4. März 1394: Heinrich der Seefahrer wird geboren

Skulptur  Heinrich der Seefahrer

Stichtag

4. März 1394: Heinrich der Seefahrer wird geboren

Für Luís de Camões ist Heinrich der Seefahrer ein ozeanischer Held Portugals. "Er war’s, der das Meer befahrend, mit so seltenem Geist und Fleiß Land auf Land entdeckte, wo des nachts die Sterne einer neuen Hemisphäre strahlen", schreibt Portugals Nationaldichter im 16. Jahrhundert.

Dabei ist Heinrich der Seefahrer gar kein Seefahrer. Vermutlich hat er nur zwei Mal für Reisen ein Schiff bestiegen: "über das Meer, mal schnell nach Marokko", wie der Historiker Wolfgang Reinhard klarstellt. "Und ich würde mal behaupten: Es ist ihm sogar schlecht geworden." Trotzdem machen die von ihm in Auftrag gegebenen Entdeckungsreisen Portugal zu einem reichen Land.

Eroberung aus Ruhmessucht

Geboren wird Heinrich am 4. März 1394 in Porto. Er ist der vierte Sohn des portugiesischen Königs Johann I., der unter Hauen und Stechen im Hochadel an die Macht gekommen ist. Heinrichs Mutter Philippa von Lancaster erzieht ihn im Sinn des englischen Bildungsideals. Doch Interesse für die Wissenschaften bestimmt sein Handeln nicht. Vielmehr entdeckt er das Meer, weil er seine Ruhmessucht als Viertgeborener ohne Thronaussichten in einen noch unbesetzten Bereich verlagern muss.

Im 14. Jahrhundert ist Portugal ein armes Land. Da verfällt Heinrich auf den Gedanken, Reichtum durch die Expansion nach Afrika anzuhäufen. Nicht nur Portugals Lage, sondern auch die Zeit hierfür ist günstig: England und Frankreich liegen im Hundertjährigen Krieg, und auch der Rest Europas ist mit sich selbst beschäftigt. Im Juli 1415 ist Heinrich einer der Befehlshaber, die eine 100 Schiffe starke Flotte in die von Mauren beherrschte nordafrikanische Küstenstadt Ceuta lenken. Ihre Eroberung wird zum Karrieresprung: Heinrich wird Herzog der Algarve und Großmeister des Christusordens.

Lob der Karavelle

Von nun an ist Heinrichs Expeditionsdrang noch stärker religiös geprägt. Da die Portugiesen hoffen, irgendwo entlang der afrikanischen Küste Glaubensbrüder für den Kampf gegen die verhassten Mauren zu finden, treibt er die Eroberung der Seewege Richtung Süden weiter voran. Zur Hilfe kommt ihm dabei die Entwicklung der Karavelle: ein Schiffstyp, mit dem man im Gegensatz zu den bisherigen Modellen gegen den Wind kreuzen und somit weite Strecken zurücklegen kann.

1422 schickt Heinrich seine erste Expedition mit dem Auftrag los, das sagenumwobene Kap Bojador an der Nordwestküste Afrikas zu umrunden. Die Mission scheitert ebenso wie Versuche der folgenden Jahre. Erst Heinrichs Kapitän Gil Eanes gelingt das Manöver 1434 dank günstiger Winde.

Anfang der 40er Jahre des 15. Jahrhunderts startet eine weitere von Heinrichs Expeditionen auf ihre erfolglose Suche nach christlichen Glaubensbrüdern. Stattdessen treffen die Portugiesen auf Einheimische, die sie jagen und gefangennehmen. Es ist der Beginn eines höchst profitablen Sklavenhandels, der bis ins 19. Jahrhundert andauern wird.

Tod an Land

1455 gibt Papst Nikolaus V. den Portugiesen freie Hand in Afrika. Nun besitzt das Land das Monopol im Handel mit Elfenbein, Gold, Sklaven und Gewürzen – ein Monopol, dass das kleine Land mit seinen wenigen Bewohnern durch Handelsstützpunkte mit Festungen und wenigen Soldaten sichert.

Heinrich der Seefahrer stirbt 1460 – natürlich an Land. Zu diesem Zeitpunkt haben portugiesische Karavellen die afrikanische Küste bis zum heutigen Sierra Leone erschlossen. 1487 umrundet der Portugiese Bartolomeu Diaz als erster das Kap der Guten Hoffnung. Sein Landsmann Vasco da Gama schafft es letztlich bis nach Indien.

Stand: 04.03.2014

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