Wolfgang Menge, Schriftsteller und Drehbuchautor

Stichtag

10. April 1924 - Wolfgang Menge wird geboren

Er ist ein Pionier. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehört Wolfgang Menge zu den ersten Reportern vom neu gegründeten "Hamburger Abendblatt". 1954 wird er Ostasien-Korrespondent der Tageszeitung "Die Welt" und reist als erster bundesdeutscher Journalist mit der transibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau. Später ist er Mitbegründer der ersten deutschen Live-Talkshow "3 nach 9", die er auch zeitweise moderiert. Menges Hauptwerk sind jedoch über 100 Film- und Fernsehdrehbücher, die noch heute als stilprägend gelten. Mit der Krimi-Serie "Stahlnetz" gelingt ihm Ende der 1950er Jahre der Durchbruch als Erfolgsautor. Zudem schreibt er in den 1970er Jahren einige der ersten "Tatort"-Folgen.

Menge, der am 10. April 1924 in Berlin geboren wird, wächst in Hamburg auf. Während des Nationalsozialismus wird er zum Außenseiter, seine Mutter ist Jüdin. Mit 17 Jahren wird er an die Ostfront eingezogen, wo er verwundet wird. Nach Kriegsende wird Menge, der gerne zum Kabarett gegangen wäre, Zeitungsjournalist. Nach seiner Korrespondenten-Zeit kehrt nach Hamburg zurück und arbeitet für den NWDR.

"Klug, witzig, schlagfertig"

Menge hat eine besondere Begabung, aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft in spannende Unterhaltungsformate umzusetzen. In seinem Fernsehspiel "Die Dubrow-Krise" (1969) geht es um den fiktiven Beitritt eines DDR-Grenzdorfes zur Bundesrepublik. Die Hetzjagd-Show "Das Millionenspiel" (1970) ist ein Parodie auf die Sensationsgier der Massenmedien. Der Dokumentar-Thriller "Smog" (1973) setzt sich mit den negativen Folgen der Industrialisierung auseinander. Die Familienserie "Ein Herz und eine Seele" (1973 bis 1976) mit Heinz Schubert als Sozi-Hasser "Ekel Alfred" hat einen messerscharfen politischen Witz.

Menge recherchiert für seine Projekte gründlich. Sein Arbeitsprinzip: nie Informationen aus zweiter Hand verwenden, immer bis zur Quelle vordringen. Qualität ist auch sein Maßstab für die Konkurrenz. "Wenn die alle immer nur noch Programme machen mit der Kategorie Einschaltquoten", kritisiert er, "dann sind wir bald beim totalen Idiotenfernsehen und dann muss ich nicht mehr gucken, weil ich mich nicht dazu rechne." Menge ist bissig und teilt gern aus. "Was er gar nicht mochte, war Dummheit", sagt sein langjähriger Freund Gundolf Freyermuth, Professor für Media and Games-Studies am Cologne Game Lab. "Erstmal war er unglaublich klug, darüber hinaus war er auch sehr witzig und schlagfertig."

Grimme-Preis für sein Lebenswerk

Zu Menges Hobbies gehört das Kochen. Immer wieder lädt er Prominente zum Abendessen in sein Wohnzimmer ein. "Er hatte ein großes Interesse an Menschen, an Charakteren", sagt Freyermuth. Menge sei sehr ungeduldig gewesen. "Aber sobald ihn etwas faszinierte, ein Thema oder ein Mensch, hatte er alle Geduld der Welt."

Für seine Arbeit wird Menge mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhält er die "Besondere Ehrung" des Adolf-Grimme-Preises (1987) für seine Verdienste um die "Qualität im Populären" und den Deutschen Fernsehpreis (2002) für sein Lebenswerk. 2007 erleidet der Autor einen Schlaganfall. Am 17. Oktober 2012 stirbt Wolfgang Menge im Alter von 88 Jahren in Berlin.

Stand: 10.04.2014

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