit."

Vereinigung zu einem Königreich

Die Nachfolger von Heinrich VIII. setzen diese Siedlungspolitik fort. Mit einer Reihe von Strafgesetzen stellt London sicher, dass königstreue Protestanten das Sagen haben. Immer wieder kommt es zu Aufständen gegen die britischen Besatzer. Als 1798 mehr als 30.000 Menschen sterben, beschließt London, die letzten Reste irischer Autonomie zu beseitigen. Großbritannien und Irland werden zu einem einzigen Königreich vereint. Das Parlament in Dublin wird abgeschafft, die irischen Abgeordneten müssen nach London und sind im dortigen Parlament in der Unterzahl.

Trotzdem fordern die katholischen Iren immer wieder die Eigenständigkeit Irlands innerhalb des britischen Reiches: die sogenannte Home Rule. Doch es dauert über 100 Jahre, bis die Iren eine realistische Aussicht auf Selbstverwaltung bekommen. 1912 erkennt England die wiederholt ins Parlament eingebrachte Home Rule an. Dagegen wehren sich nun wiederum die irischen Protestanten. In der Osterwoche 1916 besetzen irische Nationalisten strategisch wichtige Punkte in Dublin und rufen die Irische Republik aus.

Südprovinzen werden Republik

Die britischen Kräfte schlagen den Aufstand innerhalb weniger Tage nieder. 15 Nationalisten werden hingerichtet. Doch das brutale Vorgehen spült eine radikale separatistische Partei nach oben: Sinn Fein. Bei den Wahlen zum britischen Unterhaus 1918 gewinnt sie die Mehrheit der irischen Sitze und fordert Unabhängigkeit.

Ende 1921 erkennt Großbritannien schließlich den Irish Free State an. Er besteht aus den südlichen Provinzen. Die protestantische Nord-Provinz Ulster hingegen beschließt, Teil des Vereinigten Königreichs zu bleiben. Der letzte Akt der Loslösung von Großbritannien wird am 18. April 1949 vollzogen: Die Republik Irland tritt aus dem Commonwealth aus.

Stand: 18.04.2014

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