21. Februar 1874 - Pole Poppenspäler von Theodor Storm erscheint

Novelle Pole Poppenspäler von Theodor Storm erscheint

Stichtag

21. Februar 1874 - Pole Poppenspäler von Theodor Storm erscheint

Theodor Storms Novelle spielt in alter Zeit. Fahrende Künstler aus Süddeutschland treten mit ihren Puppen in einem norddeutschen Dorf auf – ein Schlüsselerlebnis für den Bürgersohn Paul Paulsen. Von dem Marionettenspiel ist er ebenso verzaubert, wie von der schönen Tochter des Puppenspielers, Lisei. "Als ich endlich umkehrte, sah ich ein rotes Kleidchen mir entgegenkommen; und wirklich, es war die kleine Puppenspielerin; trotz ihres verschossenen Anzugs schien sie mir von einem Märchenglanz umgeben", heißt es in der Novelle.

Die Puppenspieler werden von den Spießbürgern verspottet

Als junger Mann, am Ende seiner Gesellenwanderung als Kunstdrechsler, trifft Paul das Mädchen im Süden zufällig wieder. Die Zeiten haben sich geändert: Marionetten werden als Trödel verschleudert, die umher reisenden Puppenspieler von den Spießbürgern verspottet. Paul Paulsen, der Handwerker aus Friesland, errettet Mädchen und Vater aus größter Bedrängnis, vor Armut und sozialem Abstieg ins Bodenlose. Er heiratet Lisei, lebt fortan mit ihr und ihrem Vater in seiner norddeutschen Heimatstadt. Pole Poppenspäler, Paul, der Puppenspieler, wird als Schimpfwort an seine Tür geschrieben. Doch die Anfeindungen treffen ihn nicht. Lisei und er sind ein glückliches Paar. "Es waren prächtige Leute, der Paulsen und sein Puppenspieler-Lisei", schreibt Storm in der Novelle aus dem Jahr 1874. Neben dem Kleinen Häwelmann ist Pole Poppenspäler eines der bekanntesten Jugendbücher Storms.

14 Millionen Flüchtlinge aus dem Osten

Viermal ist die Novelle verfilmt worden, Generationen von Schülern lasen und analysierten sie. Heute ist das Buch als Schullektüre praktisch ausrangiert. Aufstieg und Fall dieser Geschichte erzählen viel über unsere Gesellschaft. Die Botschaft von Pole Poppenspäler kommt nicht ohne Grund in der Nachkriegszeit besonders gut an. "Nach dem Krieg suchte man in der deutschen Literatur nach Geschichten, die human und ungefährlich waren", sagt Ernst Rainer Fricke, pensionierter Deutschlehrer. Die armen, sozial benachteiligten Puppenspieler finden durch Heirat eine Heimat und können sich gesellschaftlich etablieren. Dieser Plot interessiert die Menschen eines Landes, das fast 14 Millionen Flüchtlinge aus dem Osten aufnimmt. "Mit Liebe und Zuneigung wird die Integration gelingen, das erzählt uns Pole Poppenspäler", sagt Fricke. "Eine Botschaft, die in unser komplexen Welt nicht mehr ausreicht."

Stand: 21.02.2014

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.